Feindbild E-Mobilität

Unknown-1
Sion, Sono Motors

Ich habe es schon mal geschrieben, ich bin ein Anhänger der E-Mobilität und freue mich natürlich wenn ich lese, dass wir hier in Irland immer mehr Menschen haben, die vom Verbrenner auf die E-Mobilität umsteigen. Auch wenn die Irish Times fragt, ob denn genügend Ladepunkte vorhanden sind, so muss man unserer Regierung bescheinigen, dass man, bevor man die E-Mobilität forcierte, sich um die Ladeinfrastruktur gekümmert hat. Gut, es ist auf jeden Fall ausbaufähig, keine Frage, aber wenn ich bedenke das gegenüber meines ersten Apartments eine Ladestation stand, dann zeigt es, dass man das Ganze sehr ernst nahm.

Allerdings habe ich, was Deutschland betrifft, immer noch den Eindruck, als wolle man mit allen Mitteln verhindern, dass der Anteil an E-Autos einen größeren Anteil am Verkehr einnimmt. Gut, die Redakteure der Daily Mail sind offensichtlich entschiedene Gegner der E-Mobilität und versuchen, so wie es in der englischen Berichterstattung üblich ist, ihre Leser mit Horrorstories von den E-Autos abzubringen. Aber auch die Deutschen sind offensichtlich immer noch nicht weiter und ich kann nicht umhin zu sagen, die Dummheit und Verve mit der manche Kommentatoren und Redakteure ihre Ahnungslosigkeit zeigen, zeigt wie wenig sich die Leute damit auseinandergesetzt haben.

Wasserstoff ist die Zukunft

Ich gestehe, vor 10 Jahren habe ich den menschengemachten Klimawandel auch in das Reich der Legende verwiesen, aber, und das ist das Gute am Internet, wenn man wirklich an etwas interessiert ist dann findet man alle Informationen die man sucht. Und, ich weiß das ist so, die Klimaforscher haben die besseren und plausibleren Argumente. Hinzu kommt, dass diejenigen die sich abwertend, oder skeptisch, zum Klimawandel äußern, meist über keinerlei wissenschaftliche Ausbildung verfügen. Nehmen wir das „Klimainstitut“ EIKE, dessen Präsident, Holger Thuß, hat eigentlich einen Doktor in Geschichte. Aber da sich jeder, der eine Wetterstation an der Wand hängen hat, als Klimaexperte bezeichnen kann, lädt das Institut, das eigentlich kein Institut ist sondern ein Club aus Rentnern mit Langeweile, regelmäßig zum Schwoof ein und referiert, mit freundlicher Unterstützung amerikanischer Lobbygruppen die glauben, man kann einen Klimawandel mit Geld beseitigen. Da bleibt es nicht aus, auch die AfD greift fleißig auf die Ergüsse dieser „Experten“ zurück.

Mein Liebling, Guido Reil -ein Bekannter aus Deutschland machte mich auf ihn aufmerksam-, ist zwar dumm wie ein Bagger, aber da er offenbar die Testperson von Dunning und Kruger war, zelebriert er seine Ahnungslosigkeit –„In Grönland war es vor 800 Jahren warm. Entschuldigung ich bin Bergmann, ich kann Ihnen was

Toyota_Mirai_–_Frontansicht,_11._November_2018,_Düsseldorf
Toyota Mirai Quelle: Wikipedia

über Kohle erzählen“-. Zum Glück liess er die Ruhrpottgrammatik daheim und sagte nicht, „ich kann Sie watt zu die Kohle erzählen,“ und ich fragte mich, ob er auch einen Bergmannsschlüpfer an hat, vorne Kupfer, hinten Kohle. Jemand wie Reil sitzt dann im Europaparlament und bestätigt die Worte Kurt Schumachers: „Wenn wir irgend etwas beim Rechtspopulismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, daß ihm zum erstenmal in der Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist.“ Nun richtete Schumacher die Rede nicht an die AfD, sondern an Goebbels, aber wenn man sich die AfD anschaut, dann wundert einen gar nichts mehr.

Auf jeden Fall hatte ich eine Diskussion auf der Facebookseite der Achse des Guten, die regelmäßig ihre Ahnungslosigkeit in Sachen E-Mobilität publik macht und mit einem

Hyundai_Nexo_–_f_16032019
Hyundai Nexo Quelle: Wikipedia

Beitrag zu den Gefahren der E-Autos bewies. Ein Leser schrieb daraufhin, dass die Linksgrüne Lobby den deutschen Wutbürger, äääh Autofahrer enteignen will und dieser gezwungen wird für teuer Geld ein E-Auto zu kaufen, dabei, das sei doch bekannt, sei das Wasserstoffauto viel besser und man solle gefälligst darauf warten. Nun, niemand bestreitet die Effizienz eines Wasserstoffautos, sowie die Umweltverträglichkeit, nur sollte man sich, wenn man schon Links herbeizieht, diese auch lesen. Sein Link bestand aus einem Artikel in dem der Redakteur darüber schrieb, warum Wasserstoff derzeit wenig Sinn macht. Zum einen sind die Umweltbelastungen höher. So schreibt das Handelsblatt:

„Denn eine wichtige Hürde bei der Markteinführung ist das teure Platin: In jeder Brennstoffzelle stecken gut 60 Gramm des teuren Edelmetalls. Das entspricht circa 3000 Euro pro Zelle. „Die größte Herausforderung ist es, ein Substitut für das teure Platin zu finden“, so Experte Bratzel. Daimler forscht gerade daran, den Platinanteil in den Zellen zu senken. Das ist auch nötig, denn würden alle Autos und Lkw mit Brennstoffzellen heutiger Bauart ausgerüstet, wären sämtliche Platinressourcen, die noch im Boden schlummern, mit einem Mal aufgebraucht.

Nicht nur Autoexperten, auch Umweltverbände sehen die Einführung des Wasserstoffautos skeptisch. „Es wird so getan, als lösten Wasserstoffautos das Klimaproblem. Das ist aber nicht so“, sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. Vielmehr sei der Wasserstoff „ein Placebo für die Umwelt“, da die Energie um den Wasserstoff zu erzeugen unverhältnismäßig groß sei.

Zumeist wird Wasserstoff aus Erdgas gewonnen: Bei hoher Temperatur und hohem Druck wird in einem speziellen Verfahren Wasserstoff, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid aufgespalten. Dem Klima sei so nicht geholfen, so Lohbeck. Denn das CO2, das bei der Verbrennung des Wasserstoffs eingespart werde, entstehe dabei bei der Herstellung des Wasserstoffs.“

Und viel hat sich seitdem leider nicht geändert, auch wenn die Asiaten weiter am Ball bleiben. Das günstigste Wasserstoffauto, der Hyundai Nexo, kostet laut Hersteller in Deutschland ab 69.000€. Ein Toyota lag zu Beginn bei 98.000€ und ist jetzt ab 78.000 zu haben. Hinzu kommt, so schrieb der Spiegel vor wenigen Tagen: „Bisher sind es 71 bundesweit (Tankstellen für Wasserstoff), bis zum Jahresende sollen es 100 sein – zu wenig, um Deutschland flächendeckend zu versorgen. Zum Vergleich: Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte für Batterie-Elektroautos lag nach Angaben des Energieverbands BDEW zuletzt bei rund 17.400. Dazu kommt eine unbekannte Zahl von privaten Ladestationen – Batterieautos lassen sich zu Hause betanken, Wasserstoffautos nicht.“

Da wir allerdings jetzt Alternativen brauchen, auch wenn E-Mobilisten erklären, dass der Elektroantrieb eigentlich immer noch am Anfang steht, mag es zwar eine gute Idee sein, wenn man die Forschung weiter betreibt, aber im Moment ist es völlig an der Realität vorbei wenn man man an seinem Diesel festhält und auf das Einhorn wartet.

Das Ende der Atacamawüste

Die Öffentlich-rechtlichen Sender werden seit einigen Jahren generell von deutschen

image-12143-860_poster_16x9-sfww-12143
Salzsee Atacamawüste Quelle: Wikipedia

Wuthamstern als Lügenpresse bezeichnet. Selbst wenn der Wetterbericht zutrifft, dann regen sich die deutschen Michel darüber auf, dass es 2 Grad zu warm, oder zu kalt ist. Von daher sollte man doch eigentlich, wenn man schon einen Faktencheck einrichtet wie die ARD, in der Lage sein, vernünftig seine Beiträge zu recherchieren. Am 4. Juni strahlte die ARD (WDR) einen Beitrag aus, mit dem Thema „Kann das Elektroauto die Umwelt retten“, wobei der ursprüngliche Titel auf YouTube lautete, „die Lüge vom Elektroauto,“ ich kann mich zwar nicht genau daran erinnern, aber einige E-Blogger, die sich mit dem Beitrag beschäftigten schrieben das.

Mir wurde er mir auf YouTube angeboten und ich dachte, „nanu? Das E-Auto der Klimakiller Nr. 1?“ Was ich da sehen konnte war an Ressentiments, Verdrehungen und Lobbyismus kaum zu übertreffen und teilweise hatte ich den Eindruck, Vertreter der Ölindustrie, sowie die „Experten“ von EIKE hätten beratend zur Seite gestanden.

Die Atacamawüste war schon mal das Thema des Herrn Prof. Lesch und des ZDF und schon damals kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus als ich mir die hahnebüchenen Argumente durchschaute. Es wunderte mich nicht wirklich, dass ausgerechnet Klimaskeptiker, die Gruppe „Freie Fahrt für freie Lanzbulldogbesitzer“(ab Minute 3.21), die „Stickstoffschnüffler Stuttgart,“ sowie die „Petrolheads Paderborn“ das Video mit Harald Lesch teilen mussten, spricht er ihnen doch aus dem Herzen. Anscheinend wollte der WDR da nicht zurückstehen und dachte, „da geht noch was,“ also

220px-Guido_Reil
Guido Reil „Klimaexperte,“ Bergmann und für die AfD im Europaparlament Quelle: Wikipedia

setzte man sich mit Sack und Pack in’s Flugzeug, weil das Klima ja egal ist, wenn es darum geht irgendeine Sauerei aufzudecken und düste nach Südamerika, genauer nach Argentinien. Dort angekommen zeigte man ein paar Leute, Landwirte, die dort ihre Lamas hielten und auf das Wasser angewiesen sind. Nun ist es immer blöd und setzt einen in Erklärungsnot den Nutzen der E-Autos zu erklären, wenn Leute in die Öffentlichkeit kommen und in die Kamera sagen, „nur weil Ihr Deutschen ein sauberes Klima wollt, werden wir vergiftet und müssen verdursten!“ Bämm, das sitzt, denn wie will man das begründen, wenn ein paar findige Köpfe genau denselben Kniff verwenden wie Populisten, nämlich vereinfachen und weglassen.

Fehlen durfte auch nicht jemand von Brot für die Welt, die von den erhabenen Flamingos sprach die nun, wegen den E-Auto Spinnern, dort verjagt werden. Nun liegt mir Whataboutism fern, allerdings sei die Frage gestattet, wie man auf der einen Seite Klimaskeptikern kritisch begegnet, auf der anderen Seite aber das Flugzeug nutzt, um nach Argentinien zu kommen, denn laut Brot für die Welt war man öfters vor Ort und offensichtlich nicht in der Lage, oder nicht Willens -vielleicht hat man diesen Hinterhältigen Indios aber auch nicht vertraut- eine Skypeverbindung aufzubauen und sich über die Lage vor Ort informieren zu lassen. Und die gelieferten Argumente liefern geradezu eine Steilvorlage gegen die E-Mobilität.

Vergessen wurde nämlich folgendes: Nicht nur in Argentinien, auch in Leschs Thema, Chile, wurde der Hinweis vergessen, dass der Abbau des Lithiums, einem Abfallprodukt der Salzgewinnung, nicht erst sei Anfang des Jahres stattfindet, sondern bereits in den Neunziger Jahren begann, denn Lithium wird nicht nur in den Akkus der E-Autos verwendet, sondern auch in Akkus für Computer, Smartphones und Herzschrittmacher, dann in Glas und Keramik, Schmiermittel, Strangguss, Kunststoff, Aluminium und Klimaanlagen. Die Akkus für E-Fahrzeuge, dazu gehören alle Fahrzeuge mit Batterie (auch Elektroboote, Elektroroller, E-Bikes und Motorräder), machen einen Teil der 35% Batterien und Akkumulatoren aus. Das zu erwähnen hätte den ganzen Bericht wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen.

Weiter kommt dass die Leute das Land nicht besitzen, sondern sich darauf berufen schon immer da gelebt zu haben. Das Land gehört dem Staat und es ist nicht ersichtlich, wurde auch gar nicht hinterfragt, ob die argentinische Regierung ihnen einen Ausgleich angeboten hat, was sie eigentlich schon in den Neunzigern hätte machen müssen. An Hand von Leschs Aussagen zu Chile hat sich die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie die Mühe gemacht für Klarheit zu sorgen, sie schreiben: „Danach sind derzeit die weltgrößten Förderländer Australien, Chile, Argentinien und China. Künftig wird auch Bolivien dazu kommen, wo die größten Reserven lagern, und wo die Regierung gerade mit Deutschland einen Vertrag zwecks einer gemeinsamen Gewinnung/Verarbeitung des Lithiums geschlossen hat. Denn die deutsche Autoindustrie bezieht bisher kein reines Lithium für ihre Akkus aus dem Ausland – und auch nicht aus Chile – sondern nur Zellen bzw. ganze Akkus.“ Weiter schreiben sie: „Nach Berechnungen aus dem Jahr 1996 nimmt das Gebiet durch ober- und unterirdische Zuflüsse sowie Regen jährlich 172 Millionen Kubikmeter Wasser auf. Andererseits werden 27 Millionen Kubikmeter Wasser für die Landwirtschaft entnommen, und sogar 145 Millionen Kubikmeter verdunsten jährlich, wobei darin das Wasser der Kaliumchlorid-/Lithiumchlorid-Förderung enthalten sein dürfte. Ob durch die Förderung der Grundwasserspiegel für die wenigen dort lebenden Menschen sinkt, wird zwar bisweilen behauptet, ist aber nicht eindeutig. Denn die von Lesch so dramatisch aufgeführten 21 Millionen Liter Wasser täglich sind auch „nur“ 21.000 Kubikmeter pro Tag und rund 7,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr, also eine relativ geringe Menge im Wasserhaushalt des Salzsees.“ (Das gilt für Chile) für Argentinien wurden gar keine Zahlen angegeben, nur dass jährlich etwa 10 Mrd Liter Wasser abgepumpt werden. Zahlen habe ich, ich gestehe es, keine gefunden, vielleicht hat ja jemand weitergehende Informationen. Nun listet Brot für die Welt auch die anderen Produkte auf bei denen Lithium verwendet wird, da das aber dem Konzept widersprechen würde wurde das in der Dokumentation einfach weggelassen, es geht um den Klimakiller, Fakten verwirren da nur.

Da Nachhaltigkeit alles ist und Recherche hinderlich, setzt man den deutschen Autobauern in Interviews die Pistole auf die Brust und will von ihnen wissen, ob diese denn ihre Lieferanten dazu verpflichten, auf einen ökologisch unbedenklichen Abbau zu setzen. Allen diese Frage zeigt, wie Ahnungslos die Macher an das Thema herangegangen sind, denn die Autobauer beziehen kein Lithium, sie kaufen fertige Akkus. Und auch wurde die Frage nicht erörtert, wo denn das Lithium überhaupt herkommt, ja, auch aus Chile, bzw. Argentinien, aber nicht nur. „Denn die deutsche Autoindustrie bezieht bisher kein reines Lithium für ihre Akkus aus dem Ausland – und auch nicht aus Chile –, sondern nur Zellen bzw. ganze Akkus von Herstellern wie CATL/China, Panasonic/Japan, Samsung und LG/Korea. Das Fehlen einer eigenen Zellfertigung in Europa ist Thema in allen Medien. Dass die großen Zellfertiger nicht jedes Gramm in der Zelle nach Herkunft beschriften, ist klar, zumal sie selbst den Rohstoff rund um die Welt einkaufen. Damit erübrigt sich auch die Frage nach der Herkunft des Lithiums.“ Schreibt die Gesellschaft für Sonnenenergie.

Das Tesla eine Drehgenehmigung für ihre Gigafactory verweigerte wunderte mich da nicht mehr so wirklich. Und, hätte man die Eingangs gezeigten E-Autobesitzer gefragt, man hätte sich den ganzen Film sparen können, denn die wissen besser Bescheid und sind sich auch über die Probleme bewusst, im Gegensatz zum WDR.

Da fällt auch die „Schwedenstudie“ nicht mehr weiter in’s Gewicht. Einzig im Fazit bin ich auf der Seite der Macher. Ja, wir brauchen eine andere Mobilität, sicher weniger Individualverkehr, aber auch hier greift man wieder zu kurz, was macht man mit den Menschen in ländlichen Gebieten? Hier in Irland sind wir ohne Auto aufgeschmissen. Der Busverkehr ist zwar gut, aber trotzdem gibt es Gegenden die kein Bus anfährt. Das gilt für Deutschland gleichermassen und man kann nicht die Landbevölkerung zwingen in die Stadt zu ziehen, das geht nicht, also muss man alternative Lösungen finden. Die Firma E-Flat hat, wie ich finde ein sehr gutes Konzept, denn man kann dort einen flexiblen Leasingvertrag abschliessen und entweder ein E-Auto testen, oder die Zeit überbrücken bis man ein Eigenes hat.

Mehr Anreize

In einem Bericht über China und den Verkehrskollaps, sowie die Industrialisierung, wurde erzählt, dass die Regierung, um dem entgegenzuwirken, eine Mindestanzahl an E-Autos staatlich verordnet hat. Jeder Fahrzeughersteller ist per Gesetz dazu verpflichtet

Unknown
Microlino verfügbar Herbst 2019

auch eine Palette an E-Autos zu produzieren, macht er das nicht, drohen Strafen. Im Gegenzug bekommt man eine Förderung von umgerechnet etwa 10.000$, damit das E-Auto nicht viel teurer als ein Verbrenner ist. Dementsprechend ist die Entwicklung sehr hoch und weiter fortgeschritten als in der „Autonation“ Deutschland. Chinesische Autohersteller haben die Ambition selbst Tesla vom Thron zu stoßen und der Weltgrößte Produzent von Elektrofahrzeugen zu werden.

Ich muss es gestehen, ich mag die Chinesische Politik nicht und habe es lange vermieden Elektroprodukte aus China zu kaufen, aber es geht nicht, China beherrscht mittlerweile die Märkte. Allerdings muss ich anerkennen, dass eine Ein Parteien Diktatur auch Vorteile bringt, was das Umdenken anbetrifft. Nun bin ich zwar nicht der Meinung europäische Regierungen sollten Autobauer zwingen mehr E-Autos zu produzieren, allerdings wären höhere Anreize ein Mittel um die E-Mobilität voranzutreiben, verbunden mit einem besseren Ausbau der Lade- und Infrastruktur, wenn man es mit dem Klimawandel wirklich ernst nimmt denn der Autoverkehr nimmt den ersten Platz der Umweltsünder ein. (Vielleicht hat ja jemand aktuelle Zahlen dazu)

Ach übrigens die AfD hat mich auf Twitter geblockt. War mir klar, denn Leute die sich in ihrer Opferrolle suhlen und von Meinungsfreiheit faseln sind unendlich froh, dass es in Sozialen Netzwerken die Funktion des Blockieren gibt, wenn einem die Fragen nicht passen.

 

Blut und Boden

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost. Carl Zuckmayer „Des Teufels General“  Völkermühle Europas

Unknown-5
AfD sauer weil Deniz freigelassen und nicht gefoltert wurde.

Eigentlich ist es schon eine Groteske wenn man eine Debatte darüber anstößt, wer einem Volk angehören darf und wer nicht. Diese Groteske fand in Deutschland ihren Höhepunkt, mit einem Antrag der AfD, zur Freilassung Deniz Yücels aus einem türkischen Gefängnis. Mir geht es nicht darum, ob die Bundesregierung nun auf die Türkei eingewirkt hat oder nicht, oder ob irgendwelche Deals stattgefunden haben.  Ich glaube es war so, wie der im Asyl lebende türkische Journalist Can Dündar in einem Interview mit der Zeit geantwortet hat: „Der Sultan hat Deniz Yücels Verhaftung angeordnet und der Sultan hat beschlossen, dass er freigelassen wird.“

Ich war genauso froh wie die Meisten, dass Deniz frei ist und das zählt erst einmal. Und ich hoffe, dass auch die anderen inhaftierten Journalisten freikommen, deren Verbrechen es ist, dass sie ihren Job ausüben. Mir geht es allerdings um etwas anderes, denn der Antrag der AfD hat gezeigt, auf welchem Weg Europa mittlerweile angekommen ist. Es geht der AfD auch nicht darum, was Yücel, der übrigens damals für seinen Artikel 20.000€ Strafe zahlen musste, nun geschrieben hat und was nicht. Und wenn nicht Deniz Yücel, sondern Fürchtegott Liebrecht Frommhold, der Antrag wäre gar nicht gestellt worden.

Es geht der AfD auch nicht darum, dass die Bundesregierung ihre Missbilligung über einen Artikel Yücels zum Ausdruck bringt, den er vor einigen Jahren schrieb, sie wissen wahrscheinlich selber dass das Absurd ist.

images-1
Cem Özdemir in Hochform zerlegt die AfD

Es geht der AfD vielmehr darum auszuloten, wie weit sie in dieser Gesellschaft gehen können. 2005 sorgte die sächsischen NPD Abgeordneten Apfel und Gansel für einen Eklat, als sie vom „Bombenholocaust“ und von der „vermeintlichen Befreiung“ Deutschlands sprachen. Sowohl die NPD als auch die AfD wissen genau, dass sie mit solchen Eskapaden nicht durchkommen, aber es sorgt für allgemeinen Zuspruch bei den sogenannten „Wutbürgern.“Sie haben die Möglichkeit auszuloten, wie weit sich Meinungsfreiheit und parlamentarische Demokratie dehnen lassen und besitzen die Meinungshoheit bei Leuten, die schon gewußt haben wollen, dass Deutschland von Volksverrätern regiert wird. Man gibt diesen Leuten auch das Instrument in die Hand, sich als Opfer darzustellen, die zu Unrecht in die Schmuddelecke gestellt werden. Dass sie das sind, Schmuddel, steht außer Frage, aber man muß ihnen nicht noch das Büßergewand reichen. Und folgerichtig kam es, wie es kommen mußte die AfD sieht sich als moralischen Sieger dieser Groteske und jauchzt: „MERKE: Wenn Gutmenschen kritisiert werden, ist es Hetze. Wenn eine Aussage gegen Deutsche („Köterrasse“) kritisiert wird, ist es Zensur. Und wenn Herr Yücel ein „deutscher Patriot“ sein soll, muss rasch das Staatsangehörigkeitsrecht überdacht werden. #afd“ So schrieb es der Herr Beckamp, Landtagsabgeordenter der AfD in NRW, auf seinem Twitter Account.

Sowas kommt an bei denen, die der Meinung sind, dass Roberto Blanco seinen deutschen Paß doch eh mit irgendwelchem Bimbes erhalten hat, gut an. Volkszugehörigkeit definiert sich nicht durch Paß oder Geburt, nein ihrer Meinung nach definiert sich Volkszugehörigkeit nach dem Ahnenstamm.

maxresdefault
Westentaschenführer muss eingestehen: Hitler war gar kein Deutscher

Nur wer lückenlos nachweisen kann, dass sein Stammbaum bis zu Otto dem Kühnen zurückreicht, ist es wert in den Kreis des Kollektivs aufgenommen zu werden. Oder, für Österreicher, ein direkter Nachfahr Ludwig III ist, dem Urvater der Babenberger und Gründer Österreichs.

Leider hat das in Europa unter all diesen Populisten schon seit längerem Methode und beschränkt sich nicht auf Deutschland oder Österreich. Hier in Irland findet man sehr häufig Kommentare, die Neubürgern das Recht absprechen Iren zu sein, oder sich als solche zu bezeichnen. Allen Ernstes fordern sie, dass nur Ire sein darf, wer praktisch noch vor Ankunft der Wikinger im Land lebte. Eine in der Tat groteske Situation denn Irland war in der Vergangenheit immer der Vorgarten fremder Mächte. Die Kelten waren die Ersten die vom Festland aus die Insel besiedelten. Ihnen folgten die Mönche, meist Angelsachsen, dann kamen die Wikinger bis die Normannen Fuß fassten und Irland für die englische Krone in Besitz nahmen.

In Cork haben wir einen Juwelier mit Namen Hilser und ich nehme nicht an, dass die Hilser Brothers mit den Hilsers in Furtwangen verwandt oder verschwägert sind. Eher nehme ich an, dass die Vorfahren in Schweizer Diensten standen und die Schweizer wiederum in englischen. Wahrscheinlich war der Herr Hilser in Irland stationiert und hat sich, nach Ende der Dienstzeit, hier niedergelassen, geheiratet und Kinder bekommen. Der erste Staatspräsident des Freistaates Irland, Éamon de Valera, geht auf Spanier zurück. Wahrscheinlich haben sich auch Türken hier niedergelassen, als der türkische Sultan während des Famines Schiffe nach Irland sandte, wer weiß.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, genannt der Viktator, beschwört in jeder seiner Reden das Großmagyarische Reich.

images-1
Der Viktator liebt Kinder und verschweigt seine Westsibirische Abstammung…Komplott der Liberalen?

Das kommt an, lenkt von Problemen wunderbar ab, denn „Wir“ gegen „Die“ begreift auch der größte Holzkopf. Ungarn sind nicht mehr die, die im europäischen Ausland leben und arbeiten, denn die könnten ihm ja in die Suppe spucken. Oh nein, Ungarn sind die, die im Kernland und im historischen Ungarn leben, also auch die ungarische Minderheit in Rumänien. Das ist eine griffige Formel und alle die im Ausland arbeiten haben ihr Recht verwirkt Angehörige der Magyaren zu sein, praktisch Verräter.

Das Problem ist, dass Volk, leider auch von Liberalen, auf einen völkischen Nenner runtergebrochen wurde. Man definiert sich durch Abstammung, nicht durch Geburt. Der Satz, „eine Katze die in einem Fischladen geboren wurde, ist noch lange kein Fisch,“  sagt alles worum es diesen Leuten eigentlich geht. Und das kommt an. Man kann sich so auch als unschuldiges Opfer der bösen „Gutmenschen“ sehen und Orbán spielt diese Klaviatur des Opfers noch eine Oktave höher, in dem er den „Verfolgten des westlichen Liberalismus“ Asyl anbietet. Quasi eine Wagenburg der europäischen Identität.

So sehr ich Cem Özdemirs Wutausbruch im Bundestag auch nachvollziehen kann und ihn im ersten Moment, als ich ihn gesehen habe, Beifall zollte, so sehe ich jetzt in seiner Rede einen Steilpaß für diese Populisten.

gottfriedcurio.jpg
Gottfried Curio AfD: Baut der Physiker vielleicht eine Atombombe im Keller?

Die Frage allerdings wird sein, wie geht am Besten mit diesen Leuten um? Im englischen und irischen Fernsehen läuft häufiger die Werbung von Ancestor DNA, Vielleicht sollte man diese Leute, und ihre Sympathisanten, zwingen sich einem DNA Test zu unterziehen. Eventuell erledigt sich dieses völkische Kasperltheater von selbst, wenn ein Herr Gauland plötzlich die Feststellung macht, dass einer seiner Vorfahre ein durchreisender Mongole aus der Steppe ist, oder Herr Gottfried Curio stellt überrascht fest einen Ahnherren aus den Weinbergen Sardiniens zu besitzen.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob damit die Debatte und groteske Aträge der Vergangenheit angehören würden. So wie ich diese rechten Wuthamster einschätze würden sie dann die nächste Sau durch‘s Dorf treiben.