O’Sullivan’s March

Brian Boru, Chapel Royal, Dublin Castle

Die irische Geschichte bietet, gerade wenn man sich dafür interessiert ein reichhaltiges Betätigungsfeld. 800 Jahre war Irland von England besetzt, davor waren die Wikinger hier auf der Insel wovon beispielsweise der Reginald’s Tower in Waterford Zeugnis ablegt. Auch kann man auf den Spuren der Ur-Einwohner wandeln und, wenn man in Waterford ist, dem Portal Tomb von Ballindud einen Besuch abstatten. Allerdings hielt die Wikingerzeit in Irland nicht lange an und in der Schlacht von Clontarf, 23. April 1014, fand die Vorherrschaft ein jähes Ende als die Armee Brian Boru’s die Wikinger unter der Führung Sigurd Lodvessons besiegte. In der Schlacht kam Brian zu Tode und angeblich, so heißt es in den Legenden, wären sämtliche irischen Barden an seinem Totenbett erschienen und hätten drei Tage und drei Nächte hindurch Brian Boru’s March gespielt. Ob es sich so, oder ähnlich abgespielt hat kann ich nicht sagen, ich war nicht dabei und wahrscheinlich diejenigen die die Legende geschrieben haben auch nicht. Auf jeden Fall kennt jedes Neugeborene die Geschichte, oder hat sie bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Vielleicht kommt von diesem Ereignis auch der Hang der Iren zur Musik.

Auf jeden Fall erzählen unsere Traditionals die gesamte irische Geschichte und wer interessiert an der Insel ist, der sollte sich einfach mal die Musik der Dubliners, oder Chieftains anhören.

Nachdem Brian in der Schlacht gefallen war brach nicht nur die Skandinavische Herrschaft zusammen, auch die Iren verfielen wieder in ihre alten Streitereien da Brian nur kurze Zeit Hochkönig war und in der kurzen Zeit seine Macht nicht gefestigt hatte, war es keinem seiner Söhne gelungen einen Anspruch auf das Amt des Hochkönig anzumelden. So hatten es die Engländer, beziehungsweise die Normannen, in englischen Diensten stehend, es leicht die Insel zu erobern. Dermot MacMurrough (Diarmait Mac Murchada), König von Leinster, geriet in Streit mit Tiernan O’Rourke (Tigernán Ua Ruairc), dem König von Bréifne (Leitrim, Cavan, Sligo), da Dermot unbedingt Derforgaill, die Frau Tiernans haben wollte. Tiernan wollte seine Frau aber nicht hergeben, vielleicht weil sie außergewöhnliches Irish Stew kochen konnte, und so kam es zum Krieg zwischen den beiden Königen. Dermot unterlag und floh nach England. Beim englischen König Heinrich II erhoffte er sich Unterstützung, also suchte er, nachdem er 1166 in Bristol angekommen war, Heinrich auf und trug diesem sein Anliegen vor. Dermot erhoffte sich anscheinend von Heinrich, dass dieser mit seinen Soldaten dafür sorgen würde das Dermot nicht nur Derforgaill bekommt, sondern auch Hochkönig von Irland wird. Heinrich, ganz Ohr, stimmte begeistert zu und schickte Richard Fitz Gilbert mit seiner Armee, bestehend aus normannischen Reitern und walisischen Bogenschützen nach Irland, da er, wahrscheinlich auf Grund der Schilderungen, festgestellt hatte, wie leicht die Insel zu erobern sei. Richard machte Nägel mit Köpfen und Heinrich krönte sich 1171 zum König von Irland. Dermot ging leer aus, denn nicht mal die Königswürde gedachte Heinrich ihm zu geben. Im Gegenteil teilte er Irland unter seinen normannischen Baronen auf und zementierte damit die Achthundert Jahre dauernde Herrschaft der Engländer. Unterbrochen, oder angegriffen, wurde diese nur durch Edward the Bruce, dem Bruder Roberts, der von Robert nach Irland gesandt wurde und den Anspruch der Schotten auf den irischen Königsthron wahren sollte. Unterstützung erhielt Edward nur durch die Stämme im Norden (sowie seinem Bruder) und nach seiner Krönung 1316 in Dundalk, lebte Edward nur noch zwei Jahre und die „Pangälische“ zerbrach, da man die Schotten von der Insel warf.

Donal Cam O’Sullivan

1594 begann der Krieg zwischen einer Allianz unter der Führung des Earl of Tyrone und der englischen Regierung in Irland statt. Der Neunjährige Krieg, wie er genannt wird, war die Auseinandersetzung zwischen gälisch-irischen Katholiken und protestantischen, besser mehrheitlich protestantischen, Engländern. Die gälisch-irischen Kräfte erhofften sich Unterstützung durch den spanischen König Philipp III., der, trotz der Niederlage der Armada 1588, darauf erpicht war die Engländer zu schlagen, sowie die Vormachtstellung zu brechen. Philipp ließ sich also überzeugen die irischen Rebellen zu unterstützen und sandte seine Armee nach Irland die am 2. Oktober 1601 bei Kinsale landete und sich aufmachte die Festungen in Kinsale zu belagern, um die englischen Kräfte zu binden. Allerdings kamen viel weniger Soldaten als geplant, nämlich nur 3400 statt 5000 und zum anderen hatten weder die Spanier, noch die Rebellen sich um Cork Gedanken gemacht. Cork hatte sich nämlich mit den Engländern arrangiert, es ging ihnen Blendend und sie sahen auch keine Notwendigkeit darin an diesem Status irgendetwas zu ändern. Allerdings bestand der County Cork nicht nur aus Cork. Donal Cam O’Sullivan, Count von Berehaven im irischen Südwesten, hatte sich der Allianz des Earls von Tyrone angeschlossen und weilte, als die Spanier Kinsale belagerten im Norden um sich mit den anderen Fürsten abzustimmen, wie das weitere Vorgehen sein soll. Während seiner Abwesenheit überfielen englische Truppen die Insel Dursey, wo Donal 300 Frauen, Kinder und Alte in Sicherheit hatte bringen lassen. Die Verteidiger der Insel wurden gehängt und die Engländer richteten ein Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Es heißt, dass den Frauen ihre Kinder auf den Rücken gebunden wurden und diese dann die Klippen runtergeworfen.

Am 31. Dezember des Jahres 1602 kehrte Donal zurück und scharte die restlichen Überlebenden um sich. Mit 1000 Personen machte er sich auf den 500 Kilometer langen Marsch und in den vier Tagen, in denen dieser Marsch dauerte starben viele an Hunger und Erschöpfung, oder wurden in Kämpfen zwischen O’Sullivan’s Männern und den Engländern getötet. Am 4. Januar 1603 soll Donal mit 35, von anfänglich 1000 den Hof Tyrones erreicht haben. Auf dieses historische Ereignis bezieht sie O’Sullivan’s March. Donal Cam O’Sullivan ging nach Spanien in’s Exil wo er 1618 ermordet wurde, wie es heißt von einem Killer im Dienste der englischen Krone. In einem Buch habe ich gelesen, dass der Mörder ein englischen Geheimagent war, der in Madrid am Hofe des spanischen Königs Spionage betreiben sollte, dann aber den Auftrag erhielt O’Sullivan zu beseitigen. Hugh O’Neill, der Earl of Tyrone, starb 1616 im römischen Exil, nachdem es ihm gelang aus London zu flüchten, da man ihm durch Verrat (es scheint ein Krankheit der Iren und Schotten zu sein, diese Uneinigkeit) eine Falle gestellt hatte. Er ging erst nach Spanien, zusammen mit O’Sullivan, aber, da es ihm in Spanien zu unsicher war, nach Italien.

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PEGIDA

Alltagsrassismus

Bisher war ich eigentlich immer froh, dass es hier in Irland kaum extrem rechte Ansichten gibt bzw. Populisten, wie Pegida oder AFD, auf Kontinentaleuropa beschränkt sind. Rassismus? Ja! Wie überall, aber doch schon so versteckt, dass man manchmal genau hinsehen muß um ihn zu entdecken.

Aufgewachsen bin ich, wie man heute so sagt, in einem “Multikulti” Umfeld. Rassismus war für mich nie ein Thema und wenn ich Streit hatte, dann mit der Person, nicht mit der Nationalität. Ich bekenne mich dazu dass auch ich von Zeit zu Zeit Klischees über Nationalitäten teile obwohl ich weiß, dass die Klischees nicht auf alle Angehörigen einer Nationalität zutreffen. Aber ich denke das liegt in der Natur des Menschen kleine Eigenheiten als symptomatisch für eine Gruppe anzunehmen.

Rassismus hier in Irland habe ich erfahren, als ich einmal auf ein Taxi warten mußte und eine Frau, die sich vorgedrängelt hatte in das Taxi stieg und es sofort wieder verließ. Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht, bis der Fahrer fragte ob ich ein Problem damit hätte das er schwarz ist. “Natürlich nicht,” sagte ich und mir fiel wieder ein, dass ich öfters Leute beobachtet hatte, die an wartenden Taxis vorbeiliefen und sich gezielt das Taxi raussuchten in dem ein Weißer saß.

Mein Fahrer erklärte mir daraufhin wie die Erfahrung als Schwarzer in Irland ist, das Leute ihn, oder andere als Affen beleidigen, oder ihnen sagen, dass sie doch dorthin zurückkehren sollten wo sie hergekommen sind. Oder, so völlig beiläufig erwähnten, wenn sie schon das Taxi nutzten, dass es doch allgemein bekannt sei, dass alle Afrikaner Aids haben, Diebe, oder Räuber sind und sie hier in Irland doch nur die Sozialhilfe kassieren würden, die sie dann an ihre Sippe, daheim in Afrika, schicken. Groteskerweise erwarten solche Leute dann auch noch das der Fahrer ihnen zustimmt. Ein Bekannter von mir, Michael, der aus Nigeria nach Irland kam und einen Abschluss in Wirtschaft machte hatte mir damals das Gleiche erzählt, ohne das ich nachgehakt hätte.

Ich denke jeder der hier arbeitet, hat schon mal die eine oder andere Form der Ablehnung erlebt. Klassisch ist das Beispiel das man gefragt wird, warum man denn hier in Irland den Iren die Arbeitsplätze wegnimmt. Erklärt man das mit den Multinationalen Firmen, die in Irland ihren Sitz haben und das diese Firmen Mitarbeiter suchen, die in der Lage sind zwei Sprachen zu sprechen, nämlich die Heimatsprache und englisch, dann kann man in den Gesichtern ablesen wie die Information verzweifelt eine Station zum andocken sucht. Natürlich gibt es diese Leute in jedem Land, aber es ist extrem nervig sich dafür zu rechtfertigen warum man im Land ist und keineswegs einem Iren den Arbeitsplatz streitig macht. Ich kenne auch viele Iren, die mehrsprachig sind und durchaus fremde Märkte bearbeiten. Aber um die geht es auch nicht.

Das Problem dieser Leute ist, dass sie nicht einmal die eigene Geschichte kennen. Vor ein paar Wochen zum Beispiel, da war ein Bericht auf RTÉ, unserem staatlichen Rundfunksender, zum Thema Asylanten. Vorgestellt wurden 3 Syrer, die in einem Sternerestaurant in Galway Arbeit fanden. Der Besitzer war voll des Lobes und erzählte, dass die 3, bevor sie nach Irland gekommen sind, in einem Hotel in Damaskus arbeiteten. Einer der Drei war dort Küchenchef, bevor er die beschwerliche Flucht auf sich nahm.

Es gab zu dem Bericht mehrheitlich positive Kommentare, aber im Gedächtnis blieben mir die Hasserfüllten rassistischen.

Flüchtlinge

Als Irland sich dazu bereit erklärte, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, da setzte man als Bedingung die Leute vor Ort auszuwählen, so wie es Groß Britannien gemacht hat. Der Faktencheck der Zeitung “The Journal” schrieb im November 2016, dass insgesamt 616 Flüchtlinge aufgenommen wurden. Die Organisation “The Borgen Project” schrieb, dass in diesem Jahr, bis Mai 2017, Irland weitere 273 Flüchtlinge aufgenommen hat. Insgesamt sollen etwa 4000 Flüchtlinge in Irland eine Heimat finden, ob nun vorübergehend oder dauerhaft.

Einigen Leuten sind schon 200 Flüchtlinge zuviel und obwohl die Regierung nicht mal in der Lage ist die benötigten Unterkünfte bereitzustellen, sorgen sich einige Iren darum, dass mit den Flüchtlingen auch Probleme für die Autochthone Bevölkerung zu befürchten sind. “Schmarotzer” war noch eine der harmlosen Umschreibungen für Leute, die durch den Bürgerkrieg alles verloren haben und die nicht sonderlich darüber erfreut gewesen sein dürften ihr Land zu verlassen.

Die Phobie, die die Flüchtlinge, sowie die Migranten ausgelöst haben, sorgte dann dafür, dass sich hier in dem Land eine PEGIDA gründete, quasi die Auslandsorganisation kontinentaleuropäischer Rassisten. Der Gründer, Peter O’Loughlin, ist auch der Initiator der “Identity Ireland,” einer Ansammlung ewig Gestriger, die mit dem Slogan „Irland der Iren“ hausieren gehen. Allerdings ging die Generalprobe von PEGIDA gründlich in die Hose. Die Teilnehmer, die sich offensichtlich in historischer Verklärung auf den Weg zum GPO (General Post Office) machten, wurden von Gegendemonstranten auseinander getrieben, in eine Seitenstraße gejagt und mußten ausgerechnet in einem 1€ Shop, betrieben von Nichtiren, Schutz vor dem aufgebrachten Mob suchen.

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Hilfe von der Garda für Rassisten der PEGIDA

Erst die Garda konnte die wackeren Vorkämpfer für ein weißes Europa aus ihrer mißlichen Lage befreien. Bei O’Loughlin und den anderen Idioten zeigt sich vor allem das mangelnde Wissen der irischen Geschichte. Irland war zwar nie ein klassisches Einwanderungsland, aber die wechselnde Geschichte hat zahlreiche Ausländer nach Irland gebracht. Allein Eamon de Valera hätte davon erzählen können.

Exkurs in Geschichte

Khaleefah Abdul-Majid I, der Sultan des Osmanischen Reiches, war von den Berichte über die Hungersnot in Irland so erschrocken, dass er, um die Not zu lindern, Queen Victoria 10.000£ (etwa 1 Million €) spenden wollte damit die Hungersnot bekämpft werden könne. Victoria, der diese Summe als viel zu hoch erschien, schließlich hatte man selber nur 2.000£ zur Verfügung gestellt, sagte ihm das 1.000£ durchaus genug wären. Nun wollte es der Sultan nicht bei dem Geld belassen, sondern sandte auch Schiffe in Richtung Irland, um Nahrungsmittel zu bringen, was von den britischen Behörden abgelehnt wurde, so dass die türkische Flotte in einer Nacht und Nebel Aktion in Drogheda landete und die Ladung löschte.

Als irische Nationalisten um Unterstützung für ihre Sache nachsuchten, da wurden sie auch in Berlin vorstellig. Zu der Zeit allerdings war man in Berlin nicht unbedingt bereit die irische Sache zu unterstützen. Das war 1912, ein Krieg nicht in Sicht, und die Deutschen nicht bereit sich auf Abenteuer einzulassen. Das änderte sich allerdings 1914 und die Deutsche Regierung unterstützte, wenn auch Halbherzig, die Rebellen durch Waffenlieferung und die Genehmigung deutsche Gefangenenlager zu besuchen, damit die Rebellen Werbung für ihre Sache unter den irischen Kriegsgefangenen machen konnten und zwischen 1936-1937 kämpften ca. 700 Freiwillige der Legion of St. Patrick für Franco und gegen die spanische Republik. Nun kämpften zwar auch Iren in den Internationalen Brigaden, aber ihre Zahl war wesentlich überschaubarer.

Viele Iren, besonders diejenigen die jetzt Stimmung gegen Migranten machen, haben keine Ahnung davon. Sie wissen auch nicht, dass es eine Zeit gab in der irische Migranten wie Aussätzige behandelt wurden.

In England beispielsweise wurden Iren mit Affen gleichgesetzt. Iren betrachtete man als Minderwertig und gerade während der Famines verweigerte man Iren in England Jobs mit dem Hinweis, das Iren bekannt für ihren Alkoholismus und ihre Gewalttätigkeit wären. Die Anti-irischen Ressentiments beschränkten sich allerdings nicht auf England allein. 1860 gab es in amerikanischen Städten die Kampagne “No Irish need applying.” Iren wurden auf Grund ihrer Religion, ihrer Ansichten, oder gleich alles zusammen von der Gesellschaft ausgegrenzt. Auch wenn Historiker erklären diese Kampagne in den USA sei nicht auf Iren beschränkt gewesen, so ist es auffällig wenn man liest, dass diese Anti-irischen Ressentiments überall im Commonwealth Anklang fanden und nicht nur in den USA.

Die Rassisten hier wollen davon nichts wissen, halten sich für überlegen gegenüber anderen Gruppen die hier leben und halten es auch für falsch, wenn Iren im Ausland arbeiten bzw. Sportveranstaltungen im Ausland besuchen. Diskussionen haben also wenig Sinn. Sie begreifen auch nicht, dass ohne die Multinationalen Firmen “ihr” Irland auf einen Agrarstatus zurückfallen würde, denn die irischen Firmen, die im 21 Jahrhundert angekommen sind, brauchen diese Leute nicht und wären wahrscheinlich über kurz oder lang auch nicht wettbewerbsfähig da viele Iren die Insel verlassen würden. Irische Firmen auf dem Weltmarkt kann man wahrscheinlich an den Fingern einer Hand abzählen, was zu wenig ist um das Land international voranzubringen.

Irland den Iren

Als die Professorin für Soziologie am Trinity College, Ronit Lentin, in einem Interview erklärte, Migration wäre für Irland absolut notwendig, da brach ein Shitstorm über Frau Lentin herein. Allein die Tatsache das eine Ausländerin, dazu noch jüdisch und Israelin, ausgerechnet den Iren erklärt Irland wäre gut beraten mehr Migranten im Land aufzunehmen brachte für diese Leute das Fass zum überlaufen.

Grotesk an der Geschichte ist, das Frau Lentin für ihre Antiisraelische und Antizionistische Haltung von irischen und englischen Pro-Israelischen Gruppen stark kritisiert wird. Dinge also, für die sie eigentlich von rassistischen Gruppen Zuspruch kriegen müsste, wäre da halt nicht die Migration. Ich will jetzt nicht wirklich die Meinung einiger Gruppen dazu verlinken denn die sind nicht gerade Jugendfrei und weit unterhalb der Gürtellinie.

Ronit Lentin, und ihr Kollege Robbie McVeigh, erklärten in der Irish Times, dass man die Gründung eines PEGIDA Ablegers und den Anstieg des Rassismus in Irland mit Sorge betrachten würde. Da etwa 770.000 Menschen ausserhalb Irlands geboren wurden, wäre es an der Zeit die Regularien zur Erlangung der irischen Staatsbürgerschaft zu überdenken. Für unsere wackeren Kämpfer zuviel, wo kommen wir denn hin wenn jeder Schwarzafrikaner und Pakistaner plötzlich mit Dublinakzent redet und einen roten Pass mit Harfe besitzt.

Ich lebe nun schon länger hier und Irland ist meine Heimat geworden, aber ich finde Entwicklungen wie PEGIDA und Identity Ireland mehr als verstörend. Ich weiss das die Iren keine Heiligen sind und es ebenso, wie in anderen Völkern auch, komplette Vollidioten gibt. Verstörend waren auch die Kommentare in den Medien die sich beleidigend zu Frau Merkel äusserten und in ihr alles Übel in Europa auszumachen glauben. Ich hoffe aber, dass die Mehrheit der Iren die offen sind, auch offen bleiben und das dieser versteckte Rassismus gegen Ausländer, besonders Polen und Schwarzafrikanern hoffentlich bald der Vergangenheit angehört, denn im Moment klingt  „céad mile fáilte“ wie das Pfeifen im dunklen Wald.

Irland und ich

Ich lebe jetzt seit über 7 Jahren in Irland. Angefangen hat mein Verhältnis mit dieser Insel aber schon davor und zwar in den 70er Jahren. Ich weiß nicht mehr genau wann das war, aber mein Vater bekam von seiner Firma Tickets für ein Konzert der Dubliners

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Damit hat alles angefangen

in Köln und nahm mich, da sonst niemand Interesse hatte, dorthin mit. Da war so der Anfang meiner Fixerkarriere. Wir waren beide von der Musik begeistert die anders klang als das, was man bisher so gehört hatte. Platten wurden gekauft, oder mein Vater bekam sie geschenkt und irgendwann ebbte die Euphorie für Land und Leute bei meinem Vater ab, während sie bei mir stieg, besonders, da der WDR regelmäßig die Auftritte David Tynan O’Mahonys, besser bekannt als Dave Allen, im Fernsehen zeigte.

Dave Allen war ein brillanter irischer Comedian und seine Art, wie er nicht nur Land und Leute, sondern auch die katholische Kirche, auf’s Korn nahm führten dazu, dass viele Sendungen von RTÈ boykottiert wurden. Da die Sendungen eh von der BBC aufgezeichnet wurden und überwiegend in Groß Britannien gezeigt, dürfte es für Mr. Allen keinen Beinbruch bedeutet haben in Irland eine gewisse Persona non Grata gewesen zu sein.

Er hatte die Angewohnheit auf der Bühne zu sitzen und während seiner Show zu

Dave Allen
Dave Allen

rauchen, sowie ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit zu trinken, was die Leute zu der Annahme verleitete er würde ein Glas Whisky trinken. Allen beließ die Leute in dem Glauben, allerdings trank er Ginger Ale. Er meinte später hätte er wirklich Alkohol während der Show getrunken, dann wäre er wohl vom Stuhl gerutscht. Aber, so sagte er auch, die Leute assoziieren einen Iren sehr gerne als trinkfeste Person und er wollte ihnen diese Illusion nicht nehmen. Jede seiner Shows beendete er mit den Worten, „may your God be with you.“

Mein Interesse war nun noch mehr geweckt und so begann ich, neben Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“ auch und direkt irische Schriftsteller zu lesen, quasi Quellenforschung. Joyce, bzw. Ulysses fand ich furchtbar und war mehr von Sean O’Casey, dem großen irischen Dramatiker, angetan. Den Film „Cassidy der Rebell,“ mit Rod Steiger und Maggie Smith hatte ich sogar aufnehmen lassen. Der Film, über die Zeit O’Caseys während des Easter Rising 1916, war angelehnt an die Autobiographie Caseys „Mirror in my House,“ über die Anfänge von ca. 1911 bis 1917.

Liam O’Flahertys Zornige grüne Insel“ habe ich mehrfach gelesen. Es ist für mich eines der besten Bücher über die Geschichte Irlands und ich kann dieses Buch nur jedem, der sich für die Geschichte der grünen Insel interessiert, sehr an’s Herz legen. Leider konnte ich das Buch nie im Original lesen denn es scheint, als hätten irische Buchverleger kein Interesse daran. Aber auch die deutsche Übersetzung ist ihr Geld allemal Wert. Wer also an Irland interessiert ist und im Winter nichts besseres vor hat, dem sei O’Flaherty an’s Herz gelegt.

Bevor ich aber abschweife wieder zurück zum Thema. Also da mich nun Irland gefesselt hatte, begann ich die Geschichte Irlands zu studieren, von den Anfängen, über die Zeit der Engländer bis zur Gründung des irischen Freistaates. Ich lernte wer Brian Boru war, machte mich vertraut mit Michael Collins und Èamon de Valera. Und lernte auch Tomaś MacCurtain kennen.

http://irishamerica.com/2016/02/michael-collins-from-the-g-p-o-to-beal-na-mblath/
Èamon de Valera (links) und Michael Collins (rechts) 1921

Natürlich lernte ich die irische Folklore kennen, sowie die Legenden und durch zwei irische Kollegen wußte ich, dass es in Irland Gegenden gibt von den die Einwohner überzeugt sind, die Elfen würden dort leben und meideten diese Gegenden wie die Pest.

Ich nahm mir vor das ich eines Tages diese Insel besuchen würde, nun dass ich dort arbeiten würde, das kam mir eigentlich nie in den Sinn. Urlaub, ja, natürlich. Natürlich kam es nie zum Urlaub, da andere Prioritäten Vorrang hatten und ich war überall in Europa, aber nicht in Irland.

Dies änderte sich als meine Mutter gestorben war. Mit Hilfe eines Freundes räumte ich die Wohnung meiner Eltern leer und das war es dann für mich. Bekannte von mir meinten ich solle mich doch in England bewerben, dann könnten wir uns regelmäßig sehen. Also gesagt und getan, und die Bewerbung in’s englische übersetzt und bei Monster.co.uk eingesetzt und dann gewartet was passiert. Irgendwann bekam ich einen Anruf von einer Recruitmentfirma in Dublin. Man hätte einen tollen Job bei einer multinationalen Firma in Irland und fragte, ob ich nicht Interesse daran hätte. Natürlich sagte ich dem Mann, „eigentlich bin ich auf dem Weg nach England, aber ok, Irland liegt direkt daneben“ und willigte zu ein, ein Interview zu führen. So kam es dass ich nach Irland kam und nun schon über 7 Jahre hier lebe und arbeite. Habe ich es bereut? Ja, natürlich, manchmal kamen schon Gedanken warum man sich das antut. Aber im Großen und Ganzen, nein, ich habe es gesamt gesehen nicht bereut. Ich denke, da ich ein Familienmensch bin, war es schwer in einem anderen Land zu leben, als meine Eltern noch am leben waren. Ich habe ein Jahr in Italien und Österreich verbracht und zu der Zeit, also in Italien, gab es kein Computer und Internet. Gut Computer schon, aber die wenigsten hatten privat einen. Also war es für mich immer schwierig weil ich zwar weg aus Deutschland wollte, so wie mein Vater, aber halt nicht getrennt von der Familie. Nachdem meine Mutter als Letzte starb -Mein Bruder und mein Vater waren schon vorher gestorben- und man mir meinen Hund vergiftet hatte, da war es für mich einfacher Deutschland zu verlassen. Natürlich hätte ich, wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte in ein anderes Land außer Irland zu gehen, überall hingehen können. Ich hatte sogar, da lebten meine Eltern noch, die Möglichkeit in Neuseeland zu arbeiten, aber als die sagten, dass mein Hund in Quarantäne müsse und dort etwa 6 bis 8 Wochen zu bleiben hätte, lehnte ich es ab mit dem Hinweis, „ich habe meinen Hund aus einem italienischen Knast befreit, wo sie 2 Jahre als Justizopfer einsaß, nur weil sie nicht für den Job als Hütehund geeignet war und vom Besitzer, bevor sie in den Knast kam, gefoltert wurde. Da werde ich sie sicher nicht noch einmal in den Knast geben, auch wenn es gut gemeint ist. Mein Hund ist gesund und arbeitsfähig, das sollte reichen.“ Irgendwie kam mein Statement nicht so gut an, aber egal.

Ach ja, Irland. Ich hatte mich mal bei Creative Labs beworben und ein Angebot für Dublin bekommen, das war Ende der Neunziger und es wäre auch zu einem Vertrag gekommen, wenn ich nicht knapp davor ein Rückzieher gemacht hätte, so dauerte es halt 12 Jahre, bis ich meinen Fuß auf irischen Boden setzten konnte.