O’Sullivan’s March

Brian Boru, Chapel Royal, Dublin Castle

Die irische Geschichte bietet, gerade wenn man sich dafür interessiert ein reichhaltiges Betätigungsfeld. 800 Jahre war Irland von England besetzt, davor waren die Wikinger hier auf der Insel wovon beispielsweise der Reginald’s Tower in Waterford Zeugnis ablegt. Auch kann man auf den Spuren der Ur-Einwohner wandeln und, wenn man in Waterford ist, dem Portal Tomb von Ballindud einen Besuch abstatten. Allerdings hielt die Wikingerzeit in Irland nicht lange an und in der Schlacht von Clontarf, 23. April 1014, fand die Vorherrschaft ein jähes Ende als die Armee Brian Boru’s die Wikinger unter der Führung Sigurd Lodvessons besiegte. In der Schlacht kam Brian zu Tode und angeblich, so heißt es in den Legenden, wären sämtliche irischen Barden an seinem Totenbett erschienen und hätten drei Tage und drei Nächte hindurch Brian Boru’s March gespielt. Ob es sich so, oder ähnlich abgespielt hat kann ich nicht sagen, ich war nicht dabei und wahrscheinlich diejenigen die die Legende geschrieben haben auch nicht. Auf jeden Fall kennt jedes Neugeborene die Geschichte, oder hat sie bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Vielleicht kommt von diesem Ereignis auch der Hang der Iren zur Musik.

Auf jeden Fall erzählen unsere Traditionals die gesamte irische Geschichte und wer interessiert an der Insel ist, der sollte sich einfach mal die Musik der Dubliners, oder Chieftains anhören.

Nachdem Brian in der Schlacht gefallen war brach nicht nur die Skandinavische Herrschaft zusammen, auch die Iren verfielen wieder in ihre alten Streitereien da Brian nur kurze Zeit Hochkönig war und in der kurzen Zeit seine Macht nicht gefestigt hatte, war es keinem seiner Söhne gelungen einen Anspruch auf das Amt des Hochkönig anzumelden. So hatten es die Engländer, beziehungsweise die Normannen, in englischen Diensten stehend, es leicht die Insel zu erobern. Dermot MacMurrough (Diarmait Mac Murchada), König von Leinster, geriet in Streit mit Tiernan O’Rourke (Tigernán Ua Ruairc), dem König von Bréifne (Leitrim, Cavan, Sligo), da Dermot unbedingt Derforgaill, die Frau Tiernans haben wollte. Tiernan wollte seine Frau aber nicht hergeben, vielleicht weil sie außergewöhnliches Irish Stew kochen konnte, und so kam es zum Krieg zwischen den beiden Königen. Dermot unterlag und floh nach England. Beim englischen König Heinrich II erhoffte er sich Unterstützung, also suchte er, nachdem er 1166 in Bristol angekommen war, Heinrich auf und trug diesem sein Anliegen vor. Dermot erhoffte sich anscheinend von Heinrich, dass dieser mit seinen Soldaten dafür sorgen würde das Dermot nicht nur Derforgaill bekommt, sondern auch Hochkönig von Irland wird. Heinrich, ganz Ohr, stimmte begeistert zu und schickte Richard Fitz Gilbert mit seiner Armee, bestehend aus normannischen Reitern und walisischen Bogenschützen nach Irland, da er, wahrscheinlich auf Grund der Schilderungen, festgestellt hatte, wie leicht die Insel zu erobern sei. Richard machte Nägel mit Köpfen und Heinrich krönte sich 1171 zum König von Irland. Dermot ging leer aus, denn nicht mal die Königswürde gedachte Heinrich ihm zu geben. Im Gegenteil teilte er Irland unter seinen normannischen Baronen auf und zementierte damit die Achthundert Jahre dauernde Herrschaft der Engländer. Unterbrochen, oder angegriffen, wurde diese nur durch Edward the Bruce, dem Bruder Roberts, der von Robert nach Irland gesandt wurde und den Anspruch der Schotten auf den irischen Königsthron wahren sollte. Unterstützung erhielt Edward nur durch die Stämme im Norden (sowie seinem Bruder) und nach seiner Krönung 1316 in Dundalk, lebte Edward nur noch zwei Jahre und die „Pangälische“ zerbrach, da man die Schotten von der Insel warf.

Donal Cam O’Sullivan

1594 begann der Krieg zwischen einer Allianz unter der Führung des Earl of Tyrone und der englischen Regierung in Irland statt. Der Neunjährige Krieg, wie er genannt wird, war die Auseinandersetzung zwischen gälisch-irischen Katholiken und protestantischen, besser mehrheitlich protestantischen, Engländern. Die gälisch-irischen Kräfte erhofften sich Unterstützung durch den spanischen König Philipp III., der, trotz der Niederlage der Armada 1588, darauf erpicht war die Engländer zu schlagen, sowie die Vormachtstellung zu brechen. Philipp ließ sich also überzeugen die irischen Rebellen zu unterstützen und sandte seine Armee nach Irland die am 2. Oktober 1601 bei Kinsale landete und sich aufmachte die Festungen in Kinsale zu belagern, um die englischen Kräfte zu binden. Allerdings kamen viel weniger Soldaten als geplant, nämlich nur 3400 statt 5000 und zum anderen hatten weder die Spanier, noch die Rebellen sich um Cork Gedanken gemacht. Cork hatte sich nämlich mit den Engländern arrangiert, es ging ihnen Blendend und sie sahen auch keine Notwendigkeit darin an diesem Status irgendetwas zu ändern. Allerdings bestand der County Cork nicht nur aus Cork. Donal Cam O’Sullivan, Count von Berehaven im irischen Südwesten, hatte sich der Allianz des Earls von Tyrone angeschlossen und weilte, als die Spanier Kinsale belagerten im Norden um sich mit den anderen Fürsten abzustimmen, wie das weitere Vorgehen sein soll. Während seiner Abwesenheit überfielen englische Truppen die Insel Dursey, wo Donal 300 Frauen, Kinder und Alte in Sicherheit hatte bringen lassen. Die Verteidiger der Insel wurden gehängt und die Engländer richteten ein Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Es heißt, dass den Frauen ihre Kinder auf den Rücken gebunden wurden und diese dann die Klippen runtergeworfen.

Am 31. Dezember des Jahres 1602 kehrte Donal zurück und scharte die restlichen Überlebenden um sich. Mit 1000 Personen machte er sich auf den 500 Kilometer langen Marsch und in den vier Tagen, in denen dieser Marsch dauerte starben viele an Hunger und Erschöpfung, oder wurden in Kämpfen zwischen O’Sullivan’s Männern und den Engländern getötet. Am 4. Januar 1603 soll Donal mit 35, von anfänglich 1000 den Hof Tyrones erreicht haben. Auf dieses historische Ereignis bezieht sie O’Sullivan’s March. Donal Cam O’Sullivan ging nach Spanien in’s Exil wo er 1618 ermordet wurde, wie es heißt von einem Killer im Dienste der englischen Krone. In einem Buch habe ich gelesen, dass der Mörder ein englischen Geheimagent war, der in Madrid am Hofe des spanischen Königs Spionage betreiben sollte, dann aber den Auftrag erhielt O’Sullivan zu beseitigen. Hugh O’Neill, der Earl of Tyrone, starb 1616 im römischen Exil, nachdem es ihm gelang aus London zu flüchten, da man ihm durch Verrat (es scheint ein Krankheit der Iren und Schotten zu sein, diese Uneinigkeit) eine Falle gestellt hatte. Er ging erst nach Spanien, zusammen mit O’Sullivan, aber, da es ihm in Spanien zu unsicher war, nach Italien.

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Maus gegen Mensch

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Ich hatte ja schon darüber geschrieben dass der irische Hausbau, salopp ausgedrückt, sehr kreativ ist und man sich, wenn man sich einige Häuser anschaut, nur verwundert die Augen reiben kann. Wenn man also nach Irland kommt, beziehungsweise hier arbeiten möchte, so muß man doch einige Abstriche machen, was die Standards betrifft. Entweder man hat nach kurzer Zeit Schimmel an den Wänden, da eine Isolierung so gut wie faktisch nicht vorhanden ist und Nässe -Regen ist hier ein Dauerthema– einen prima Nährboden findet und sich so manches Haus zur Zucht einer Pilzkultur eignet. Oder die Wasserhähne sind, wie in England auch, strikt nach Kalt- und Warmwasser getrennt. Steht in der Anzeige Europäischer Standard, dann kann man sicher sein, dass es Mischbatterien gibt. Falls Sie sich also überlegen in Irland zu arbeiten, dann sollten Sie folgende Dinge beachten. Die Mieten sind, für den europäischen Durchschnitt, thumb_IMG_0001_1024exorbitant und man sollte nicht erwarten, wenn man 1000€ für ein Einzimmer Apartment bezahlt, dass dieses auch einen Luxus wie in Deutschland besitzt. Die Krise in Irland ließ die Haus- und Wohnungspreise in den Keller stürzen und viele Familien sitzen auf hohen Krediten, oder wurden, wenn sie diese nicht bedienen konnten, von den Banken auf die Straße gesetzt. Ganze Estates, die im Zuge des Baubooms an Plätzen aus den Boden gestampft wurden, an dem sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, standen plötzlich leer und man konnte, besonders in Städten wie Dublin oder Cork, günstig Wohnraum mieten. Seit ein paar Jahren steigen die Mieten wieder steil nach Oben, dafür wurde aber nichts, seitens der Landlords, investiert. Ein Pubbesitzer, den ich vor Jahren mal kennengelernt habe, erzählte mir im Gespräch, dass die Iren, statt in Aktien, oder andere Geldanlagen, ihre Ersparnisse gerne in Ländereien und Häuser stecken, allerdings würden sie dafür nichts in die Immobilien investieren. So kommt es, da man bei uns möbliert mietet, das man Inventar findet dass durchaus noch aus den Zeiten des Unabhängigkeitskrieg stammen kann, weil der Landlord das günstig erworben und für gut befunden hat. Um der Steuer zu entgehen verlangen viele die Miete auch in Bar, entweder machen sie sich die Mühe und fahren die Objekte ab, oder man pilgert im Wochen- oder Monatsrythmus zu ihnen hin. Es soll auch Leute geben, die treffen sich an einer verschwiegenen Stelle im Park, Kennzeichen offene Hose und Goldkettchen am Arm, und stecken ihrem Landlord einen Umschlag zu, bevor jeder eigene Wege geht.

Unser Landlord ließ sich am Anfang auch Bar bezahlen. Ich wohnte, als ich rüberkam, alleine in einem ehemaligen B&B bei ihm. Das Zimmer war sehr klein, völlig verschimmelt, „ach was, Schimmel, mit ein bißchen Farbe ist das schnell behoben,“ und kostete 400€ im Monat, was für irische Verhältnisse billig ist. Als meine Frau nach Irland kam, da bot er uns eines seiner Häuser an. Der Haken war, daß wir uns am Anfang das Haus mit 4 Anderen teilen mussten. „Vier? Das geht doch noch, in Spitzenzeiten wohnten hier 8-12 Personen (das Haus hat 3 Schlafzimmer, davon nutzen wir eines als Büro da es wirklich sehr winzig ist). Mann, das waren noch Zeiten!“ Klagen kamen von ihm auf Grund der hohen Gaskosten, „habe nie verstanden warum die monatlich über 2000€ lagen,“ da die Mieter natürlich 24 Stunden lang die Heizung laufen ließen und das 365 Tage im Jahr und, weil es so toll ist, den Stromverbrauch einer mittleren Kleinstadt hatten. Auf jeden Fall pilgerte ich alle zwei Wochen nach der Arbeit zu ihm und zahlte die Miete. Dann, keine Ahnung warum, wollte er das Geld monatlich haben. Wir wohnten zu dem Zeitpunkt alleine im Haus, da auch der letzte Mitbewohner ausgezogen war, was unseren Landlord fast die Tränen in die Augen trieb. „Verstehe ich nicht, das war doch so ein lieber Kerl….gut, er hat manchmal wochenlang die Miete nicht bezahlt und ich habe dann Geld bar einbezahlt, damit meine Frau das nicht merkt.“ Dann sagte er, „ich bin froh dass der weg ist, stellt Euch vor, der hat doch zwei Monate lang keine Miete bezahlt und ich mußte ihn sogar auf der Arbeit aufsuchen.“ Irgendwann ging die Waschmaschine den Weg alles irdischen und stellte die Arbeit ein, „wie kaputt, die ist doch fast neu? Wie kann denn die kaputt gehen?“ Und er brachte uns eine „neue“ gebrauchte Waschmaschine, „nie benutzt, habe ich ich bei einer Entrümpelung bekommen.“ Meine Frau ließ die Maschine zwei Wochen trocken laufen, damit wir den Gestank aus der Trommel bekamen. Der Herd, den er uns am Anfang gab, da der Gasherd nach 100 Jahren Dienstzeit nicht mehr so taufrisch war, hatte seine besten Zeiten in den Siebzigern erlebt, als Elektroherde Einzug in irische Küchen hielten. Irgendwann entwickelte der Herd ein Eigenleben und schaltete sich ohne Zutun einfach von selbst ein. „Könnt Ihr denn nicht einfach die Sicherung rausdrehen, wenn Ihr nicht da seid? So Urlaub oder So? Dann brauche ich den auch nicht zu ersetzen (fummelt an den Knöpfen), der geht doch noch!“ Irgendwann, keine Ahnung warum, gab er mir die Bankverbindung und ich konnte die Miete überweisen, lag es an meiner Klage, schließlich musste ich durch die ganze Stadt laufen um die Miete zu bringen, oder lag es am Taxoffice, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall beklagte er sich dass wir immer die Miete am Monatsende zahlen und nie am Monatsanfang, was eigentlich an ihm lag, da das Chaos irgendwann perfekt war und ich keine Ahnung mehr hatte wann ich die Miete überweise. „Bar…nein alle zwei Wochen…nein Bar, monatlich, nein überweisen…. nein, nein nicht monatlich, alle zwei Wochen…nein doch monatlich…nein, nicht 800…850,…ja habe ich doch gesagt…sag mal kann das sein, dass Du mir eine Monatsmiete schuldest…was Ende des Monats, glaubst ich bin blöd? kein Landlord bekommt die Miete Ende des Monats.“ Überflüssig zu erwähnen, dass die Einrichtung nicht gerade State of the Art ist. Die Einbauschränke hatten ihren Höhepunkt in den Dreißiger Jahren, oder mehr so Bauhaus Stil.

Denken Sie also daran und wenn sie auf Daft nach Wohnungen suchen, dann sollten Sie sich auf viele Besichtigungstermine einrichten und am Anfang, wie wohl 95% der Neuankömmlinge, in einem B&B oder einem Hostel einrichten.

Die Sache mit der Maus

Mäuse sind in Irland nichts ungewöhnliches, besonders nicht als Mitbewohner. Viele mit denen ich gesprochen habe, berichteten mir davon, wie die Mäuse sich als wahre Innenarchitekten entpuppen würden, sollten sie erst mal im Haus, oder Apartment, heimisch geworden sein. Unser Nachbar behauptete, da unser Garten sehr wild aussieht, dass damit den Ratten Tür und Tor geöffnet sei und entweder er, oder sonst jemand aus der Siedlung stellte uns eine Gummiratte vor die Tür. Ich nannte ihn einen grenzdebilen Vollidioten und sagte dass allein seinetwegen keine Ratte jemals den Patrick’s Hill hochkommen würde. Und hatte vier Tage lang keinen Kontakt zu ihm.

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Masha and the Bear

Eines schönen Samstags saß ich am Küchentisch und las Online Zeitungen als ich plötzlich eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Ich schaute auf und blickte in das verdutzte Gesicht einer ordinären Wiesenmaus. Sie erschrak und beide fingen wir Gleichzeitig an zu Schreien. Der Stuhl fiel fast um und ich, als auch die Maus, wichen zurück. Die Maus verschwand und mit blassem Gesicht, Schweiß auf der Stirn und bebender Stimme berichtete ich meiner Frau von diesem, bin jetzt noch ganz nass, furchtbaren Erlebnis. „Eine Maus?“ Fragte sie verwundert, „wo soll denn eine Maus herkommen? Was weiß denn ich,“ sagte ich und schilderte noch einmal minutiös den Ablauf, wobei die Maus mit jedem Buchstaben beträchtlich an Größe gewann. Am Ende war die Maus zwei Meter groß und wog mindestens 500 Kg. Meine Frau schüttelte nur mitleidig den Kopf und meinte ich hätte mich wohl vertan.

Ein paar Tage später war sie es, die hysterisch schrie und mit einem Satz auf die Anrichte in der Küche sprang. „DIE MAUS!!!!!!! Habe ich Dir doch gesagt, Du hast mir ja nicht geglaubt.“ Für uns stand fest, einer muß gehen und das sind mit Sicherheit nicht wir. Also haben wir das Haus gecheckt und ein Loch in der Hauswand gefunden wo die Maus prima Zugang zum Haus hat, soweit ich mich entsinnen kann, lag vor dem Loch eine kleine Fussmatte und man konnte mit der Lupe lesen, „Céad mile fáilte.“ Das brachte uns endgültig aus der Fassung.  Online besorgten wir uns Informationen zu Mäusen und Mausefallen, allerdings, da wir Tieren nicht zu Leide tun können, suchten wir nach einer Mausefalle, die uns die Möglichkeit gab, die Maus wieder in der Natur aussetzen zu können, also machten wir uns auf in einen DIY, denn die sollten ja Mausefallen haben.

Im DIY angekommen machten wir uns auf die Suche nach den Mausefallen, Da wir beide Novizen auf dem Gebiet der Jagd auf Wildtiere waren, schnappten wir uns einen Verkäufer der sich in der Nähe des Regals aufhielt. Mickey, so konnten wir auf einem Namensschild lesen, war ein kleiner dicklicher Mann jüngeren Alters, mit traurigen Augen und einer schlaffen Körperhaltung. „Wir haben eine Maus im Haus und wollen die loswerden,“ sagte meine Frau mit entschlossener und fester Stimme. Mickey, gerade noch die Lethargie in Person, blühte auf und wuchs förmlich vor dem Regal in die Höhe. „Hehe, wer hat das nicht,“ lächelte er und fragte uns unvermittelt, „ist die Maus suizidal? Woher sollen wir das wissen,“ antwortete ich an Stelle meiner Frau, „wir haben keine lange Konversation mit der Maus führen können um das zu beurteilen. Schade,“ meinte er und holte eine Mausefalle aus dem Regal auf der praktisch ein Diorama angeordnet war. Man sah eine kleine Couch, daneben einen Beistelltisch, an der Wand ein kleines Gemälde und in einem Sessel saß eine Maus im Anzug mit Block in der Hand. ‚Das ist unsere Siegmund Freud Ausgabe. Beachten Sie bitte die kleine Flasche auf dem Tisch mit der Spritze daneben.“ Jetzt wo er es sagte fiel es uns auch auf. Man musste schon sehr genau hinsehen und konnte einen kleinen Totenkopf in Form einer Maus erkennen. „Was ist das?“ Fragte meine Frau. „Das, gute Frau, ist der neuste Schrei aus den USA. Ein kleines Behandlungszimmer und entweder Sie, oder Ihr Mann –damit zeigte er auf mich- haben die Möglichkeit die kleine Spritze zu füllen. Natürlich kann das auch die Maus selbst machen, schauen Sie hier. Vom Band läuft dann Smetana. Tierforscher haben festgestellt, dass Mäuse besonders auf Smetanas Moldau reagieren. Da werden sie ganz ruhig. Die Maus kann sich also auf das Sofa legen, die Spritze füllen und schläft sanft zu den Klängen der Moldau ein.“

„Wenn die Maus Selbstmord begehen will, dann soll sie das gefälligst draußen machen,“ sagte meine Frau bestimmt. „Schade,“ meinte Mickey. „Was haben Sie denn sonst noch fragte ich.“ Mickey kramte im Regal….„mal sehen, nein, die ist für Ratten,“ murmelte er. „Hier,“ sagte er und kicherte dabei so unnatürlich dass mir die Gänsehaut über den Rücken rann. „Das Modell Heinrich der VIII, Ausgabe Anne Boleyn,“ man sah einen kleinen Hackklotz und daneben stand eine kleine Miezekatze mit Henkerbeil und einer Kapuze, „gibt’s auch als Französische Inquisition Ludwig XVI,“ gluckste er. Neben einem kleinen Fallbeil standen zwei Miezekatzen, eine davon hatte ein Seil in der Pfote. Interessiert fragte ich, „wie funktionieren die?“ Er strahlte und das war mir ein bisschen unheimlich, „oh, das ist ganz einfach, schauen Sie. Bei Heinrich VIII legt die Maus hier ihren Kopf drauf,“ er zeigte auf den Klotz, „und ZACK, schlägt die Katze der Maus den Kopf ab….wunderbar, völlig human.“ Meine Frau und ich gingen auf Distanz. Er stand da drückte auf den Klotz und die Katze ließ das Beil auf den Klotz knallen. „Bei der Ludwig XVI ist es noch besser. Die Maus legt ihren Kopf hier drauf -er zeigte auf die Vorrichtung mit der die Delinquenten fixiert wurden- und die kleine Miezekatze hier löst den Mechanismus aus,“ damit sauste das kleine Fallbeil runter. „Völlig schmerzfrei. Wir beide wollen die Maus aber lebend fangen und sie wieder im Garten aussetzen,“ sagten wir und es dauerte bis Mickey uns hörte. Liebevoll strich er über die Kleine Falle, dann entspannte sich sein Gesicht, schaute uns an und „nein, damit kann ich nicht dienen. Ich habe noch die San Quentin, schauen Sie, eine kleine Gaskammer, spielt auch Johnny Cash…..wo gehen Sie denn hin? Warten Sie!“ Wir flohen und ließen Mickey inmitten seiner Nagetierfallen zurück.

Daheim angekommen sahen wir, dass die Maus sich mittlerweile häuslich eingerichtet hatte, „Sabine!“ Riefen wir Beide im Chor. Sabine muss man wissen, hat eine Katze und da die streunenden Katzen sich auch für eine Schale Sheba nicht locken ließen, riefen wir sie an und schilderten unser Anliegen. „Es soll der Schaden der Katze nicht sein,“ sagte ich, „wir zahlen auch,“ meine Frau aus dem Hintergrund. „Ich setze auch einen Vertrag auf,“ beendete ich den Satz. Sabine meinte nur, „warum glaubt Ihr habe ich mir selber eine Falle kaufen müssen? Er und die Maus waren die dicksten Kumpels!“ Sie gab uns noch einen Tip, wünschte uns viel Glück und legte auf. Wieder schauten wir im KippfalleInternet nach und wurden bei einem Onlineversand aus Dublin fündig. Neben dem neusten Schrei aus UK, „die Engländer sind total verrückt auf diese Fallen,“ fanden wir was wir suchten. „Großwildkäfige, jetzt en miniature,“ stand da zu lesen und ein paar Tage später waren die Fallen da. Eine Bekannte gab uns den Tip Nutella zu nehmen, „da stehen die Viecher unheimlich drauf, Senan und ich fangen die damit regelmäßig.“ Nun wollten wir die Maus ja lebend fangen und hatten nicht vor, dass sie an einem Zuckerschock stirbt, oder Diabetes bekommt. „Guinness!“ Sagte ich. „Bist Du verrückt? Weißt Du eigentlich was die Dose kostet? Sagte meine Frau. Am Ende einigten wir uns auf Nutella und zur Vorsicht, beherzigten wir noch den zweiten Tip den uns unsere Bekannten gaben und verwendeten Erdnussbutter, natürlich Ökologisch.

Ein paar Tage später, ich saß gerade auf der Arbeit, da klingelte mein Telefon. „JAAAA!!!“ Rief meine Frau, „die Maus ist weg!!! Als ich in der Pause nach unten kam, da raschelte es in der Falle und ich also mit der Falle in den Garten…aufgemacht….und ZACK! weg war sie. Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt erlitten…rechnet man ja nicht mit.“ Wir freuten uns beide sehr, reinigten die Fallen und stellten sie in den Schrank. Meine Frau stopfte das Loch mit Alufolie denn, so hatte sie gelesen, soll Alufolie verhindern, dass die Mäuse in’s Haus kommen. Nun können die Mäuse anscheinend nicht lesen, oder sind Opfer der Evolution, auf jeden Fall trug die zweite Maus, oder war es die Gleiche, einen Aluhelm als sie an uns vorbeirannte. Wieder die Fallen bestückt, die Maus raus und Ruhe. Irgendwann, meine Frau war schon im Bett, hörte ich im Wohnzimmer ein kratzendes Geräusch aus dem oberen Stockwerk. Mein Frau kam runter und sagte, sie könne nicht schlafen, die Maus sei so laut. Wahrscheinlich war es die Maus, die kurz vorher in’s Wohnzimmer reinlugte und „Hallo“ sagte, bevor sie wieder verschwand. Wir also nach oben und fanden auf dem Teppich vor dem Einbauschrank Spuren von Bautätigkeiten, eine kleine Schaufel, ein kleiner Eimer, einen Betonmischer, Holzbretter und Schrauben, sowie eine Absperrung. Dahinter dann ein Eingang der hell Erleuchtet war und aus den Resten der Alufolie hatte sie ein Schild, sowie eine Discokugel gebaut und aus klitzekleinen Boxen lief Gloria Gaynor. „Ok,“ sagten wir, „das war’s.“ Ich holte Hammer, Nägel und ein Brett und nagelte den Eingang zu. Meine Frau stopfte mit Alufolie einen Spalt aus und stellte dann die Fallen auf.

Wir fingen die Maus noch insgesamt vier oder fünf mal. Kurz flammte sowas wie Protest in der Mäusecommunity auf und ein Mob aus ein paar Mäusen, bewaffnet mit Baseballschlägern, Protestplakaten und Puppen von uns, die sie unter Johlen und Pfeifen, vermischt aus ein paar Rufen, in unserem Garten in Brand steckten, bedrohten uns kurzzeitig. Allerdings riefen wir nicht die Garda, wäre denen auch ein bißchen seltsam vorgekommen. Der Nachbar wiederum stand in Jogginghose mit Telefon bewaffnet in seinem Garten und rief, „das habe ich doch gesagt, dass diese linksgrünversifften Alternativen uns die Ratten in die Siedlung holen.“ Der gezielte Wurf eines klitzekleinen Molotov Cocktails aus der Pfote einer der Mäuse setzte ihn außer Gefecht.

Seitdem ist es ruhig. Ich nehme aber an, dass die Mäuse wieder einen Plan aushecken wie sie in unser Haus kommen. Es gab Warnzeichen, so zum Beispiel wurde ein Löwenzahn, der sich einer der Nähe eines Loches befindet, mutwillig nach unten gezogen und dann losgelassen, so dass er wie ein Katapult nach oben schnellte…….Mal schauen ob Mickey noch bei dem DIY arbeitet.

Eight Amendment und deutsche Besserwisser

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Abtreibungsgegner in Dublin

Am 25. Mai entscheiden die irischen Bürger über den Artikel 40 der irischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass sich die irische Regierung dazu verpflichtet das Leben aller Iren, selbst der Ungeborenen, zu schützen und wurde, am 7. Oktober 1983 per Gesetzesänderung, so in die Verfassung geschrieben (siehe Achtes Gesetz zur Änderung der Verfassung). Soweit so Gut, oder auch nicht, denn wenn ich die Berichte und Kommentare in deutschen Zeitungen verfolge, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren das Länderkritik das Hobby vieler Deutscher ist.

Selbst wenn sie absolut keine Ahnung haben wie es in fremden Ländern aussieht, eine Meinung haben sie trotzdem und müssen diese, egal wie bescheuert die auch sein mag, kund tun. Seit dem Anfang der Kampagne schaue ich hin- und wieder was deutsche Zeitungen so schreiben, beziehungsweise wie die Kommentare dazu sind und kann oft genug nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich hatte der österreichische Journalist, Schauspieler und Schriftsteller Franz Schönthan von Pernwaldt diese Leute im Sinn als er schrieb: „Niemand weiß soviel Schlechtes von uns wie wir selbst. Und trotzdem denkt niemand so gut von uns wie wir selbst.“

Im Falle der irischen Debatte glaubt der Deutsche zu wissen, was wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. In den Augen einiger sind wir „wilde Barbaren,“ „Rednecks“ und nicht würdig in der Mitte der europäischen Gesellschaft einen Platz zu haben. Manche gehen sogar soweit in ihren Kommentaren zu fordern, dass uns die EU aus der Gemeinschaft wirft auf Grund des Verfassungsartikels und gar nicht begreifen, bzw. begreifen wollen, wie der Artikel zu Stande kam und, knapp 35 Jahre später, ein neues Referendum notwendig macht. Außerdem fehlt das komplette Wissen, dass nicht nur in Irland die Rechtslage zur Zeit so ist wie sie ist, sondern auch in Polen das Abtreibungsrecht verschärft wurde, beziehungsweise in Malta Abtreibungen verboten sind.

Volksabstimmungen in Irland

Volksabstimmungen haben in Irland eine lange Tradition. Die Regierung lässt gerne das Volk abstimmen, wenn die Politiker sich nicht unbedingt in die Nesseln setzen wollen, wie zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Man kann damit auch kein Geld verdienen und hinterher, mit dem Hinweis „Ihr wolltet es doch so,'“ jegliche Verantwortung von sich schieben.

Die erste Volksabstimmung zum Abtreibungsgesetz gab es 1983. In Irland, wie wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land, wurde Abtreibung auch in hier leidenschaftlich diskutiert. Abtreibung war hier verboten und hätte es den Fall der Hausfrau Sheila Hodgers aus Dundalk nicht gegeben wäre es wahrscheinlich nie zur Abstimmung gekommen, wer weiß das schon. Mrs. Hodgers, die zu diesem Zeitpunkt unheilbar an Krebs erkrankt war, gebar wenige Tage nach ihrem Tod ein Kind, welches sofort verstarb. Daraufhin wurde eine Debatte geführt, ob es nicht besser gewesen wäre hätte man, wie in anderen Ländern, eine Abtreibung durchgeführt.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Abtreibungsgegner zu dem Zeitpunkt die besseren Argumente hatten und die Befürworter offensichtlich nur unzureichend vorbereitet waren, was dazu führte, dass die Gegner die Volksabstimmung gewannen und, da es auch darum ging das Leben aller Iren zu schützen, dieses in die Verfassung aufgenommen wurde, denn das war eines der Argumente. Auch wenn ich Religion ablehne, aber die katholische Kirche hatte wenig Einfluss auf die Debatte. Deutsche, die Leidenschaftlich die Bedingungen in anderen Ländern diskutieren, wären gut beraten, wenn sie sich informieren und nicht mit Hurragebrüll irgendetwas schreiben, nur weil das ihrer Vorstellung entspricht, wie andere Menschen zu sein haben.

Wie Falschmeldungen sich ausbreiten

In der Debatte über die Volksabstimmung kann man sehr gut beobachten, wie Falschmeldungen sich im Netz verbreiten und einfach Nachrichten übernommen werden statt sie zu prüfen. In einem Artikel für die taz schrieb Ralf Sotscheck über den Tod von Savita Halappanavar, „Die Ärzte weigerten sich: Solange das Herz des Embryos schlage, dürften sie nichts unternehmen. „Das ist ein katholisches Land“.“ In dem Artikel vermischt er Tatsachen mit Vermutungen zu dem Fall, die so gar nicht stattgefunden haben, aber von anderen deutschen Zeitungen ungeprüft übernommen wurden.

Am 28. Oktober2012 starb die 31 jährige Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätskrankenhaus von Galway an Schwangerschaftskomplikationen. Die Ärzte, das gibt Sotscheck korrekt wieder, verweigerten den Schwangerschaftsabbruch mit dem Hinweis auf das irische Gesetz, dann allerdings setzt er noch einen drauf und behauptet, dass die Ärzte gesagt hätten dies sei ein katholisches Land. Keine Ahnung wie er darauf kommt, aber das haben sie nie gesagt. Weder irische Zeitungen, noch die Krankenhausberichte wissen davon und der Bericht des HSE sowie das folgende Gerichtsurteil nahmen nicht Sotschecks Aussage, sondern das was wirklich gesagt wurde zum Anlass, dass der Gesetzgeber gezwungen war das Eight Amendment zu überarbeiten. Statt allerdings das Ganze zu kippen, wurde es verschlimmbessert, so das nun keiner mehr weiß was richtig ist.

Aber es war nicht nur diese Aussage die offensichtlich ungeprüft Einzug in deutsche Medien und damit auch Munition für sämtliche AbtreibungsbefürworterInnen lieferte. So schrieb Sotscheck davon, dass bei Abtreibung 14 Jahre Haft drohen. Wenn also, wie er vorher schrieb, Abtreibung in Irland verboten ist und Abtreibungskliniken nicht existieren, wie kann dann jemand für Abtreibung in Irland 14 Jahre Haft wegen Totschlags erhalten, macht wenig Sinn oder?

Laut dem Faktencheck der Irish Times reisten mehr als 170.000 irische Frauen in das europäische Ausland, um abtreiben zu lassen. Wären diese für 14 Jahre in’s Gefängnis gegangen, dann wären die irischen Gefängnisse überfüllt. Bezeichnend für diese Praxis in’s Ausland zu reisen ist der Fall eines jungen Paares denen der Arzt sagte, dass ihr Kind nur eine Woche überleben würde und riet dazu, dass die Beiden in England eine Abtreibungsklinik besuchen sollten, was sie schweren Herzens auch taten. Es kam wie es kommen musste, Freunde zeigten das Paar an und Beide gingen an die Öffentlichkeit und lösten in Irland eine neue Debatte aus.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe natürlich kein Recht über den Körper einer Frau zu bestimmen und als Mann werde ich wohl kaum in die Verlegenheit kommen ob ich abtreibe oder nicht, außerdem wäre ich für eine Schwangerschaft auch viel zu alt. Als Liberaler stehe ich aber dazu das Frauen das Recht haben sollten über so eine Frage selbst entscheiden zu dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Aber es ärgert mich jedes Mal, wenn ich deutsche Zeitungen, beziehungsweise die Kommentare verfolge und frage mich, was maßen sich diese Leute eigentlich an uns zu beurteilen oder Ratschläge zu geben? Sotscheck liegt mir mit seinen Artikeln eh schon im Magen und ich frage mich manchmal, warum er seit 30 Jahren hier lebt, wenn er die Iren anscheinend nicht leiden kann. Und, bevor jemand fragt, ich und meine Frau unterstützen diese Kampagne voll und ganz.

In Polen debattiert man darüber das Abtreibungsrecht zu verschärfen und in Malta ist Abtreibung komplett verboten, aber bei Irland glaubt man, man müsse den Leute sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Dabei wissen die Iren, wie sie es bei Abstimmung über Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bewiesen haben, am Besten wie sie sich entscheiden müssen, ohne dass irgendwelche deutschen Besserwisser und Rechthaber das erklären müssen.

Wer sich informieren will:

http://www.thejournal.ie/abortion-referendum-1983-what-happened-1225430-Dec2013/

Darum geht’s

https://www.togetherforyes.ie

Das sind die Gegner der „Yes“ Kampagne

https://prolifecampaign.ie/main/

(Bezeichnenderweise sind viele junge Iren und Irinnen gegen die Abschaffung des Eight Amendment, wohingegen viele ältere Iren für die Abschaffung sind)

https://www.irishtimes.com/life-and-style/people/the-women-s-podcast

https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/abortion-facts

http://www.thejournal.ie/factcheck-uk-ireland-abortion-law-4027157-May2018/

https://edition.cnn.com/2018/05/22/health/ireland-abortion-referendum-travel-intl/index.html

 

Ganz normaler Rassismus

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„Falls ein paar von euch auf irgendeine Art Homosexuelle, Leute mit anderer Hautfarbe oder Frauen hassen, tut uns bitte einen Gefallen…Kommt nicht zu unseren Konzerten und kauft unsere Platten nicht.“ Kurt Cobain 1967-1994

Kaum hatte ich meinen Post veröffentlicht, da las ich auf Facebook einen Post unseres lokalen Radiosenders „Cork 96 FM.“Die Redakteure veröffentlichten die Mail einer Hörerin die sie erhalten hatten und die in dieser Mail Ihre Erfahrungen mit Rassismus schilderte:

„I listen to you every morning on my way to work in the car and at work I just want to say you are my favourite.Recently you have touched on many topics but there is one topic I would like you to please discuss with your listeners on Thursday 16 th November 2017 I was at the McDonald’s (close to Dealz) in Cork city I ordered my food and went to get a seat I found a seat upstairs.Right in front of me were 4 teenagers between the ages of 13/14 …..I sat down and started eating I was looking out of the window and one of them sitting right in front of me told me that I’m as dark as a spade (in cards)she also called me a black face,ugly and other racial slurs I ignored her then she proceeded in sitting next to me and continued saying nasty things to my face .Neil I nearly lost it but I kept calm I didnt say anything to her I just keept minding my own business…… but I couldn’t take it any more. I couldn’t eat I lost my appetite so I got up and cleaned up after my self I went downstairs and asked for a manager I explained what happened and left. Now Neil I have been living in Ireland for 10 years and I have been living in Cork for about 5 years I went to college in Cork and now I’m working in Cork … I was not born in Ireland I was born in Nigeria ….I was told so many times that Irish people are not racist but then things like this happen to me this is not the first or second time I never had it easy because of the colour of my skin I always had to work harder to prove to people that I’m actually a hard working person …when ever I try and talk about racism people always ask me wasn’t it a old person that said that to you? (Apparently old people are ignorant)Or come on there are kids don’t take it seriously ….but that is the problem after what happened it’s time to stop making excuses for any one who is a racist i don’t care if you are old or young shame on you to look down and people who have a different skin colour …I’m sure there are loads of people who have experience the same things I have this has to stop.
Parents please educate your children about different cultures,races and religions teach them not to be ignorant but to be open there is noting wrong in having dark skin or being different ….I’m absolutely discussed this is wrong the same people that called me black face are the same people that support black entertainers eg Beyoncé ,Pharrall willams,Oprah,Michael Jackson. Look Niel I know rasicm is everywhere but I’m begging you to please use your platform to help people like me ,you have spoken on a lot of difficult topics on your show I know this topic might not be of an interest to everyone but believe me if we can educate people and tell them what rasicm can do to people and how it destroys self esteems ,life’s ……it could make a difference.“

Die Kommentare unter diesem Post waren mehrheitlich positiv und auch andere Radiohörer schilderten ihre negativen Erfahrungen die sie in Irland gemacht haben.

Dies war von daher interessant weil auch Leute zu Wort kamen die, salopp ausgedrückt, als mitteleuropäische Weissbrote eher unverdächtig sind rassistisch beleidigt zu werden.

„My son, who was born here, & represents Cork City for soccer, was playing a match last week for the school. Another lad started shoving,& my fella shoved back. The other boy was starting to get angrier & tried to lash out & slipped & obviously was embarrassed! My son was walking away when the other boy told him, go back to your country & stop stealing our jobs!!! That is from an adults mouth, not something a 14 year old came up with on their own! Things quickly went downhill from there, but my son refused to let me report it, saying it’s grand. My boy is as Irish as you can get,& bravo for his attitude. But what about other youngsters who aren’t physically able to hold their own, or speak back??? I know not everyone will like each other, but just leave everyone to their own way- some horrible bullies out There!“

Eine Kommentatorin schrieb daraufhin, dass sie seit 14 Jahren in Irland lebt und trotz dieser langen Zeit nicht das Gefühl hat akzeptiert zu sein und schildert, dass ihr das in England nie so ging, woraufhin jemand schrieb, dann solle sie doch wieder nach England gehen. Nun ist die Kommentatorin offensichtlich mit einem Iren verheiratet, möglicherweise eine Irin, die nach langer Zeit in England zurückgekehrt ist, denn diese Aussagen habe ich öfters von Iren gehört die sich, nachdem sie zurückkehrten, fremd im eigenen Land fühlten und das weniger auf Grund der Ausländer.

Lustig auf jeden Fall war die Antwort auf den Kommentar mit dem Land verlassen, denn derjenige, der der Frau empfahl, wenn es ihr hier nicht gefällt, dann solle sie doch nach England gehen. Er hat offensichtlich als Profilbild das Logo des Liverpool FC und wurde natürlich gefragt wie es denn sein könne so ein Profilbild zu haben, wenn er so eine Einstellung hat. Natürlich wurde es nicht verstanden, derjenige, der sich abfällig über die Frau geäußert hat weiß offensichtlich nicht, dass Liverpool und sein Umfeld ein Weltoffener Verein sind in dem Rassismus und Ausgrenzung keinen Platz haben. Auch ist ihm offensichtlich nicht bekannt, das sein Lieblingsclub, um überhaupt spielen zu können, Schotten importieren mußte, sehr zum Leidwesen des englischen Verbandes.

Der irische, in Bremen lebende und bekennende Werderfan, Autor Ian Watson beschreibt in seinem Buch Spielfelder“ die Migration der Iren in englische Fußballclubs, bzw. die Gründung so unbedeutender Vereine wie z.B. Celtic Glasgow, oder Hibernian Edinburgh. Es zeigt allerdings was ich im vorigen Post erwähnt habe, nämlich dass Leute, die alles Fremde ablehnen, dafür aber ausländische Vereine unterstützen, oft keine Ahnung über Hintergründe oder Geschichte haben.

                                                       

                                                                 

                                                           Kein Respekt

 

Die Erziehung streut keinen Samen in die Kinder hinein, sondern lässt den Samen in ihnen aufgehen.

Khalil Gibran


Der amerikanisch-libanesische Philosoph und Künstler Khalil Gibran war der Meinung, dass Kinder bereits Eigenschaften in sich tragenmdie durch die Erziehung gefördert, oder rausgebildet werden können. Die Kommentare, auch die Eingangsmail, beschäftigen sich allerdings damit, dass es Jugendliche waren, die sich rassistisch geäußert, bzw. beleidigend waren. Nun kann man damit argumentieren dass das soziale Umfeld, bzw. das Internet für den Anstieg der Gewalt, sei es physisch oder psychisch, verantwortlich ist. Allerdings wenn die Alten schon Fremdenfeindlich sind, dann werden die lieben Kleinen nicht unbedingt Nächstenliebe und Mitgefühl in sich tragen. Es ist immer noch die Gesellschaft die Werte vorlebt, wenn diese Werte nicht vorhanden sind, oder verkümmert, dann sind davon Generationen betroffen.

I was walking home from town one day out to Blackpool and a child no more then 10 years old with a few of his friends shouts at me to go back home where I came from and called me a foreigner. I’m a born and bread corkconian along with all my family. Theses a**holes don’t care about anything or anyone of any age or race or religion. You don’t need to go to fota to see the animals anymore, there up and down your streets.
This is not an isolated incident. I have encountered 2 sets of teenagers who were physically intimidating & verbally abusive aswell. Bear in mind they were challenging adults, knowing d adult can’t retaliate, as theyd be ostracized altogether!! I stopped d car & got out to give out to them. When they heard my norrie accent giving out they shut up!! I have 2 teenagers, if i thought that either of them, or their friends for that matter, treated/disrespected anyone of any colour/race id mangle them!!!! Sorry u had to endure that, I agree it does stem from home but also from social media. Teenagers have very little fear of consequences nowadays. Keep d head held high hun, always take d high road and know no matter where we are in d world, this does happen. But ur right to bring more awareness to this, it’s d only way to address this.
Diese zwei Kommentare bringen es eigentlich auf den Punkt. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass die Minderjährigen in diesem Land keinerlei Respekt vor ihren Mitbürgern haben. Sie haben nicht mal Respekt vor älteren Leuten, oder der Obrigkeit. Wie sollen sie dann Respekt vor anderen Nationalitäten haben. Vor allem, wenn ihnen dieser mangelnde Respekt vorgelebt wird und man ihnen das Gefühl gibt, man wäre Teil einer prähistorischen Gesellschaft in der nur der Stärkste überlebt, dann entwickelt sich gar nichts.
Bedenklich finde ich in diesem Zusammenhang die Begründung für Fremdenfeindlichkeit. Irland habe das beste Schulsystem weltweit und die Regierung würde trotzdem Ausländer in’s Land holen die den anständigen Iren die Arbeit wegnehmen während die rechtschaffene autochthone Bevölkerung Biertrinkend vor dem Fernseher sitzt und von Sozialhilfe lebt. Allein dieses Beispiel zeigt ein verqueres Weltbild welches die Realität komplett ausblendet. Nun ist das irische Bildungssystem nicht schlecht, aber es ist nicht das Beste in Europa. Und, das wird offensichtlich vergessen, bezeichnen viele Kritiker das Schulsystem als Verwahranstalt. Hinzu kommt das „wir“ hier sind, nicht weil wir so gut ausgebildet sind, das sind viele Iren auch, sondern weil wir mehrere Sprachen sprechen und das ist der Schlüssel warum die Multinationalen Konzerne uns beschäftigen.
Was soll man auch erwarten, wenn in den Kommentaren zur Wahl in Deutschland, Angela Merkel als Schlampe bezeichnet wird die Schuld am Zustand Irlands ist.
Da kommt keine Selbstkritik auf und wenn ich das im Beisein meiner Kinder sage, dann rutschen die Deutschen in den Mittelpunkt, obwohl die Deutschen in Irland mit Sicherheit nichts mit Merkels Politik zu schaffen haben. Auf der anderen Seite werden dann Organisationen wie PEGIDA gegründet, oder Wahlerfolg der AFD gefeiert mit dem Hinweis, solche Parteien bräuchten wir auch hier in Irland, so als wären Identity Ireland, oder National Party nicht genug. Und mit Renua Ireland haben wir ein Pendant zur AFD, allerdings mit weniger Erfolg als AFD.
                                                              Anstieg des Rassismus
Die Soziologen Ronit Lentin und Robbie McVeigh sind der Meinung, dass der Rassismus hier In Irland in den Neunziger Jahren begonnen hat. Zielscheibe der Fremdenfeindlichkeit waren die polnischen Arbeiter. Die Polen sind eh beliebtes Opfer in Irland. Man unterstellt ihnen das es ihnen zu verdanken sei, dass die Sozialhilfe so niedrig ist und man nun gezwungen, einen Scheck auf der Bank einzulösen. Vorher, ja vorher, da wurde das Geld von einem Boten persönlich auf der Bank einbezahlt und war so hoch, da war Irland quasi das Elysium, aber mit den Polen, alles weg jetzt. Wenn Politiker und Richter dann noch in das gleiche Horn stoßen, was will man dann noch erwarten.
Allerdings ist das Thema nun auch Dublin etwas unangenehm, denn man lebt bequem mit den Multinationalen Konzernen, den Steuern dieser Mitarbeiter und der Reputation als Firmenstandort im Ausland der von der eigenen Bevölkerung torpediert werden könnte. Da ließ man Aktion folgen und leistet sich eine Agentur gegen Rassismus die mit sinnvollen Tips punktet wie man sich im Falle von Mobbing verhält. Natürlich sucht man dann als Schwarzafrikaner die nächste Garda Station auf. ENAR, eine irische NGO, die sich um Rassismusfälle kümmert gibt regelmäßig Berichte zur Situation in Irland heraus.
So schrieben irische Medien von einem Anstieg rassistisch motivierter Gewalttaten gegen Ausländer in diesem Land. Und selbst in Indien versteht man unter „Hunderttausend Grüße“ mittlerweile etwas anderes.
                                                                     
                                                                        Einzelfälle
Nun mag man sagen das es doch nur Einzelfälle sind und natürlich ist der Mehrheit der Iren Weltoffen. In der Tat, aber wir sind ein kleines Land, Vorfälle wie diese werden mehr als zur Kenntnis genommen, man diskutiert in der Gesellschaft ob Irland langsam aber sicher ein ernsthaftes Problem hat…und…wenn man das nicht in den Griff bekommt, eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort bedeutet, denn man darf nicht vergessen die Firmen, die hier ihren Europasitz haben, haben etwas andere ethische Vorstellungen als irgendein Hillybilly von der Countryside der Ausländer zum Kotzen findet.
Man verstehe mich nicht miß, ich lebe nach wie vor gern in Irland und werde auch hier bleiben, allerdings gibt es Dinge die man, wenn man mit offenen Augen durch das Leben geht und Anhänger einer offenen Gesellschaft ist, mit Sorge betrachtet