Wer nichts ist…

….und wer nichts kann, der geht zur Post und Eisenbahn. Ist ihm dieses nicht gelungen, macht er in Versicherungen.

Wahrscheinlich haben Sie diesen Spruch in ihrer Vergangenheit auch öfters gehört, besonders vor der Berufswahl. Hier in Irland lebt die Versicherungsbranche quasi im Luxus.

Tailtiu, die Autoschönheit um die es geht, hat es schwer versichert zu werden

Wie überall so braucht man auch in Irland eine Versicherung, besonders wenn man ein Auto besitzen will. Und spätestens hier beginnen die Probleme, wenn man eine Versicherung sucht. Vor ein paar Wochen kauften meine Frau und ich einen gebrauchten Nissan Leaf, Baujahr 2016 in „mint condition“ wie der Händler schrieb und bevor wir den Wagen abholten, kümmerte ich mich um die Versicherung, das heißt ich wollte, denn ich musste feststellen, dass es nicht so einfach ist.

Die erste Versicherung gab mir eine Quote von 3000 € pro Jahr, die zweite war mit 2300 schon günstiger und offerierte mir das Angebot als einmaliges Schnäppchen, wenn wir sofort abschließen würden, andernfalls würde mich die Versicherung 2500 € kosten und das wollen wir doch nun wirklich nicht. Nun weder wollten wir das „Schnäppchen“ noch den regulären Preis. Ich besitze den Autoführerschein seit 1983, war 19 Jahre versichert, ohne einen Unfall zu haben, bekam dann einen Firmenwagen, brauchte ein Privatauto nicht, habe dann die Pflege für meine Mutter übernommen und sie mit ihrem Auto – mein Vater starb 2007 – überall herumgefahren.

Danach, bis 2010, hatte ich wieder einen Firmenwagen. Dies habe ich schon beim ersten Mal mitgeteilt. Es war kurz nachdem ich in Irland angekommen war, dass ich beabsichtigte einen Wagen zu kaufen, und habe von meiner Versicherung ein Schreiben über die Versicherungszeit erhalten. Das hatte ich damals an die Allianz eingereicht, habe dann aber vom Kauf eines Autos abgesehen, da ich so gut wie nie in Irland unterwegs war und wenn, dann nahm ich den Fernreisebus.

Ich dachte also, dass es auch andere Angebote geben müsse und naiv wie ich manchmal bin, machte ich mich auf die Suche nach einer Fahrzeugversicherung. Wieder ging ich zur Allianz, wählte eine Versicherung aus, machte alle Angaben und zahlte am Ende 550 €, jubelnd zeigte ich das meiner Frau mit dem Hinweis, dass es wohl doch noch vernünftige Versicherungen gab.

Allianz meldete sich und fragte noch nach Unterlagen, die ich bereitwillig schickte und man schrieb mir man würde mir die Versicherungsunterlagen zuschicken, soweit so schlecht, denn Allianz tat erst mal gar nix, sondern schickte mir am Tag der Abholung eine Mail, dass sie das Schreiben meiner Versicherung nicht anerkennen, sonst nichts.
Am Nachmittag stellte ich fest, dass man mir die Summe auf mein Konto überwiesen hatte.

Noch einmal kontaktierte ich die Allianz, die sich Zeit mit der Beantwortung ließ und erklärte im Copy&Paste den Sachverhalt, den ich vorher schon geschrieben hatte. Dann bekam ich die Nachricht man könne mich nur versichern, wenn ich eine „Full Irish License“ vorweisen könnte, da ich ja praktisch Anfänger sei. Ich rief also die Allianz an und erklärte, um was es ging und es nicht sein könne, dass eine europäische Versicherung einen irischen Führerschein verlange, was eine Verletzung des europäischen Rechts auf Gleichbehandlung sei. Der Angestellte am anderen Ende der Leitung meinte nur, das es ihm egal sei, weil Allianz das so sieht, und wenn ich damit nicht einverstanden bin, dann könne ich Beschwerde einlegen. Er ratterte noch eine Nummer runter und legte ohne sich zu verabschieden auf.

Nun haben wir also ein Auto mit Steuer, NCT – vergleichbar dem TÜV in Deutschland -, und das Töffi hat auch seine eigene ESB Card damit wir Strom laden können, wenn es durstig ist. Was wir nicht haben ist eine Versicherung, da irische Versicherungen sich weigern eine Versicherung zu gewähren, wenn man nicht gewillt ist einen Kredit für eine Fahrzeugversicherung aufzunehmen, oder gewillt ist einen neuen Führerschein zu beantragen, natürlich einen irischen, was einen Verstoß darstellt.

Der Journalist Ralf Sotschek schrieb in einem Artikel für die TAZ, über den Zorn irischer Autobesitzer wenn um Versicherungen geht, und überschrieb das ganze mit „Abzocke im großen Stil,“ und da ist was Wahres dran.

Auch wenn mein Führerschein ein alter ist und noch mehrere Jahre gültig bis er ersetzt werden muss, habe ich zähneknirschend einen irischen beantragt, was durch Covid komplizierter ist, denn der NDLS – sowas wie die Führerscheinstelle – arbeitet durch Covid nur bedingt.