PEGIDA

Alltagsrassismus

Bisher war ich eigentlich immer froh, dass es hier in Irland kaum extrem rechte Ansichten gibt bzw. Populisten, wie Pegida oder AFD, auf Kontinentaleuropa beschränkt sind. Rassismus? Ja! Wie überall, aber doch schon so versteckt, dass man manchmal genau hinsehen muß um ihn zu entdecken.

Aufgewachsen bin ich, wie man heute so sagt, in einem “Multikulti” Umfeld. Rassismus war für mich nie ein Thema und wenn ich Streit hatte, dann mit der Person, nicht mit der Nationalität. Ich bekenne mich dazu dass auch ich von Zeit zu Zeit Klischees über Nationalitäten teile obwohl ich weiß, dass die Klischees nicht auf alle Angehörigen einer Nationalität zutreffen. Aber ich denke das liegt in der Natur des Menschen kleine Eigenheiten als symptomatisch für eine Gruppe anzunehmen.

Rassismus hier in Irland habe ich erfahren, als ich einmal auf ein Taxi warten mußte und eine Frau, die sich vorgedrängelt hatte in das Taxi stieg und es sofort wieder verließ. Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht, bis der Fahrer fragte ob ich ein Problem damit hätte das er schwarz ist. “Natürlich nicht,” sagte ich und mir fiel wieder ein, dass ich öfters Leute beobachtet hatte, die an wartenden Taxis vorbeiliefen und sich gezielt das Taxi raussuchten in dem ein Weißer saß.

Mein Fahrer erklärte mir daraufhin wie die Erfahrung als Schwarzer in Irland ist, das Leute ihn, oder andere als Affen beleidigen, oder ihnen sagen, dass sie doch dorthin zurückkehren sollten wo sie hergekommen sind. Oder, so völlig beiläufig erwähnten, wenn sie schon das Taxi nutzten, dass es doch allgemein bekannt sei, dass alle Afrikaner Aids haben, Diebe, oder Räuber sind und sie hier in Irland doch nur die Sozialhilfe kassieren würden, die sie dann an ihre Sippe, daheim in Afrika, schicken. Groteskerweise erwarten solche Leute dann auch noch das der Fahrer ihnen zustimmt. Ein Bekannter von mir, Michael, der aus Nigeria nach Irland kam und einen Abschluss in Wirtschaft machte hatte mir damals das Gleiche erzählt, ohne das ich nachgehakt hätte.

Ich denke jeder der hier arbeitet, hat schon mal die eine oder andere Form der Ablehnung erlebt. Klassisch ist das Beispiel das man gefragt wird, warum man denn hier in Irland den Iren die Arbeitsplätze wegnimmt. Erklärt man das mit den Multinationalen Firmen, die in Irland ihren Sitz haben und das diese Firmen Mitarbeiter suchen, die in der Lage sind zwei Sprachen zu sprechen, nämlich die Heimatsprache und englisch, dann kann man in den Gesichtern ablesen wie die Information verzweifelt eine Station zum andocken sucht. Natürlich gibt es diese Leute in jedem Land, aber es ist extrem nervig sich dafür zu rechtfertigen warum man im Land ist und keineswegs einem Iren den Arbeitsplatz streitig macht. Ich kenne auch viele Iren, die mehrsprachig sind und durchaus fremde Märkte bearbeiten. Aber um die geht es auch nicht.

Das Problem dieser Leute ist, dass sie nicht einmal die eigene Geschichte kennen. Vor ein paar Wochen zum Beispiel, da war ein Bericht auf RTÉ, unserem staatlichen Rundfunksender, zum Thema Asylanten. Vorgestellt wurden 3 Syrer, die in einem Sternerestaurant in Galway Arbeit fanden. Der Besitzer war voll des Lobes und erzählte, dass die 3, bevor sie nach Irland gekommen sind, in einem Hotel in Damaskus arbeiteten. Einer der Drei war dort Küchenchef, bevor er die beschwerliche Flucht auf sich nahm.

Es gab zu dem Bericht mehrheitlich positive Kommentare, aber im Gedächtnis blieben mir die Hasserfüllten rassistischen.

Flüchtlinge

Als Irland sich dazu bereit erklärte, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, da setzte man als Bedingung die Leute vor Ort auszuwählen, so wie es Groß Britannien gemacht hat. Der Faktencheck der Zeitung “The Journal” schrieb im November 2016, dass insgesamt 616 Flüchtlinge aufgenommen wurden. Die Organisation “The Borgen Project” schrieb, dass in diesem Jahr, bis Mai 2017, Irland weitere 273 Flüchtlinge aufgenommen hat. Insgesamt sollen etwa 4000 Flüchtlinge in Irland eine Heimat finden, ob nun vorübergehend oder dauerhaft.

Einigen Leuten sind schon 200 Flüchtlinge zuviel und obwohl die Regierung nicht mal in der Lage ist die benötigten Unterkünfte bereitzustellen, sorgen sich einige Iren darum, dass mit den Flüchtlingen auch Probleme für die Autochthone Bevölkerung zu befürchten sind. “Schmarotzer” war noch eine der harmlosen Umschreibungen für Leute, die durch den Bürgerkrieg alles verloren haben und die nicht sonderlich darüber erfreut gewesen sein dürften ihr Land zu verlassen.

Die Phobie, die die Flüchtlinge, sowie die Migranten ausgelöst haben, sorgte dann dafür, dass sich hier in dem Land eine PEGIDA gründete, quasi die Auslandsorganisation kontinentaleuropäischer Rassisten. Der Gründer, Peter O’Loughlin, ist auch der Initiator der “Identity Ireland,” einer Ansammlung ewig Gestriger, die mit dem Slogan „Irland der Iren“ hausieren gehen. Allerdings ging die Generalprobe von PEGIDA gründlich in die Hose. Die Teilnehmer, die sich offensichtlich in historischer Verklärung auf den Weg zum GPO (General Post Office) machten, wurden von Gegendemonstranten auseinander getrieben, in eine Seitenstraße gejagt und mußten ausgerechnet in einem 1€ Shop, betrieben von Nichtiren, Schutz vor dem aufgebrachten Mob suchen.

riot-pegida
Hilfe von der Garda für Rassisten der PEGIDA

Erst die Garda konnte die wackeren Vorkämpfer für ein weißes Europa aus ihrer mißlichen Lage befreien. Bei O’Loughlin und den anderen Idioten zeigt sich vor allem das mangelnde Wissen der irischen Geschichte. Irland war zwar nie ein klassisches Einwanderungsland, aber die wechselnde Geschichte hat zahlreiche Ausländer nach Irland gebracht. Allein Eamon de Valera hätte davon erzählen können.

Exkurs in Geschichte

Khaleefah Abdul-Majid I, der Sultan des Osmanischen Reiches, war von den Berichte über die Hungersnot in Irland so erschrocken, dass er, um die Not zu lindern, Queen Victoria 10.000£ (etwa 1 Million €) spenden wollte damit die Hungersnot bekämpft werden könne. Victoria, der diese Summe als viel zu hoch erschien, schließlich hatte man selber nur 2.000£ zur Verfügung gestellt, sagte ihm das 1.000£ durchaus genug wären. Nun wollte es der Sultan nicht bei dem Geld belassen, sondern sandte auch Schiffe in Richtung Irland, um Nahrungsmittel zu bringen, was von den britischen Behörden abgelehnt wurde, so dass die türkische Flotte in einer Nacht und Nebel Aktion in Drogheda landete und die Ladung löschte.

Als irische Nationalisten um Unterstützung für ihre Sache nachsuchten, da wurden sie auch in Berlin vorstellig. Zu der Zeit allerdings war man in Berlin nicht unbedingt bereit die irische Sache zu unterstützen. Das war 1912, ein Krieg nicht in Sicht, und die Deutschen nicht bereit sich auf Abenteuer einzulassen. Das änderte sich allerdings 1914 und die Deutsche Regierung unterstützte, wenn auch Halbherzig, die Rebellen durch Waffenlieferung und die Genehmigung deutsche Gefangenenlager zu besuchen, damit die Rebellen Werbung für ihre Sache unter den irischen Kriegsgefangenen machen konnten und zwischen 1936-1937 kämpften ca. 700 Freiwillige der Legion of St. Patrick für Franco und gegen die spanische Republik. Nun kämpften zwar auch Iren in den Internationalen Brigaden, aber ihre Zahl war wesentlich überschaubarer.

Viele Iren, besonders diejenigen die jetzt Stimmung gegen Migranten machen, haben keine Ahnung davon. Sie wissen auch nicht, dass es eine Zeit gab in der irische Migranten wie Aussätzige behandelt wurden.

In England beispielsweise wurden Iren mit Affen gleichgesetzt. Iren betrachtete man als Minderwertig und gerade während der Famines verweigerte man Iren in England Jobs mit dem Hinweis, das Iren bekannt für ihren Alkoholismus und ihre Gewalttätigkeit wären. Die Anti-irischen Ressentiments beschränkten sich allerdings nicht auf England allein. 1860 gab es in amerikanischen Städten die Kampagne “No Irish need applying.” Iren wurden auf Grund ihrer Religion, ihrer Ansichten, oder gleich alles zusammen von der Gesellschaft ausgegrenzt. Auch wenn Historiker erklären diese Kampagne in den USA sei nicht auf Iren beschränkt gewesen, so ist es auffällig wenn man liest, dass diese Anti-irischen Ressentiments überall im Commonwealth Anklang fanden und nicht nur in den USA.

Die Rassisten hier wollen davon nichts wissen, halten sich für überlegen gegenüber anderen Gruppen die hier leben und halten es auch für falsch, wenn Iren im Ausland arbeiten bzw. Sportveranstaltungen im Ausland besuchen. Diskussionen haben also wenig Sinn. Sie begreifen auch nicht, dass ohne die Multinationalen Firmen “ihr” Irland auf einen Agrarstatus zurückfallen würde, denn die irischen Firmen, die im 21 Jahrhundert angekommen sind, brauchen diese Leute nicht und wären wahrscheinlich über kurz oder lang auch nicht wettbewerbsfähig da viele Iren die Insel verlassen würden. Irische Firmen auf dem Weltmarkt kann man wahrscheinlich an den Fingern einer Hand abzählen, was zu wenig ist um das Land international voranzubringen.

Irland den Iren

Als die Professorin für Soziologie am Trinity College, Ronit Lentin, in einem Interview erklärte, Migration wäre für Irland absolut notwendig, da brach ein Shitstorm über Frau Lentin herein. Allein die Tatsache das eine Ausländerin, dazu noch jüdisch und Israelin, ausgerechnet den Iren erklärt Irland wäre gut beraten mehr Migranten im Land aufzunehmen brachte für diese Leute das Fass zum überlaufen.

Grotesk an der Geschichte ist, das Frau Lentin für ihre Antiisraelische und Antizionistische Haltung von irischen und englischen Pro-Israelischen Gruppen stark kritisiert wird. Dinge also, für die sie eigentlich von rassistischen Gruppen Zuspruch kriegen müsste, wäre da halt nicht die Migration. Ich will jetzt nicht wirklich die Meinung einiger Gruppen dazu verlinken denn die sind nicht gerade Jugendfrei und weit unterhalb der Gürtellinie.

Ronit Lentin, und ihr Kollege Robbie McVeigh, erklärten in der Irish Times, dass man die Gründung eines PEGIDA Ablegers und den Anstieg des Rassismus in Irland mit Sorge betrachten würde. Da etwa 770.000 Menschen ausserhalb Irlands geboren wurden, wäre es an der Zeit die Regularien zur Erlangung der irischen Staatsbürgerschaft zu überdenken. Für unsere wackeren Kämpfer zuviel, wo kommen wir denn hin wenn jeder Schwarzafrikaner und Pakistaner plötzlich mit Dublinakzent redet und einen roten Pass mit Harfe besitzt.

Ich lebe nun schon länger hier und Irland ist meine Heimat geworden, aber ich finde Entwicklungen wie PEGIDA und Identity Ireland mehr als verstörend. Ich weiss das die Iren keine Heiligen sind und es ebenso, wie in anderen Völkern auch, komplette Vollidioten gibt. Verstörend waren auch die Kommentare in den Medien die sich beleidigend zu Frau Merkel äusserten und in ihr alles Übel in Europa auszumachen glauben. Ich hoffe aber, dass die Mehrheit der Iren die offen sind, auch offen bleiben und das dieser versteckte Rassismus gegen Ausländer, besonders Polen und Schwarzafrikanern hoffentlich bald der Vergangenheit angehört, denn im Moment klingt  „céad mile fáilte“ wie das Pfeifen im dunklen Wald.

Werbeanzeigen

E-Mobilität

Vor ein paar Jahren hatte eine Bekannte von mir einen Beitrag der Firma Tesla gepostet. Tesla veranstaltete damals eine Roadshow in München und stellte auf diesem Event seinen Modell S vor. Ich weiß nicht mehr ob es das Spitzenmodell von Tesla war, oder einfach nur ein allgemeines Event, auf jeden Fall war mein Interesse an E-Autos geweckt.
Meine Frau und ich überlegten uns schon eine Weile ein Fahrzeug zu kaufen und interessierten uns eigentlich für einen Hybrid, aber ein E-Fahrzeug, das war schon etwas anderes.

Also machte ich mich auf, studierte diverse Webseiten und Onlineangebote, klickte mich durch diverse YouTube Videos um mehr darüber zu erfahren. -An dieser Stelle danke ich Trevor Larkum für seinen Blog, dann Jan-Bart Spang für seine inspirierenden Videos, Ian Sampson, der seine Erfahrungen mit dem Leaf auf YouTube teilt, Oliver Krüger von 163 Grad und natürlich, und ganz besonders, Robert Llewellyn von Fully Charged
Je mehr ich mich darüber informierte, desto mehr reifte bei mir und meiner Frau der Entschluss, wenn wir uns ein Fahrzeug kaufen, dann einen „Stromer.“

Ich wollte dann natürlich auch deutsche Meinungen hören und war ehrlich gesagt erstaunt, mit welcher Boshaftigkeit dort teilweise diskutiert wurde. Ein sehr großer Teil der Deutschen lehnt das E-Auto radikal ab und auch bei Leuten, von denen man eigentlich annimmt sie wären dazu befähigt objektiv über die Vor- und Nachteile Auskunft zu geben, wurde dermaßen ablehnend und polemisch darüber informiert, dass Leute, die der E-Mobilität positiv gegenüber stehen, teilweise massivst beleidigt wurden, z.B. als „Linksgrün versifft,“ was immer das heißen mag.
Man kann ja nun über neue Konzepte denken was man will, aber hier hatte ich den Eindruck, des Deutschen heiliges Kalb solle auf dem Altar der Nachhaltigkeit geopfert werden und dagegen muss man sich mit allen Mitteln wehren.

Erschreckt hat mich vor allem, mit welchen unsachlichen Argumenten Artikel geschrieben, oder Diskussionen geführt wurden.
Lustig in dem Zusammenhang fand ich einen Artikel auf der „Achse des Guten,“ einem Autorenblog, auf dem mittlerweile offensichtlich jeder schreiben darf der in der Lage ist den Satz zu schreiben, „der Muslim ist böse, der Islam gehört nicht zu Deutschland und jeder Muslim ist ein potenzieller Vergewaltiger vor dem wir uns schützen müssen.“ Und zum Thema Klimawandel bemerkt,“die Eisbären sterben sowieso und wenn sie das nicht tun, dann werden sie eines Tages durch Berlin, Hamburg, oder München laufen und unsere Frauen begrapschen, oder schlimmer noch, uns als Sozialhilfeempfänger auf der Tasche liegen.“ Ein gewisser Dr. Günter Keil schrieb in insgesamt acht Beiträgen, warum die Energiewende gescheitert ist und damit auch das E-Auto eine Totgeburt. Weiter versuchte er über die Gefahren die vom E-Auto ausgehen zu informieren, was in meinen Augen schlicht gescheitert ist.

Dr. Günter Keil muß man wissen, ist Berater der AFD in Sachen Energiepolitik, seine Beiträge, unter anderem auch diesen, schreibt er für das dubiose Institut EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie) einem Zusammenschluss von Leuten, die mit ihrer freien Zeit wenig anzufangen wissen und sich aufgemacht haben, den Klimawandel, mit zweifelhaften Argumenten, zu leugnen.

Das dumme an Dr. Keils Artikel ist allerdings, dass er vor 43 Jahren das exakte Gegenteil von dem geschrieben hat, was er Heute behauptet.

In einem Artikel in der Zeit, zum Thema Energiewende, schrieb er:

„Natürlich kann kein Zweifel daran bestehen, daß ein gewisser Individualverkehr unerläßlich ist. Dennoch gibt es auch hier eine weitaus besser; Alternative: das Elektroauto. Seine bereits bekannten Eigenschaften wie Abgasfreiheit und leises Motorengeräusch werden noch dadurch ergänzt, daß es insgesamt (also einschließlich der Kraftwerksverluste) weniger Energie verbraucht als der herkömmliche Pkw. Da Strom hauptsächlich aus Kohle und in den achtziger Jahren auch aus Kernenergie erzeugt wird, könnte auch der Individualverkehr weniger ölabhängig werden. Für den Kurzstreckenbetrieb geeignete Elektroautos sind bereits entwickelt.“

Nun ist er immer noch ein Verfechter der Kernenergie, dessen Ausbau er beschleunigt sehen möchte, sowie von Kohlekraftwerken. Allerdings spricht er auch davon, dass die Ölquellen keineswegs endlich sind und man auch Fracking anwenden sollte, um weiterhin fossile Energie zur Verfügung zu haben.

Noch schlimmer ist allerdings seine Meinung zu alternativen Energien, sowie zur E-Mobilität. Schrieb er damals noch davon, man müsse die Forschung zu Elektroautos intensivieren um sich unabhängig von den Ölstaaten zu machen, so sagt er heute,

„Die Angebote der Industrie an E-Autos überzeugten bisher nur wenige Kunden, was nicht weiter verwundert, wenn man die hohen Preise, das hohe Gewicht, die kläglichen Reichweiten – die im Winter nochmals abnehmen -, die langen Ladezeiten und die begrenzte Lebensdauer der extrem teuren Batterien betrachtet. Autofahrer sind nicht dumm und es spricht für sie, dass sie sich auch nicht für dumm verkaufen lassen.“

Übrigens, vor 40 Jahren sprach er noch davon, dass bei Strecken, die weiter als 100 Km sind, die Deutschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen sollten.

Da ist es kein Wunder, dass solche Koryphäen in Deutschland auf offene Ohren treffen. Das Auto ist anscheinend immer noch des Deutschen liebstes Kind, da nutzen Argumente nichts.

Ich hatte beim lesen der Artikel und Kommentare teilweise so den Eindruck, als würde jeder deutsche Autobesitzer am Tag zwischen 500 bis 1000 Km zurücklegen, seinen Lunch im Auto genießen und wenn es mal drückt, dann haben sich Pampers sehr bewährt. Ein Argument auf das man sehr häufig, neben der Reichweite, stößt, ist das Argument des Aufladen. Offensichtlich hat man als Autobesitzer keine Zeit, außer wenn man im Stau steht. Nun ist die Reichweite der E-Autos zwischen 150 und ca. 500 Km (Tesla), die Aufladung beträgt je nach Modell zwischen 20 Minuten bis zu zwei Stunden.

Ich besitze seit 1983 den Führerschein und bin seit dieser Zeit, bis auf Unterbrechungen, immer mit dem Auto gefahren. Für mich war das Autofahren mit dem Älterwerden eine Tortur und nicht unbedingt ein Spaß. Der Lärm, der Gestank, die Sorglosigkeit mit der sich andere Verkehrsteilnehmer durch den Verkehr bewegten haben bei mir irgendwann dafür gesorgt, dass ich Autos nicht mehr sehen konnte. Am schlimmsten waren meine Erfahrungen in Österreich wo jeder gefühlte vierte Österreicher der Meinung war, er habe eine Lehrerfunktion einzunehmen und auf der Autobahn von links nach rechts zu pendeln, um seine Mitbürger an das Höchstgeschwindigkeitsgebot zu erinnern. In Deutschland ist es das StVG, das neben der Christophorus Plakette in jedem Auto mitgeführt wird. Natürlich bin ich auch weite Strecken, auch an einem Tag gefahren, aber mittlerweile muss ich nicht zwangsläufig an einem Tag von München nach Hamburg und wieder zurück kommen. Aber offensichtlich ist das der Wunsch.

Ich denke, und das ist das Problem, dass die Bundesregierung sich keine Gedanken darüber gemacht hat, wie sie eine Infrastruktur für die E-Mobilität auf die Beine stellt und das ist hier in Irland anders. Als unsere Regierung das Thema E-Mobilität beschlossen hatte, da ging man hier hin und baute, offensichtlich anders als in Deutschland, erst die Infrastruktur auf und die ist besser als in Deutschland.

Nun hat man zwar das Ziel von 200.000 E-Fahrzeugen bis 2022 nicht erreicht und hinkt auch beim Verzicht auf fossile Brennstoffe hinterher -man will bis 2050 den Verbrauch gesenkt haben-, aber man zeigt, auch wenn man in vielen Dingen hier hinter dem Mond lebt, dass es möglich ist gesetzte Ziele weitestgehend umzusetzen. Vielleicht, man orientiert sich ja an England, ändert sich ja doch der Plan und man verbietet bis 2040 sämtliche Verbrennungsmotoren.

Dies würde in Deutschland nicht machbar sein. Die Regierung hat sich zu abhängig von der Autolobby gemacht und die Autobauer sehen, da die Umsätze immer noch hoch sind, keinen Bedarf sich mit ernsthaften Alternativen zu beschäftigen, wovon der Weg in die E-Mobilität ein wichtiger und richtiger Schritt wäre. Danach könnte man nämlich über Alternativen nachdenken und zu Wasserstoff, als Antriebseinheit nachdenken. Die jetzigen Bemühungen kommen zu spät, Opel vertreibt in Deutschland den Ampera, der in den USA unter dem Namen Bolt auf dem Automarkt bekannt ist, da man offensichtlich einen Trend verschlafen hat. VW hat zwar Konzepte zur reinen E-Mobilität, wovon ein Konzept wohl 2018 oder 2019 auf den Markt rollt und Mercedes bietet ihre Autos, ebenso wie VW, auch als E Alternative an, allerdings gründen diese auf den Verbrennern. Einzig BMW bietet mit dem i3 ein reines Elektroauto an. Ansonsten ist Hybrid für deutsche Autobauer der Antrieb schlechthin.

Ob das auf Dauer aber ausreichen wird, weiterhin im Automobilmarkt ganz vorne mitzuspielen wage ich zu bezweifeln. Das Rennen in Deutschland machen, meiner Ansicht nach, unabhängige Autobauer, wie die Macher des e.Go

Unknown-2
e.Go. Life

, einem Projekt der RWTH in Aachen, die auch schon das Konzept für die Deutsche Post entwickelt haben und für diese einen E-Lieferwagen bauen.

Dann gibt es die Uni München, mit ihrem Hybrid Fahrzeug aus Solar und Stromladung und natürlich aus der Schweiz den Microlino. Und es werden Hersteller wie Tesla, BYD, Hyundai, Renault und Nissan sein, die in Sachen E-Mobilität den Ton angeben. Einzig der E-Smart wird aus dieser Masse herausragen, aber ob das für die erfolgsverwöhnten Autohersteller auf Dauer ausreichend ist, das wage ich zu bezweifeln.

Übrigens, falls nun jemand sagt, „aber das machen doch alle so,“ dann kann ich nur antworten, ich bin nicht alle und wenn alle von der Golden Gate Bridge springen, weil es alle so machen, dann mache ich es nicht, gerade weil alle es machen.

Ich habe für mich beschlossen, dass ich, wenn es geht, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Ich weiß, dass die Natur uns genügend kostengünstige Alternativen zur Verfügung stellt, sei es Wind, Wasser, oder Sonne, man muß sie nur nutzen und…. die fossilen Energien sind a. Nicht unendlich und b. Belasten sie die Umwelt. Der Klimawandel kommt nicht von ungefähr und man sollte endlich mal überlegen, wie man in Zukunft mit der Erde umgehen möchte und nein, ich bin kein Ökofreak, Naturspinner, oder esoterisch angehaucht.

Geisterstunde

Deerpark CBS
Geisterstunde?

Ich nehme an, dass Sie noch nie etwas von der Deerpark Christian Brothers School gehört haben, immerhin ist es die älteste Schule in Cork. Trösten Sie sich, ich lebe zwar seit ein paar Jahren in Cork, wußte aber nie, dass das Gebäude das ich öfters passiert habe, eine Schule ist.

Deerpark CBS wurde 1828 von einer christlichen Gemeinschaft gegründet und ist auch der Träger des 1880 gegründeten Christian Brothers College hier in Cork. Da hier, wie in anderen europäischen Ländern, Schulen meist von der Kirche gegründet wurden, ist Deerpark eigentlich eine ganz normale Schule, wie jede andere auch. Allerdings ist Deerpark seit Anfang Oktober bekannt bis in’s hinterste Kathmandu.

Der Grund, warum eine Schule in Cork auf der Weltbühne erscheint, ist ein Video das von einer CCTV aufgenommen wurde und angeblich einen Poltergeist zeigt, der in der Schule sein Unwesen treibt. Zuerst wurde das Video von Deerpark auf YouTube veröffentlicht und ging, kurz nach der Veröffentlichung viral im Netz.

Zeitungen, Onlinemagazine und Fernsehsender rund um den Globus zeigen ein Video, auf dem man sieht wie sich erst eine Tür öffnet und dann mit lautem Knall schließt, Schränke bewegt und Sachen durch den Raum fliegen.

Die Schule, die bisher nicht für irgendetwas aufregendes stand -vielleicht für die Schüler, die während der Examen schwitzen-, ist nun in den internationalen Fokus gerückt und trägt das Bild Corks hinaus in die weite Welt.

Ob es dort wirklich paranormale Phänomene gibt, oder das Ganze ein Schülerstreich ist, die Aktivitäten zeigen auf jeden Fall sehr schön, wie soziale Netze arbeiten. Kaum waren die ersten Artikel veröffentlicht, meldeten sich auch schon die ersten selbsternannten Experten zu Wort.

Nun ist es zwar schön, wenn eine gewisse Skepsis herrscht, aber man macht sich meist selbst lächerlich wenn man nicht mal einen Funken Anstand besitzt und ohne Rücksicht auf Verluste ausfallend und beleidigend wird, nur weil jemand die Sicht nicht teilt.

Das Problem ist außerdem, wenn man nicht weiß wie die Aufnahmen zustande gekommen sind. Die Schule erklärte gegenüber der Presse, dass es häufiger zu Vorfällen gekommen ist die man sich nicht erklären können und bat, falls jemand eine logische Erklärung hat, würde man sich sehr darüber freuen, denn man sei an einer Aufklärung sehr interessiert. Leider kam bisher nicht wirklich etwas, was die Sache erklären könnte.

Ok, man kann natürlich damit argumentieren, dass die Schule einfach Werbung für ihr Fest an Halloween machen wollte. Für mich kein überzeugendes Argument, denn wenn man lokal Werbung machen will, dann lädt man sowas nicht auf den Server von You Tube.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der Uhrzeit des Videos und der Erklärung des Principals sowie des Head Teacher. Der gezeigte Flur befindet sich im Obergeschoss, das Fenster war geschlossen -was eine Leiter unwahrscheinlich erscheinen läßt- und es ist unlogisch, dass Minderjährige nachts in die Schule kommen, da die CCTVs mit Bewegungsmeldern ausgestattet sind. Es käme natürlich eine Zeitschaltuhr in Frage, d.h. Man hätte die Gegenstände wie die Tür im Hintergrund, den Schrank, oder die Schranktür, sowie das Warnzeichen mit Angeldraht präpariert und via Zeitschaltuhr einen Mechanismus ausgelöst.

Ich persönlich weiß, dass es Dinge gibt, die man auch mit Logik nicht erklären kann und habe in der Vergangenheit ein paar selber erlebt. Hier allerdings glaube ich schon an einen Hoax, sehe aber nicht wie man das alles, ohne zutun der Direktion abgelaufen sein sollte. Die Direktion der Schule macht zwar, wie bei uns in Irland üblich ist, Witze über die Sache, so dass viele Leute, die den irischen Humor nicht verstehen, sofort davon überzeugt sind, es wäre ein Schwindel.

So lange aber niemand von der Schule erklärt, „ja, wir haben uns einen Spaß erlaubt,“ bleibt es was es ist, ein Rätsel. Da kann man noch so oft schreiben die Schuldirektion hat den Schwindel zugegeben (hat sie nicht).

Übrigens hat die Schule mittlerweile ein zweites Video veröffentlicht.

In diesem Sinne….einen gruseligen Abend

 

Irland und ich

Ich lebe jetzt seit über 7 Jahren in Irland. Angefangen hat mein Verhältnis mit dieser Insel aber schon davor und zwar in den 70er Jahren. Ich weiß nicht mehr genau wann das war, aber mein Vater bekam von seiner Firma Tickets für ein Konzert der Dubliners

dubliners-043
Damit hat alles angefangen

in Köln und nahm mich, da sonst niemand Interesse hatte, dorthin mit. Da war so der Anfang meiner Fixerkarriere. Wir waren beide von der Musik begeistert die anders klang als das, was man bisher so gehört hatte. Platten wurden gekauft, oder mein Vater bekam sie geschenkt und irgendwann ebbte die Euphorie für Land und Leute bei meinem Vater ab, während sie bei mir stieg, besonders, da der WDR regelmäßig die Auftritte David Tynan O’Mahonys, besser bekannt als Dave Allen, im Fernsehen zeigte.

Dave Allen war ein brillanter irischer Comedian und seine Art, wie er nicht nur Land und Leute, sondern auch die katholische Kirche, auf’s Korn nahm führten dazu, dass viele Sendungen von RTÈ boykottiert wurden. Da die Sendungen eh von der BBC aufgezeichnet wurden und überwiegend in Groß Britannien gezeigt, dürfte es für Mr. Allen keinen Beinbruch bedeutet haben in Irland eine gewisse Persona non Grata gewesen zu sein.

Er hatte die Angewohnheit auf der Bühne zu sitzen und während seiner Show zu

Dave Allen
Dave Allen

rauchen, sowie ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit zu trinken, was die Leute zu der Annahme verleitete er würde ein Glas Whisky trinken. Allen beließ die Leute in dem Glauben, allerdings trank er Ginger Ale. Er meinte später hätte er wirklich Alkohol während der Show getrunken, dann wäre er wohl vom Stuhl gerutscht. Aber, so sagte er auch, die Leute assoziieren einen Iren sehr gerne als trinkfeste Person und er wollte ihnen diese Illusion nicht nehmen. Jede seiner Shows beendete er mit den Worten, „may your God be with you.“

Mein Interesse war nun noch mehr geweckt und so begann ich, neben Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“ auch und direkt irische Schriftsteller zu lesen, quasi Quellenforschung. Joyce, bzw. Ulysses fand ich furchtbar und war mehr von Sean O’Casey, dem großen irischen Dramatiker, angetan. Den Film „Cassidy der Rebell,“ mit Rod Steiger und Maggie Smith hatte ich sogar aufnehmen lassen. Der Film, über die Zeit O’Caseys während des Easter Rising 1916, war angelehnt an die Autobiographie Caseys „Mirror in my House,“ über die Anfänge von ca. 1911 bis 1917.

Liam O’Flahertys Zornige grüne Insel“ habe ich mehrfach gelesen. Es ist für mich eines der besten Bücher über die Geschichte Irlands und ich kann dieses Buch nur jedem, der sich für die Geschichte der grünen Insel interessiert, sehr an’s Herz legen. Leider konnte ich das Buch nie im Original lesen denn es scheint, als hätten irische Buchverleger kein Interesse daran. Aber auch die deutsche Übersetzung ist ihr Geld allemal Wert. Wer also an Irland interessiert ist und im Winter nichts besseres vor hat, dem sei O’Flaherty an’s Herz gelegt.

Bevor ich aber abschweife wieder zurück zum Thema. Also da mich nun Irland gefesselt hatte, begann ich die Geschichte Irlands zu studieren, von den Anfängen, über die Zeit der Engländer bis zur Gründung des irischen Freistaates. Ich lernte wer Brian Boru war, machte mich vertraut mit Michael Collins und Èamon de Valera. Und lernte auch Tomaś MacCurtain kennen.

http://irishamerica.com/2016/02/michael-collins-from-the-g-p-o-to-beal-na-mblath/
Èamon de Valera (links) und Michael Collins (rechts) 1921

Natürlich lernte ich die irische Folklore kennen, sowie die Legenden und durch zwei irische Kollegen wußte ich, dass es in Irland Gegenden gibt von den die Einwohner überzeugt sind, die Elfen würden dort leben und meideten diese Gegenden wie die Pest.

Ich nahm mir vor das ich eines Tages diese Insel besuchen würde, nun dass ich dort arbeiten würde, das kam mir eigentlich nie in den Sinn. Urlaub, ja, natürlich. Natürlich kam es nie zum Urlaub, da andere Prioritäten Vorrang hatten und ich war überall in Europa, aber nicht in Irland.

Dies änderte sich als meine Mutter gestorben war. Mit Hilfe eines Freundes räumte ich die Wohnung meiner Eltern leer und das war es dann für mich. Bekannte von mir meinten ich solle mich doch in England bewerben, dann könnten wir uns regelmäßig sehen. Also gesagt und getan, und die Bewerbung in’s englische übersetzt und bei Monster.co.uk eingesetzt und dann gewartet was passiert. Irgendwann bekam ich einen Anruf von einer Recruitmentfirma in Dublin. Man hätte einen tollen Job bei einer multinationalen Firma in Irland und fragte, ob ich nicht Interesse daran hätte. Natürlich sagte ich dem Mann, „eigentlich bin ich auf dem Weg nach England, aber ok, Irland liegt direkt daneben“ und willigte zu ein, ein Interview zu führen. So kam es dass ich nach Irland kam und nun schon über 7 Jahre hier lebe und arbeite. Habe ich es bereut? Ja, natürlich, manchmal kamen schon Gedanken warum man sich das antut. Aber im Großen und Ganzen, nein, ich habe es gesamt gesehen nicht bereut. Ich denke, da ich ein Familienmensch bin, war es schwer in einem anderen Land zu leben, als meine Eltern noch am leben waren. Ich habe ein Jahr in Italien und Österreich verbracht und zu der Zeit, also in Italien, gab es kein Computer und Internet. Gut Computer schon, aber die wenigsten hatten privat einen. Also war es für mich immer schwierig weil ich zwar weg aus Deutschland wollte, so wie mein Vater, aber halt nicht getrennt von der Familie. Nachdem meine Mutter als Letzte starb -Mein Bruder und mein Vater waren schon vorher gestorben- und man mir meinen Hund vergiftet hatte, da war es für mich einfacher Deutschland zu verlassen. Natürlich hätte ich, wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte in ein anderes Land außer Irland zu gehen, überall hingehen können. Ich hatte sogar, da lebten meine Eltern noch, die Möglichkeit in Neuseeland zu arbeiten, aber als die sagten, dass mein Hund in Quarantäne müsse und dort etwa 6 bis 8 Wochen zu bleiben hätte, lehnte ich es ab mit dem Hinweis, „ich habe meinen Hund aus einem italienischen Knast befreit, wo sie 2 Jahre als Justizopfer einsaß, nur weil sie nicht für den Job als Hütehund geeignet war und vom Besitzer, bevor sie in den Knast kam, gefoltert wurde. Da werde ich sie sicher nicht noch einmal in den Knast geben, auch wenn es gut gemeint ist. Mein Hund ist gesund und arbeitsfähig, das sollte reichen.“ Irgendwie kam mein Statement nicht so gut an, aber egal.

Ach ja, Irland. Ich hatte mich mal bei Creative Labs beworben und ein Angebot für Dublin bekommen, das war Ende der Neunziger und es wäre auch zu einem Vertrag gekommen, wenn ich nicht knapp davor ein Rückzieher gemacht hätte, so dauerte es halt 12 Jahre, bis ich meinen Fuß auf irischen Boden setzten konnte.