Ein Handwerkerleben

Die Installation in dem Haus, in dem ich vorher wohnte. Man beachte die künstlerische Anordnung die selbst den Installateur vor Probleme stellte.

In Irland, wahrscheinlich auch in Deutschland, ist es immer schwer einen Termin mit einem Handwerker zu bekommen. Vor allem wenn es ein guter Handwerker sein soll.
Wir sind in der Situation, dass unser Landlord, wenn wir Probleme im Haus haben, alle möglichen „Experten“ für jede Situation hat. Einer davon ist ein „Hans Dampf in allen Gassen,“ also zumindest für unseren Landlord.

James war das erste Mal 2015 bei uns. Es war Kalt und der Boiler funktionierte nicht mehr, so dass wir keine Heizung hatten. Da unser Landlord ein sparsamer -manche würden ihn geizig nennen- Mensch ist, versucht er notwendige Arbeiten entweder zu vermeiden, „cost me a fortune,“ oder er präsentiert, wie in dem Fall, James. Auf unseren Einwand dass es vielleicht doch besser sei, einen lizensierten Installateur zu nehmen, schließlich laufen regelmäßig Spots im irischen Fernsehen ausschließlich zertifizierte Leute zu rufen, besonders wenn es um Gas geht, reagierte er mit einer wegwischenden Handbewegung und erklärte dass dieser Mann, James, der beste Installateur ist, den irische Hochschulen wahrscheinlich in den letzten 150 Jahren hervorgebracht haben.

„Dieser Mann,“ er machte eine Pause und schaute uns beiden mit ernstem Blick in die Augen, „hat wahrscheinlich in Irland mehr Boiler und Regler installiert als Haushalte gibt und….die City Councils vertrauen ihm.“ Trotzdem war und nicht ganz wohl und zaghaft fragten wir, schließlich hatten wir das gelernt, nach einer Lizenz und erklärten, dass es leider viele schwarze Schafe geben würde.

„Ach was,“ kam die Antwort, wir könnten James doch im Internet finden, schließlich hat er bei einem der besten Handwerksbetriebe im County gearbeitet, aber jetzt halt nicht mehr, sondern wäre sowas wie ein Freischaffender Künstler, „weil er viel zu gut ist.“

Also gaben wir uns geschlagen und James betrat unser Leben. Grundsätzlich trägt er einen roten Overall, so als wäre dass das Zeichen von Qualität, quasi Freimaurer. Da ich mich noch an die Konstruktion in meiner vorigen Unterkunft erinnern konnte, die auch von dem Genie war, hatte ich doch ein mulmiges Gefühl. James murmelte etwas, was man als alles mögliche interpretieren konnte, während Derry, unser Landlord, uns Augenzwinkernd zu verstehen gab dass jetzt alles gut werden würde, James führte uns durch die Wüste wie einst Moses, mit dem Unterschied dass es bei uns wieder warm werden würde, „Ihr werdet sehen, der Radiator den ich Euch gebracht habe, war nicht umsonst.“

James tat, was wir auch versucht haben, um unseren Boiler Floyd wiederzubeleben, da das nicht funktionierte griff er tief in die Trickkiste und erklärte er würde ein Bauteil benötigen, denn das hier sei kaputt und er hätte keins auf Lager. Man sah wie bei Derry sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, und wahrscheinlich rechnete er in Gedanken den Nutzen und die Aufwendungen durch, als er das Haus gekauft hat. Vorsichtig fragte er wie teuer das werden würde, woraufhin James erklärte dass er dies noch nicht beantworten kann. „Teurer als 100quid? Weiß ich nicht Derry, kann ich noch nicht sagen, aber ich vermute mal nicht mehr als 300.“ Derrys Gesicht wechselte nun zu einem außerordentlich gelungenem Violett und man stellte sich zwangsläufig die Frage: „Wie zum Henker macht er das?“

Er baute wieder alles provisorisch zusammen und beide, James sehr beschwingt und Derry als wäre er auf dem gang zu einer besonders schweren Beichte, verschwanden.
Es dauerte noch einige Zeit bis James das benötigte Bauteil hatte. Während wir gerade dabei waren uns zu überlegen, was man alles im Kamin verbrennen kann -wir hatten manchmal das Gefühl das unsere Nachbarn nicht nur alte Autoreifen, sondern auch die Großmutter als Heizmaterial verwenden-, als James, wie Ritter Lancelot aus dem Nichts auftauchte und uns von der Kälte erlöste. Nachdem alles wieder funktionierte, lagen wir Drei uns in den Armen und weinten hemmungslos. So müssen sich die ersten Menschen gefühlt haben als sie endlich Feuer in der Höhle und den Mammutbraten Medium braten konnten.

Das Hochgefühl hielt aber nicht lange an, denn schon am nächsten Tag war das Wunder von Cork vorbei, Floyd kalt, und die Flamme des Lichts aus. Also riefen wir Derry an, dieser wiederum rief James an und beide standen vor dem Startgerät das dafür zuständig ist, dass warmes Wasser produziert wird. James wog seinen Kopf, während Derry wohl schon Mordgedanken hatte, als James plötzlich über beide Backen strahlte und das Problem erkannte. Da der Startknopf zwei Kabel hatte die einen Zündfunken für das Gas produzierten sah man, dass ein Kabel abgerutscht war.
Also schob er das Kabel wieder auf die Verbindung und befestigte es stärker damit das nicht noch mal vorkam. James‘ Konstruktion funktioniert übrigens Heute noch.

Nun sind wir vorbildliche Mieter, wir fügen uns dem Diktat der Vereinigung irischer Landlords, das wahrscheinlich erstellt wurde, als viele Iren noch in Leibeigenschaft waren. Die Zeiten haben sich zwar gewandelt und wir Mieter müssen auch nicht mehr auf dem Feld schuften, aber leider gibt es immer noch Vermieter die in dieser Zeit stehen geblieben sind, und viele Leute sind angewiesen auf Wohnraum der selbst verschimmelt noch zu horrenden Preisen vermietet wird. Da viele unserer Abgeordneten selber Landlords sind, werden Gesetze sehr vorsichtig erlassen.
Also klagen wir nur in Ausnahmefällen und haben die, sagen wir „geschmackvolle,“ Einrichtung, die wahrscheinlich noch aus der Zeit des Anglo-Irish War stammen, schätzen und lieben gelernt. Diesmal über unsere Dusche.

Elektrische Duschen gehören zu irischen und britischen Badezimmern wie der Boiler. Als ich auf die Insel kam, da hatte ich das Gefühl Irland wäre immer noch ein Anhängsel Großbritanniens. Mittlerweile bin zu fast 100% überzeugt. Vielleicht gab es hier schon elektrische Duschen während der Zeit von Queen Victoria und als die Besatzung endete dachten unsere Gründerväter wahrscheinlich, dass es einfacher ist alles so beizubehalten. Auf jeden Fall hatten wir plötzlich Probleme beim Duschen. Das Wasser war mehr kalt als warm und tröpfelte von Zeit zu Zeit. Kurz, ich hatte das Gefühl als wäre ich wieder auf Camping Patrizia in Bolsena und es wären die Siebziger und Achtziger Jahre. Offensichtlich hatte der City Council Arbeiten an der Wasserversorgung der Stadt durchgeführt was kein Problem wäre, wenn Cork nicht von Hügeln umgegeben wäre. Da wir auf einem der Hügel wohnen hatten wir auf einmal einen niedrigeren Wasserdruck.

Wir riefen Derry an und klagten unser Leid. Da Derry es nicht so mit Hygiene hat, beispielsweise seit ich ihn kenne trägt er immer das gleiche Hemd und die gleiche Hose -vielleicht hat er aber aus praktischen Gründen den ganzen Schrank mit den gleichen Sachen voll, war es nicht ganz einfach ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass es nach 100 Jahren doch an der Zeit wäre, mal an eine neue Dusche zu denken. Derry kam also vorbei, checkte die Dusche, kratzte sich am Hinterkopf und meinte James würde sich das anschauen. Wahrscheinlich schaut James sich auch die Schleusenwerke im River Lee an, die das Wasser regulieren wenn die Flut vom Meer den Lee nach Cork reinpresst. -Man muss wissen, dass Cork auf einem trockengelegten Sumpf erbaut wurde (Corkaigh = Marschland) und der ehemalige Hafen der Stadt, der immer nicht genutzt wird, wenn auch nicht mehr so intensiv, sich praktisch bis zur Grand Parade erstreckte.-

James kam also, fummelte etwas an der Dusche rum, rief Derry an, und man konnte förmlich sehen wie sich die Farbe am anderen Ende veränderte, James‘ Telefon fing nämlich an zu leuchten. Ein paar Tage später war James wieder da und hatte einen Karton in der Hand auf dem stand, „Triton, Electric Shower, Made in England.“ Etwas unbeholfen bemühte sich James die Dusche einzubauen und konnte noch schnell aus der Badewanne springen weil er einen Test durchführen wollte, während er noch in der Wanne stand. Dann blickte er sein Werk an, klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter und meinte es sei jetzt alles in Ordnung. Wieder lagen wir uns in den Armen, weinten Hemmungslos und wie weiland Wilhelm Tell erneuerten wir den Rütlischwur.

Während James aus dem Haus trat und zu seinem Auto schwebte hätte ich schwören können, dass über Knocknaheeny ein Regenbogen erschien und ein Engelschor das Lied „Auld Lang Syne“ intonierte. Wir freuten uns wie kleine Kinder und während der Dusche fühlte ich mich wie Gerhard Rolffs nach seinem Ritt durch die Wüste. Das Pionierblut meiner Vorfahren strömte förmlich durch meinen Körper, so müssen sie sich gefühlt haben als sie Tirol verließen und in Preußen ankamen. Nun war die Dusche zwar weder der preußische König, noch ein Scheich, denn die Freude währte nur kurz und nach wenigen Wochen hatten wir wieder das gleiche Problem. Jetzt war es so, dass das Wasser kochend heiß wurde, und, sobald die Temperatur annehmbar war, eiskalt wurde, sobald man mit einem Kopfsprung unter die Dusche hechtete.

Wir riefen Derry an, Derry rief James an, und James kam. Etwas ratlos stieg er in die Wanne, blickte auf die Dusche, nahm die Abdeckung ab, prüfte etwas und plötzlich standen ihm die Haare zu Berge, denn er hatte vergessen den Stromkreis der Dusche zu unterbrechen. Er baute alles mit seinen schmierigen Händen zusammen, wobei der Regler auf kalt stand, obwohl das Wasser warm wurde und hinterließ eine Fußspur die bis auf den Gehweg führte. Guter Rat war teuer, sollten wir, solange wir hier wohnten, ständig die Heizung laufen lassen, damit wir warmes Wasser für die Badewanne hatten? Aber nein, ein paar Tage später kamen beide, schauten sich die Situation vor Ort an und überlegten, wie sie das Problem lösen könnten. Derry, ganz pragmatisch, schlug vor den City Council anzurufen und um mehr Wasserdruck zu bitten, schließlich waren wir nicht die Einzigen die mit dem Wasserdruck kämpften, aber im Gegensatz zu unseren Nachbarn, die Eigentümer sind und das Problem durch spezielle Duschen gelöst hatten, waren wir Mieter.

Man beachte die geniale Konstruktion unter der Dusche. Man sieht es zwar nicht, aber James nahm eine Stichsäge und sägte beherzt ein Loch in die Rückwand, um das Rohr vom Tank mit dem Rohr der Dusche zu befestigen..glaube ich.

Wieder vergingen die Tage als plötzlich mein Telefon klingelte und es gleichzeitig klopfte. Derry hat die Angewohnheit sich nicht in angemessener Zeit zu melden, sondern steht völlig unvermittelt vor der Tür, oder klingelt, anstandshalber, Sekunden vorher durch. Beide stürmten an uns vorbei in‘s Bad und schauten sich die Dusche an, Derry draußen, James in der Badewanne stehend. Dann fragte Derry nach einer Leiter, während James den Zugang zum Dachboden öffnete. Er stellte sich die Leiter hin und krabbelte durch die Luke auf den Dachboden und ich dachte, ‚Gottseidank jagt Derry mich nicht, wie sonst üblich, da rauf.‘ Nach ein paar Minuten tauchte James wieder auf und erklärte seinen Plan. Ich habe mittlerweile gelernt, dass es einige Leute hier in Irland gibt, die mit der Sprache sehr sparsam umgehen, praktisch sorgsam. Also erklärte James in wenigen Worten was er vorhatte und meine Frau und ich hatten Fragezeichen im Gesicht.

Derry räusperte sich und übersetzte James Ausführungen in‘s englische. Man hatte vor, eine Leitung vom Dachbodentank zur Dusche zu legen. „James bohrt ein Loch in den Tank und setzt die Leitung oben, oder unten an, dann legt er sie bis dort…und dann hier, bis dahin.“ Er zeigte dabei auf bestimmte Punkte so dass wir uns vorstellen konnten was er vorhatte. Man wollte als an der Wand vom Bad die Leitung legen, diese an der Wand befestigen und mit dem Anschluss der Dusche verbinden. Da wir eh nichts sagen konnten, nickten wir zustimmend.

Es gibt Handwerker die nutzen Plastikplane und es gibt James. Wenigstens lief alles glatt, da James einen Faible für das weibliche Geschlecht hat.

Die Planungsarbeiten liefen auf Hochtouren, allerdings, wie es bei Handwerkern so ist, entwickeln sich Geduldsspiele und man bekommt eine Idee, wie Samuel Becket auf den Buchtitel kam. So kam Derry vorbei um die benötigten Materialen abzulegen und da ich schon beim ersten Mal, Jahre vorher, erklärt habe dass der Tank fast durchgerostet ist, kletterte auf die Leiter und leuchtete mit der Taschenlampe auf den Tank. Er schaute etwas ratlos und fragte mich, wo genau der Tank fast durchgerostet sei. Leider habe ich keinen Spitzencomputer im Kopf und nach einem Schlaganfall vergesse ich solche Dinge nach ein paar Monaten, oder wie in diesem Fall ein paar Jahren. Wahrscheinlich klingelten Derrys Alarmglocken, also ignorierte er meine Antwort dass ich das nicht mehr wüßte. Er erklärte dann dass er versuchen würde James zu erreichen, vielleicht käme er aber auch in Derrys Stammpub und würde sagen wann er Zeit hat.

So gingen die Tage in‘s Land als Derry einen Freitag anrief und sagte, man würde entweder am Montag, oder am Mittwoch kommen, vielleicht auch Donnerstag, „wir kommen aber bestimmt noch in diesem Jahr, keine Sorge,“ sie kamen dann zwei Wochen später an einem Freitag. Nach dem üblichen Prozedere, anrufen und klopfen, stürmten beide die Treppe hoch und begannen mit den Vorbereitungen. Man schickte uns durch Haus um verschiedene Dinge zu besorgen, so dass ich mich fragte ob das eigentlich üblich für irische Handwerker ist, sich die Materialien bei ihren Auftraggebern zusammenzusuchen. „Verlängerungskabel, Taschenlampe, ich brauch die Taschenlampe…nein nicht die, da sieht man nichts…habt Ihr denn keine Andere?“
Nachdem alle Sachen besorgt wurden stellte James fest, dass es immer eine gute Idee ist Wasser abzusperren. Klempnerregel Nummer eins, um zu verhindern von einer Welle aus dem Haus gespült zu werden, sollte man Wasser abdrehen.

Nach dem wir kein Wasser mehr hatten, ignorierte er Regel Nummer zwei. Er kontrollierte nicht den Stromkreislauf und prompt stieg leichte Rauch von seinem Haupt auf und er leuchtete wie die Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit. Er wischte sich die Farbe aus dem Gesicht und richtete seine Haare da sie in alle Richtungen abstanden, dann ging er noch einmal nach unten und stellte den Strom komplett ab. Da, wie schon geschrieben, es Leute gibt die Sprache sehr sparsam einsetzen, stellten wir durch Zufall fest dass der Strom weg war. Na ja, was stören schon Kleinigkeiten, wenn es gilt die Welt zu erobern.

Frohgemut machte James sich an‘s Werk und kletterte, wie Luis Trenker, beschwingt auf den Dachboden. Dort bohrte er sein Loch in den Tank und rief dann nach Derry. „Schnell einen Eimer! Eimer! Eimer! Eimer!“ Derry sauste die Treppe hinab und meine Frau sagte oben wären Eimer. „Wo? Wo? Wo?“ Fragte Derry heftig und hatte sich schon auf dem Absatz umgedreht und sprintete wieder nach oben. Meine Frau rief ihm hinterher dass sie den Eimer bringt, und beide fragten wir uns wann Wasser vom Dachboden in die Küche läuft. Fünf Minuten stand Derry mit wehenden Haaren in der Küche, was insofern erstaunlich ist da er nur über einen Haarkranz verfügt.

„Bucket, Bucket, Bucket,“ rief er. Wir zeigten gerade nach oben als Derry sagte, „not bucket, not bucket, not bucket. Waterbottle, Waterbottle, Waterbottle.“ Meine Frau holte eine Flasche Mineralwasser unter dem Küchencounter hervor, aber Derry sprang mit einem Satz nach draußen, leerte den Inhalt der Recycling Tonne aus und fand eine leere Plastikflasche. Zur Freude meiner Frau legte er diese auf das Abtropftuch und bat um ein Messer, „nein mit Sägeklinge.“ Wieder spurtete er hoch und Ruhe kehrte ein.

Unterbrochen wurden die Arbeiten nur von weiteren Kommandos denn, ich hatte es ja angesprochen, der Tank war tatsächlich verrostet. Rostwasser befand sich auf dem Teppich, in der Wanne und im Eimer, den man uns in die Hand gab, um ihn auszuleeren. Man beriet sich kurz und Derry sauste aus dem Haus. Ich weiß nicht ob er das Auto benutzte, oder den ganzen Weg bis zum Baumarkt rannte, auf jeden Fall kam er nach kurzer Zeit mit einer Plastikwanne für den Tank an, und sah dabei aus wie eine Riesengroße Schildkröte.

Wir drehten sämtliche Hähne im Haus auf, um das Wasser aus dem Tank abzulassen, was sich bei etwa 60 Gallonen Wasser nicht leicht bewerkstelligen läßt. James derweil sauste wie ein Wiesel zwischen Bad und Dachboden hin- und her, und zeitweise überholte er sich selbst, oder grüßte seinen Doppelgänger. Dann war es geschafft. Müde, abgekämpft und um Jahrzehnte gealtert, kamen die Beiden die Treppe runter. Wahrscheinlich fühlten sie sich, als hätten sie Derrys Kuh beim Kalben geholfen.

Einander stützend verabschiedeten sie sich und verließen das Haus, was naturgemäß etwas länger dauern kann weil Iren das Abschiednehmen zelebrieren. Nicht einfach Tschüss wie in Deutschland, Baba in Österreich, oder Salü oder Schweiz. „Bye, bye bye, bye bye, bye, take care and all the best,“ da kann es schon mal dunkel werden.

Meine Frau war die Erste, die die Arbeiten begutachten wollte und fiel in Ohnmacht. Es sah aus, als wäre oben eine Bombe explodiert. Die Wanne war mit schwarzen öligen Flecken bedeckt, die neue Dusche, die eingebaut wurde, hatte die Farbe gewechselt und war jetzt in Camouflage, der Teppich im Gang mit Rostflecken, beziehungsweise Rostwasser bedeckt, aber der Druck auf den Startknopf entschädigte uns für manches, auch wenn die Aufräumarbeiten bis Dezember dauern, Hauptsache wir haben eine vernünftige Dusche und müssen nicht mehr zwischen Eis auf der Haut und Verbrennungen zweiten Grades wählen.

Nachtrag: Das ganze ist sehr überspitzt dargestellt. Derry und ich kennen uns seit über 10 Jahren und seine Familie wurde im Laufe der Zeit auch meine Familie. Viele Sachen verstehe ich an Derry nicht, damit meine ich nicht nur den Akzent den wahrscheinlich auch Iren nicht immer verstehen, sondern seine extreme Sparsam- und Anspruchslosigkeit. Ich nehme an, das hat damit zu tun das Derry im County geboren und aufgewachsen ist. Seine Eltern besaßen eine Farm die von Derry übernommen wurde, da seine Geschwister kein Interesse daran besaßen. Derry hat dann mit seiner Frau nach und nach B&B‘s gekauft und gleichzeitig seine Farm bewirtschaftet. Derry ist das Beispiel für die Iren die ihr Leben lang gearbeitet haben. Natürlich gibt es bei uns Reiche und Neureiche, nicht umsonst liegt Irland auf Platz Zehn bei den Milliardären, aber die überwiegende Mehrheit, die es zu einem bisschen Vermögen gebracht haben, schafften dies durch Arbeit und, wie in Derrys Fall, einer gewissen Bauernschläue. Ich mag Derry, auch wenn einen manchmal in den Wahnsinn treiben kann mit seiner Sparsamkeit und nicht sehen will, oder kann, dass Investitionen auch für die Zukunft sind und nicht für den schnellen Profit. Das scheint, wie mir ein Barbesitzer, den ich in meinem Stammpub kennen gelernt habe, in Irland üblich zu sein. Land und Immobilien werden von Iren als Kapitalanlage bevorzugt. Im Falle der Immobilien verstehen sie nicht warum sie die pflegen sollen, denn die Mieter zahlen ja trotzdem und die von der Regierung erlassenen Gesetze werden in den meisten Fällen nicht eingehalten.

O’Sullivan’s March

Brian Boru, Chapel Royal, Dublin Castle

Die irische Geschichte bietet, gerade wenn man sich dafür interessiert ein reichhaltiges Betätigungsfeld. 800 Jahre war Irland von England besetzt, davor waren die Wikinger hier auf der Insel wovon beispielsweise der Reginald’s Tower in Waterford Zeugnis ablegt. Auch kann man auf den Spuren der Ur-Einwohner wandeln und, wenn man in Waterford ist, dem Portal Tomb von Ballindud einen Besuch abstatten. Allerdings hielt die Wikingerzeit in Irland nicht lange an und in der Schlacht von Clontarf, 23. April 1014, fand die Vorherrschaft ein jähes Ende als die Armee Brian Boru’s die Wikinger unter der Führung Sigurd Lodvessons besiegte. In der Schlacht kam Brian zu Tode und angeblich, so heißt es in den Legenden, wären sämtliche irischen Barden an seinem Totenbett erschienen und hätten drei Tage und drei Nächte hindurch Brian Boru’s March gespielt. Ob es sich so, oder ähnlich abgespielt hat kann ich nicht sagen, ich war nicht dabei und wahrscheinlich diejenigen die die Legende geschrieben haben auch nicht. Auf jeden Fall kennt jedes Neugeborene die Geschichte, oder hat sie bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Vielleicht kommt von diesem Ereignis auch der Hang der Iren zur Musik.

Auf jeden Fall erzählen unsere Traditionals die gesamte irische Geschichte und wer interessiert an der Insel ist, der sollte sich einfach mal die Musik der Dubliners, oder Chieftains anhören.

Nachdem Brian in der Schlacht gefallen war brach nicht nur die Skandinavische Herrschaft zusammen, auch die Iren verfielen wieder in ihre alten Streitereien da Brian nur kurze Zeit Hochkönig war und in der kurzen Zeit seine Macht nicht gefestigt hatte, war es keinem seiner Söhne gelungen einen Anspruch auf das Amt des Hochkönig anzumelden. So hatten es die Engländer, beziehungsweise die Normannen, in englischen Diensten stehend, es leicht die Insel zu erobern. Dermot MacMurrough (Diarmait Mac Murchada), König von Leinster, geriet in Streit mit Tiernan O’Rourke (Tigernán Ua Ruairc), dem König von Bréifne (Leitrim, Cavan, Sligo), da Dermot unbedingt Derforgaill, die Frau Tiernans haben wollte. Tiernan wollte seine Frau aber nicht hergeben, vielleicht weil sie außergewöhnliches Irish Stew kochen konnte, und so kam es zum Krieg zwischen den beiden Königen. Dermot unterlag und floh nach England. Beim englischen König Heinrich II erhoffte er sich Unterstützung, also suchte er, nachdem er 1166 in Bristol angekommen war, Heinrich auf und trug diesem sein Anliegen vor. Dermot erhoffte sich anscheinend von Heinrich, dass dieser mit seinen Soldaten dafür sorgen würde das Dermot nicht nur Derforgaill bekommt, sondern auch Hochkönig von Irland wird. Heinrich, ganz Ohr, stimmte begeistert zu und schickte Richard Fitz Gilbert mit seiner Armee, bestehend aus normannischen Reitern und walisischen Bogenschützen nach Irland, da er, wahrscheinlich auf Grund der Schilderungen, festgestellt hatte, wie leicht die Insel zu erobern sei. Richard machte Nägel mit Köpfen und Heinrich krönte sich 1171 zum König von Irland. Dermot ging leer aus, denn nicht mal die Königswürde gedachte Heinrich ihm zu geben. Im Gegenteil teilte er Irland unter seinen normannischen Baronen auf und zementierte damit die Achthundert Jahre dauernde Herrschaft der Engländer. Unterbrochen, oder angegriffen, wurde diese nur durch Edward the Bruce, dem Bruder Roberts, der von Robert nach Irland gesandt wurde und den Anspruch der Schotten auf den irischen Königsthron wahren sollte. Unterstützung erhielt Edward nur durch die Stämme im Norden (sowie seinem Bruder) und nach seiner Krönung 1316 in Dundalk, lebte Edward nur noch zwei Jahre und die „Pangälische“ zerbrach, da man die Schotten von der Insel warf.

Donal Cam O’Sullivan

1594 begann der Krieg zwischen einer Allianz unter der Führung des Earl of Tyrone und der englischen Regierung in Irland statt. Der Neunjährige Krieg, wie er genannt wird, war die Auseinandersetzung zwischen gälisch-irischen Katholiken und protestantischen, besser mehrheitlich protestantischen, Engländern. Die gälisch-irischen Kräfte erhofften sich Unterstützung durch den spanischen König Philipp III., der, trotz der Niederlage der Armada 1588, darauf erpicht war die Engländer zu schlagen, sowie die Vormachtstellung zu brechen. Philipp ließ sich also überzeugen die irischen Rebellen zu unterstützen und sandte seine Armee nach Irland die am 2. Oktober 1601 bei Kinsale landete und sich aufmachte die Festungen in Kinsale zu belagern, um die englischen Kräfte zu binden. Allerdings kamen viel weniger Soldaten als geplant, nämlich nur 3400 statt 5000 und zum anderen hatten weder die Spanier, noch die Rebellen sich um Cork Gedanken gemacht. Cork hatte sich nämlich mit den Engländern arrangiert, es ging ihnen Blendend und sie sahen auch keine Notwendigkeit darin an diesem Status irgendetwas zu ändern. Allerdings bestand der County Cork nicht nur aus Cork. Donal Cam O’Sullivan, Count von Berehaven im irischen Südwesten, hatte sich der Allianz des Earls von Tyrone angeschlossen und weilte, als die Spanier Kinsale belagerten im Norden um sich mit den anderen Fürsten abzustimmen, wie das weitere Vorgehen sein soll. Während seiner Abwesenheit überfielen englische Truppen die Insel Dursey, wo Donal 300 Frauen, Kinder und Alte in Sicherheit hatte bringen lassen. Die Verteidiger der Insel wurden gehängt und die Engländer richteten ein Massaker unter der Zivilbevölkerung an. Es heißt, dass den Frauen ihre Kinder auf den Rücken gebunden wurden und diese dann die Klippen runtergeworfen.

Am 31. Dezember des Jahres 1602 kehrte Donal zurück und scharte die restlichen Überlebenden um sich. Mit 1000 Personen machte er sich auf den 500 Kilometer langen Marsch und in den vier Tagen, in denen dieser Marsch dauerte starben viele an Hunger und Erschöpfung, oder wurden in Kämpfen zwischen O’Sullivan’s Männern und den Engländern getötet. Am 4. Januar 1603 soll Donal mit 35, von anfänglich 1000 den Hof Tyrones erreicht haben. Auf dieses historische Ereignis bezieht sie O’Sullivan’s March. Donal Cam O’Sullivan ging nach Spanien in’s Exil wo er 1618 ermordet wurde, wie es heißt von einem Killer im Dienste der englischen Krone. In einem Buch habe ich gelesen, dass der Mörder ein englischen Geheimagent war, der in Madrid am Hofe des spanischen Königs Spionage betreiben sollte, dann aber den Auftrag erhielt O’Sullivan zu beseitigen. Hugh O’Neill, der Earl of Tyrone, starb 1616 im römischen Exil, nachdem es ihm gelang aus London zu flüchten, da man ihm durch Verrat (es scheint ein Krankheit der Iren und Schotten zu sein, diese Uneinigkeit) eine Falle gestellt hatte. Er ging erst nach Spanien, zusammen mit O’Sullivan, aber, da es ihm in Spanien zu unsicher war, nach Italien.

Maus gegen Mensch

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Ich hatte ja schon darüber geschrieben dass der irische Hausbau, salopp ausgedrückt, sehr kreativ ist und man sich, wenn man sich einige Häuser anschaut, nur verwundert die Augen reiben kann. Wenn man also nach Irland kommt, beziehungsweise hier arbeiten möchte, so muß man doch einige Abstriche machen, was die Standards betrifft. Entweder man hat nach kurzer Zeit Schimmel an den Wänden, da eine Isolierung so gut wie faktisch nicht vorhanden ist und Nässe -Regen ist hier ein Dauerthema– einen prima Nährboden findet und sich so manches Haus zur Zucht einer Pilzkultur eignet. Oder die Wasserhähne sind, wie in England auch, strikt nach Kalt- und Warmwasser getrennt. Steht in der Anzeige Europäischer Standard, dann kann man sicher sein, dass es Mischbatterien gibt. Falls Sie sich also überlegen in Irland zu arbeiten, dann sollten Sie folgende Dinge beachten. Die Mieten sind, für den europäischen Durchschnitt, thumb_IMG_0001_1024exorbitant und man sollte nicht erwarten, wenn man 1000€ für ein Einzimmer Apartment bezahlt, dass dieses auch einen Luxus wie in Deutschland besitzt. Die Krise in Irland ließ die Haus- und Wohnungspreise in den Keller stürzen und viele Familien sitzen auf hohen Krediten, oder wurden, wenn sie diese nicht bedienen konnten, von den Banken auf die Straße gesetzt. Ganze Estates, die im Zuge des Baubooms an Plätzen aus den Boden gestampft wurden, an dem sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, standen plötzlich leer und man konnte, besonders in Städten wie Dublin oder Cork, günstig Wohnraum mieten. Seit ein paar Jahren steigen die Mieten wieder steil nach Oben, dafür wurde aber nichts, seitens der Landlords, investiert. Ein Pubbesitzer, den ich vor Jahren mal kennengelernt habe, erzählte mir im Gespräch, dass die Iren, statt in Aktien, oder andere Geldanlagen, ihre Ersparnisse gerne in Ländereien und Häuser stecken, allerdings würden sie dafür nichts in die Immobilien investieren. So kommt es, da man bei uns möbliert mietet, das man Inventar findet dass durchaus noch aus den Zeiten des Unabhängigkeitskrieg stammen kann, weil der Landlord das günstig erworben und für gut befunden hat. Um der Steuer zu entgehen verlangen viele die Miete auch in Bar, entweder machen sie sich die Mühe und fahren die Objekte ab, oder man pilgert im Wochen- oder Monatsrythmus zu ihnen hin. Es soll auch Leute geben, die treffen sich an einer verschwiegenen Stelle im Park, Kennzeichen offene Hose und Goldkettchen am Arm, und stecken ihrem Landlord einen Umschlag zu, bevor jeder eigene Wege geht.

Unser Landlord ließ sich am Anfang auch Bar bezahlen. Ich wohnte, als ich rüberkam, alleine in einem ehemaligen B&B bei ihm. Das Zimmer war sehr klein, völlig verschimmelt, „ach was, Schimmel, mit ein bißchen Farbe ist das schnell behoben,“ und kostete 400€ im Monat, was für irische Verhältnisse billig ist. Als meine Frau nach Irland kam, da bot er uns eines seiner Häuser an. Der Haken war, daß wir uns am Anfang das Haus mit 4 Anderen teilen mussten. „Vier? Das geht doch noch, in Spitzenzeiten wohnten hier 8-12 Personen (das Haus hat 3 Schlafzimmer, davon nutzen wir eines als Büro da es wirklich sehr winzig ist). Mann, das waren noch Zeiten!“ Klagen kamen von ihm auf Grund der hohen Gaskosten, „habe nie verstanden warum die monatlich über 2000€ lagen,“ da die Mieter natürlich 24 Stunden lang die Heizung laufen ließen und das 365 Tage im Jahr und, weil es so toll ist, den Stromverbrauch einer mittleren Kleinstadt hatten. Auf jeden Fall pilgerte ich alle zwei Wochen nach der Arbeit zu ihm und zahlte die Miete. Dann, keine Ahnung warum, wollte er das Geld monatlich haben. Wir wohnten zu dem Zeitpunkt alleine im Haus, da auch der letzte Mitbewohner ausgezogen war, was unseren Landlord fast die Tränen in die Augen trieb. „Verstehe ich nicht, das war doch so ein lieber Kerl….gut, er hat manchmal wochenlang die Miete nicht bezahlt und ich habe dann Geld bar einbezahlt, damit meine Frau das nicht merkt.“ Dann sagte er, „ich bin froh dass der weg ist, stellt Euch vor, der hat doch zwei Monate lang keine Miete bezahlt und ich mußte ihn sogar auf der Arbeit aufsuchen.“ Irgendwann ging die Waschmaschine den Weg alles irdischen und stellte die Arbeit ein, „wie kaputt, die ist doch fast neu? Wie kann denn die kaputt gehen?“ Und er brachte uns eine „neue“ gebrauchte Waschmaschine, „nie benutzt, habe ich ich bei einer Entrümpelung bekommen.“ Meine Frau ließ die Maschine zwei Wochen trocken laufen, damit wir den Gestank aus der Trommel bekamen. Der Herd, den er uns am Anfang gab, da der Gasherd nach 100 Jahren Dienstzeit nicht mehr so taufrisch war, hatte seine besten Zeiten in den Siebzigern erlebt, als Elektroherde Einzug in irische Küchen hielten. Irgendwann entwickelte der Herd ein Eigenleben und schaltete sich ohne Zutun einfach von selbst ein. „Könnt Ihr denn nicht einfach die Sicherung rausdrehen, wenn Ihr nicht da seid? So Urlaub oder So? Dann brauche ich den auch nicht zu ersetzen (fummelt an den Knöpfen), der geht doch noch!“ Irgendwann, keine Ahnung warum, gab er mir die Bankverbindung und ich konnte die Miete überweisen, lag es an meiner Klage, schließlich musste ich durch die ganze Stadt laufen um die Miete zu bringen, oder lag es am Taxoffice, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall beklagte er sich dass wir immer die Miete am Monatsende zahlen und nie am Monatsanfang, was eigentlich an ihm lag, da das Chaos irgendwann perfekt war und ich keine Ahnung mehr hatte wann ich die Miete überweise. „Bar…nein alle zwei Wochen…nein Bar, monatlich, nein überweisen…. nein, nein nicht monatlich, alle zwei Wochen…nein doch monatlich…nein, nicht 800…850,…ja habe ich doch gesagt…sag mal kann das sein, dass Du mir eine Monatsmiete schuldest…was Ende des Monats, glaubst ich bin blöd? kein Landlord bekommt die Miete Ende des Monats.“ Überflüssig zu erwähnen, dass die Einrichtung nicht gerade State of the Art ist. Die Einbauschränke hatten ihren Höhepunkt in den Dreißiger Jahren, oder mehr so Bauhaus Stil.

Denken Sie also daran und wenn sie auf Daft nach Wohnungen suchen, dann sollten Sie sich auf viele Besichtigungstermine einrichten und am Anfang, wie wohl 95% der Neuankömmlinge, in einem B&B oder einem Hostel einrichten.

Die Sache mit der Maus

Mäuse sind in Irland nichts ungewöhnliches, besonders nicht als Mitbewohner. Viele mit denen ich gesprochen habe, berichteten mir davon, wie die Mäuse sich als wahre Innenarchitekten entpuppen würden, sollten sie erst mal im Haus, oder Apartment, heimisch geworden sein. Unser Nachbar behauptete, da unser Garten sehr wild aussieht, dass damit den Ratten Tür und Tor geöffnet sei und entweder er, oder sonst jemand aus der Siedlung stellte uns eine Gummiratte vor die Tür. Ich nannte ihn einen grenzdebilen Vollidioten und sagte dass allein seinetwegen keine Ratte jemals den Patrick’s Hill hochkommen würde. Und hatte vier Tage lang keinen Kontakt zu ihm.

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Masha and the Bear

Eines schönen Samstags saß ich am Küchentisch und las Online Zeitungen als ich plötzlich eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Ich schaute auf und blickte in das verdutzte Gesicht einer ordinären Wiesenmaus. Sie erschrak und beide fingen wir Gleichzeitig an zu Schreien. Der Stuhl fiel fast um und ich, als auch die Maus, wichen zurück. Die Maus verschwand und mit blassem Gesicht, Schweiß auf der Stirn und bebender Stimme berichtete ich meiner Frau von diesem, bin jetzt noch ganz nass, furchtbaren Erlebnis. „Eine Maus?“ Fragte sie verwundert, „wo soll denn eine Maus herkommen? Was weiß denn ich,“ sagte ich und schilderte noch einmal minutiös den Ablauf, wobei die Maus mit jedem Buchstaben beträchtlich an Größe gewann. Am Ende war die Maus zwei Meter groß und wog mindestens 500 Kg. Meine Frau schüttelte nur mitleidig den Kopf und meinte ich hätte mich wohl vertan.

Ein paar Tage später war sie es, die hysterisch schrie und mit einem Satz auf die Anrichte in der Küche sprang. „DIE MAUS!!!!!!! Habe ich Dir doch gesagt, Du hast mir ja nicht geglaubt.“ Für uns stand fest, einer muß gehen und das sind mit Sicherheit nicht wir. Also haben wir das Haus gecheckt und ein Loch in der Hauswand gefunden wo die Maus prima Zugang zum Haus hat, soweit ich mich entsinnen kann, lag vor dem Loch eine kleine Fussmatte und man konnte mit der Lupe lesen, „Céad mile fáilte.“ Das brachte uns endgültig aus der Fassung.  Online besorgten wir uns Informationen zu Mäusen und Mausefallen, allerdings, da wir Tieren nicht zu Leide tun können, suchten wir nach einer Mausefalle, die uns die Möglichkeit gab, die Maus wieder in der Natur aussetzen zu können, also machten wir uns auf in einen DIY, denn die sollten ja Mausefallen haben.

Im DIY angekommen machten wir uns auf die Suche nach den Mausefallen, Da wir beide Novizen auf dem Gebiet der Jagd auf Wildtiere waren, schnappten wir uns einen Verkäufer der sich in der Nähe des Regals aufhielt. Mickey, so konnten wir auf einem Namensschild lesen, war ein kleiner dicklicher Mann jüngeren Alters, mit traurigen Augen und einer schlaffen Körperhaltung. „Wir haben eine Maus im Haus und wollen die loswerden,“ sagte meine Frau mit entschlossener und fester Stimme. Mickey, gerade noch die Lethargie in Person, blühte auf und wuchs förmlich vor dem Regal in die Höhe. „Hehe, wer hat das nicht,“ lächelte er und fragte uns unvermittelt, „ist die Maus suizidal? Woher sollen wir das wissen,“ antwortete ich an Stelle meiner Frau, „wir haben keine lange Konversation mit der Maus führen können um das zu beurteilen. Schade,“ meinte er und holte eine Mausefalle aus dem Regal auf der praktisch ein Diorama angeordnet war. Man sah eine kleine Couch, daneben einen Beistelltisch, an der Wand ein kleines Gemälde und in einem Sessel saß eine Maus im Anzug mit Block in der Hand. ‚Das ist unsere Siegmund Freud Ausgabe. Beachten Sie bitte die kleine Flasche auf dem Tisch mit der Spritze daneben.“ Jetzt wo er es sagte fiel es uns auch auf. Man musste schon sehr genau hinsehen und konnte einen kleinen Totenkopf in Form einer Maus erkennen. „Was ist das?“ Fragte meine Frau. „Das, gute Frau, ist der neuste Schrei aus den USA. Ein kleines Behandlungszimmer und entweder Sie, oder Ihr Mann –damit zeigte er auf mich- haben die Möglichkeit die kleine Spritze zu füllen. Natürlich kann das auch die Maus selbst machen, schauen Sie hier. Vom Band läuft dann Smetana. Tierforscher haben festgestellt, dass Mäuse besonders auf Smetanas Moldau reagieren. Da werden sie ganz ruhig. Die Maus kann sich also auf das Sofa legen, die Spritze füllen und schläft sanft zu den Klängen der Moldau ein.“

„Wenn die Maus Selbstmord begehen will, dann soll sie das gefälligst draußen machen,“ sagte meine Frau bestimmt. „Schade,“ meinte Mickey. „Was haben Sie denn sonst noch fragte ich.“ Mickey kramte im Regal….„mal sehen, nein, die ist für Ratten,“ murmelte er. „Hier,“ sagte er und kicherte dabei so unnatürlich dass mir die Gänsehaut über den Rücken rann. „Das Modell Heinrich der VIII, Ausgabe Anne Boleyn,“ man sah einen kleinen Hackklotz und daneben stand eine kleine Miezekatze mit Henkerbeil und einer Kapuze, „gibt’s auch als Französische Inquisition Ludwig XVI,“ gluckste er. Neben einem kleinen Fallbeil standen zwei Miezekatzen, eine davon hatte ein Seil in der Pfote. Interessiert fragte ich, „wie funktionieren die?“ Er strahlte und das war mir ein bisschen unheimlich, „oh, das ist ganz einfach, schauen Sie. Bei Heinrich VIII legt die Maus hier ihren Kopf drauf,“ er zeigte auf den Klotz, „und ZACK, schlägt die Katze der Maus den Kopf ab….wunderbar, völlig human.“ Meine Frau und ich gingen auf Distanz. Er stand da drückte auf den Klotz und die Katze ließ das Beil auf den Klotz knallen. „Bei der Ludwig XVI ist es noch besser. Die Maus legt ihren Kopf hier drauf -er zeigte auf die Vorrichtung mit der die Delinquenten fixiert wurden- und die kleine Miezekatze hier löst den Mechanismus aus,“ damit sauste das kleine Fallbeil runter. „Völlig schmerzfrei. Wir beide wollen die Maus aber lebend fangen und sie wieder im Garten aussetzen,“ sagten wir und es dauerte bis Mickey uns hörte. Liebevoll strich er über die Kleine Falle, dann entspannte sich sein Gesicht, schaute uns an und „nein, damit kann ich nicht dienen. Ich habe noch die San Quentin, schauen Sie, eine kleine Gaskammer, spielt auch Johnny Cash…..wo gehen Sie denn hin? Warten Sie!“ Wir flohen und ließen Mickey inmitten seiner Nagetierfallen zurück.

Daheim angekommen sahen wir, dass die Maus sich mittlerweile häuslich eingerichtet hatte, „Sabine!“ Riefen wir Beide im Chor. Sabine muss man wissen, hat eine Katze und da die streunenden Katzen sich auch für eine Schale Sheba nicht locken ließen, riefen wir sie an und schilderten unser Anliegen. „Es soll der Schaden der Katze nicht sein,“ sagte ich, „wir zahlen auch,“ meine Frau aus dem Hintergrund. „Ich setze auch einen Vertrag auf,“ beendete ich den Satz. Sabine meinte nur, „warum glaubt Ihr habe ich mir selber eine Falle kaufen müssen? Er und die Maus waren die dicksten Kumpels!“ Sie gab uns noch einen Tip, wünschte uns viel Glück und legte auf. Wieder schauten wir im KippfalleInternet nach und wurden bei einem Onlineversand aus Dublin fündig. Neben dem neusten Schrei aus UK, „die Engländer sind total verrückt auf diese Fallen,“ fanden wir was wir suchten. „Großwildkäfige, jetzt en miniature,“ stand da zu lesen und ein paar Tage später waren die Fallen da. Eine Bekannte gab uns den Tip Nutella zu nehmen, „da stehen die Viecher unheimlich drauf, Senan und ich fangen die damit regelmäßig.“ Nun wollten wir die Maus ja lebend fangen und hatten nicht vor, dass sie an einem Zuckerschock stirbt, oder Diabetes bekommt. „Guinness!“ Sagte ich. „Bist Du verrückt? Weißt Du eigentlich was die Dose kostet? Sagte meine Frau. Am Ende einigten wir uns auf Nutella und zur Vorsicht, beherzigten wir noch den zweiten Tip den uns unsere Bekannten gaben und verwendeten Erdnussbutter, natürlich Ökologisch.

Ein paar Tage später, ich saß gerade auf der Arbeit, da klingelte mein Telefon. „JAAAA!!!“ Rief meine Frau, „die Maus ist weg!!! Als ich in der Pause nach unten kam, da raschelte es in der Falle und ich also mit der Falle in den Garten…aufgemacht….und ZACK! weg war sie. Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt erlitten…rechnet man ja nicht mit.“ Wir freuten uns beide sehr, reinigten die Fallen und stellten sie in den Schrank. Meine Frau stopfte das Loch mit Alufolie denn, so hatte sie gelesen, soll Alufolie verhindern, dass die Mäuse in’s Haus kommen. Nun können die Mäuse anscheinend nicht lesen, oder sind Opfer der Evolution, auf jeden Fall trug die zweite Maus, oder war es die Gleiche, einen Aluhelm als sie an uns vorbeirannte. Wieder die Fallen bestückt, die Maus raus und Ruhe. Irgendwann, meine Frau war schon im Bett, hörte ich im Wohnzimmer ein kratzendes Geräusch aus dem oberen Stockwerk. Mein Frau kam runter und sagte, sie könne nicht schlafen, die Maus sei so laut. Wahrscheinlich war es die Maus, die kurz vorher in’s Wohnzimmer reinlugte und „Hallo“ sagte, bevor sie wieder verschwand. Wir also nach oben und fanden auf dem Teppich vor dem Einbauschrank Spuren von Bautätigkeiten, eine kleine Schaufel, ein kleiner Eimer, einen Betonmischer, Holzbretter und Schrauben, sowie eine Absperrung. Dahinter dann ein Eingang der hell Erleuchtet war und aus den Resten der Alufolie hatte sie ein Schild, sowie eine Discokugel gebaut und aus klitzekleinen Boxen lief Gloria Gaynor. „Ok,“ sagten wir, „das war’s.“ Ich holte Hammer, Nägel und ein Brett und nagelte den Eingang zu. Meine Frau stopfte mit Alufolie einen Spalt aus und stellte dann die Fallen auf.

Wir fingen die Maus noch insgesamt vier oder fünf mal. Kurz flammte sowas wie Protest in der Mäusecommunity auf und ein Mob aus ein paar Mäusen, bewaffnet mit Baseballschlägern, Protestplakaten und Puppen von uns, die sie unter Johlen und Pfeifen, vermischt aus ein paar Rufen, in unserem Garten in Brand steckten, bedrohten uns kurzzeitig. Allerdings riefen wir nicht die Garda, wäre denen auch ein bißchen seltsam vorgekommen. Der Nachbar wiederum stand in Jogginghose mit Telefon bewaffnet in seinem Garten und rief, „das habe ich doch gesagt, dass diese linksgrünversifften Alternativen uns die Ratten in die Siedlung holen.“ Der gezielte Wurf eines klitzekleinen Molotov Cocktails aus der Pfote einer der Mäuse setzte ihn außer Gefecht.

Seitdem ist es ruhig. Ich nehme aber an, dass die Mäuse wieder einen Plan aushecken wie sie in unser Haus kommen. Es gab Warnzeichen, so zum Beispiel wurde ein Löwenzahn, der sich einer der Nähe eines Loches befindet, mutwillig nach unten gezogen und dann losgelassen, so dass er wie ein Katapult nach oben schnellte…….Mal schauen ob Mickey noch bei dem DIY arbeitet.

Eight Amendment und deutsche Besserwisser

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Abtreibungsgegner in Dublin

Am 25. Mai entscheiden die irischen Bürger über den Artikel 40 der irischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass sich die irische Regierung dazu verpflichtet das Leben aller Iren, selbst der Ungeborenen, zu schützen und wurde, am 7. Oktober 1983 per Gesetzesänderung, so in die Verfassung geschrieben (siehe Achtes Gesetz zur Änderung der Verfassung). Soweit so Gut, oder auch nicht, denn wenn ich die Berichte und Kommentare in deutschen Zeitungen verfolge, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren das Länderkritik das Hobby vieler Deutscher ist.

Selbst wenn sie absolut keine Ahnung haben wie es in fremden Ländern aussieht, eine Meinung haben sie trotzdem und müssen diese, egal wie bescheuert die auch sein mag, kund tun. Seit dem Anfang der Kampagne schaue ich hin- und wieder was deutsche Zeitungen so schreiben, beziehungsweise wie die Kommentare dazu sind und kann oft genug nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich hatte der österreichische Journalist, Schauspieler und Schriftsteller Franz Schönthan von Pernwaldt diese Leute im Sinn als er schrieb: „Niemand weiß soviel Schlechtes von uns wie wir selbst. Und trotzdem denkt niemand so gut von uns wie wir selbst.“

Im Falle der irischen Debatte glaubt der Deutsche zu wissen, was wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. In den Augen einiger sind wir „wilde Barbaren,“ „Rednecks“ und nicht würdig in der Mitte der europäischen Gesellschaft einen Platz zu haben. Manche gehen sogar soweit in ihren Kommentaren zu fordern, dass uns die EU aus der Gemeinschaft wirft auf Grund des Verfassungsartikels und gar nicht begreifen, bzw. begreifen wollen, wie der Artikel zu Stande kam und, knapp 35 Jahre später, ein neues Referendum notwendig macht. Außerdem fehlt das komplette Wissen, dass nicht nur in Irland die Rechtslage zur Zeit so ist wie sie ist, sondern auch in Polen das Abtreibungsrecht verschärft wurde, beziehungsweise in Malta Abtreibungen verboten sind.

Volksabstimmungen in Irland

Volksabstimmungen haben in Irland eine lange Tradition. Die Regierung lässt gerne das Volk abstimmen, wenn die Politiker sich nicht unbedingt in die Nesseln setzen wollen, wie zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Man kann damit auch kein Geld verdienen und hinterher, mit dem Hinweis „Ihr wolltet es doch so,'“ jegliche Verantwortung von sich schieben.

Die erste Volksabstimmung zum Abtreibungsgesetz gab es 1983. In Irland, wie wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land, wurde Abtreibung auch in hier leidenschaftlich diskutiert. Abtreibung war hier verboten und hätte es den Fall der Hausfrau Sheila Hodgers aus Dundalk nicht gegeben wäre es wahrscheinlich nie zur Abstimmung gekommen, wer weiß das schon. Mrs. Hodgers, die zu diesem Zeitpunkt unheilbar an Krebs erkrankt war, gebar wenige Tage nach ihrem Tod ein Kind, welches sofort verstarb. Daraufhin wurde eine Debatte geführt, ob es nicht besser gewesen wäre hätte man, wie in anderen Ländern, eine Abtreibung durchgeführt.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Abtreibungsgegner zu dem Zeitpunkt die besseren Argumente hatten und die Befürworter offensichtlich nur unzureichend vorbereitet waren, was dazu führte, dass die Gegner die Volksabstimmung gewannen und, da es auch darum ging das Leben aller Iren zu schützen, dieses in die Verfassung aufgenommen wurde, denn das war eines der Argumente. Auch wenn ich Religion ablehne, aber die katholische Kirche hatte wenig Einfluss auf die Debatte. Deutsche, die Leidenschaftlich die Bedingungen in anderen Ländern diskutieren, wären gut beraten, wenn sie sich informieren und nicht mit Hurragebrüll irgendetwas schreiben, nur weil das ihrer Vorstellung entspricht, wie andere Menschen zu sein haben.

Wie Falschmeldungen sich ausbreiten

In der Debatte über die Volksabstimmung kann man sehr gut beobachten, wie Falschmeldungen sich im Netz verbreiten und einfach Nachrichten übernommen werden statt sie zu prüfen. In einem Artikel für die taz schrieb Ralf Sotscheck über den Tod von Savita Halappanavar, „Die Ärzte weigerten sich: Solange das Herz des Embryos schlage, dürften sie nichts unternehmen. „Das ist ein katholisches Land“.“ In dem Artikel vermischt er Tatsachen mit Vermutungen zu dem Fall, die so gar nicht stattgefunden haben, aber von anderen deutschen Zeitungen ungeprüft übernommen wurden.

Am 28. Oktober2012 starb die 31 jährige Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätskrankenhaus von Galway an Schwangerschaftskomplikationen. Die Ärzte, das gibt Sotscheck korrekt wieder, verweigerten den Schwangerschaftsabbruch mit dem Hinweis auf das irische Gesetz, dann allerdings setzt er noch einen drauf und behauptet, dass die Ärzte gesagt hätten dies sei ein katholisches Land. Keine Ahnung wie er darauf kommt, aber das haben sie nie gesagt. Weder irische Zeitungen, noch die Krankenhausberichte wissen davon und der Bericht des HSE sowie das folgende Gerichtsurteil nahmen nicht Sotschecks Aussage, sondern das was wirklich gesagt wurde zum Anlass, dass der Gesetzgeber gezwungen war das Eight Amendment zu überarbeiten. Statt allerdings das Ganze zu kippen, wurde es verschlimmbessert, so das nun keiner mehr weiß was richtig ist.

Aber es war nicht nur diese Aussage die offensichtlich ungeprüft Einzug in deutsche Medien und damit auch Munition für sämtliche AbtreibungsbefürworterInnen lieferte. So schrieb Sotscheck davon, dass bei Abtreibung 14 Jahre Haft drohen. Wenn also, wie er vorher schrieb, Abtreibung in Irland verboten ist und Abtreibungskliniken nicht existieren, wie kann dann jemand für Abtreibung in Irland 14 Jahre Haft wegen Totschlags erhalten, macht wenig Sinn oder?

Laut dem Faktencheck der Irish Times reisten mehr als 170.000 irische Frauen in das europäische Ausland, um abtreiben zu lassen. Wären diese für 14 Jahre in’s Gefängnis gegangen, dann wären die irischen Gefängnisse überfüllt. Bezeichnend für diese Praxis in’s Ausland zu reisen ist der Fall eines jungen Paares denen der Arzt sagte, dass ihr Kind nur eine Woche überleben würde und riet dazu, dass die Beiden in England eine Abtreibungsklinik besuchen sollten, was sie schweren Herzens auch taten. Es kam wie es kommen musste, Freunde zeigten das Paar an und Beide gingen an die Öffentlichkeit und lösten in Irland eine neue Debatte aus.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe natürlich kein Recht über den Körper einer Frau zu bestimmen und als Mann werde ich wohl kaum in die Verlegenheit kommen ob ich abtreibe oder nicht, außerdem wäre ich für eine Schwangerschaft auch viel zu alt. Als Liberaler stehe ich aber dazu das Frauen das Recht haben sollten über so eine Frage selbst entscheiden zu dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Aber es ärgert mich jedes Mal, wenn ich deutsche Zeitungen, beziehungsweise die Kommentare verfolge und frage mich, was maßen sich diese Leute eigentlich an uns zu beurteilen oder Ratschläge zu geben? Sotscheck liegt mir mit seinen Artikeln eh schon im Magen und ich frage mich manchmal, warum er seit 30 Jahren hier lebt, wenn er die Iren anscheinend nicht leiden kann. Und, bevor jemand fragt, ich und meine Frau unterstützen diese Kampagne voll und ganz.

In Polen debattiert man darüber das Abtreibungsrecht zu verschärfen und in Malta ist Abtreibung komplett verboten, aber bei Irland glaubt man, man müsse den Leute sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Dabei wissen die Iren, wie sie es bei Abstimmung über Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bewiesen haben, am Besten wie sie sich entscheiden müssen, ohne dass irgendwelche deutschen Besserwisser und Rechthaber das erklären müssen.

Wer sich informieren will:

http://www.thejournal.ie/abortion-referendum-1983-what-happened-1225430-Dec2013/

Darum geht’s

https://www.togetherforyes.ie

Das sind die Gegner der „Yes“ Kampagne

https://prolifecampaign.ie/main/

(Bezeichnenderweise sind viele junge Iren und Irinnen gegen die Abschaffung des Eight Amendment, wohingegen viele ältere Iren für die Abschaffung sind)

https://www.irishtimes.com/life-and-style/people/the-women-s-podcast

https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/abortion-facts

http://www.thejournal.ie/factcheck-uk-ireland-abortion-law-4027157-May2018/

https://edition.cnn.com/2018/05/22/health/ireland-abortion-referendum-travel-intl/index.html