Eight Amendment und deutsche Besserwisser

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Abtreibungsgegner in Dublin

Am 25. Mai entscheiden die irischen Bürger über den Artikel 40 der irischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass sich die irische Regierung dazu verpflichtet das Leben aller Iren, selbst der Ungeborenen, zu schützen und wurde, am 7. Oktober 1983 per Gesetzesänderung, so in die Verfassung geschrieben (siehe Achtes Gesetz zur Änderung der Verfassung). Soweit so Gut, oder auch nicht, denn wenn ich die Berichte und Kommentare in deutschen Zeitungen verfolge, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren das Länderkritik das Hobby vieler Deutscher ist.

Selbst wenn sie absolut keine Ahnung haben wie es in fremden Ländern aussieht, eine Meinung haben sie trotzdem und müssen diese, egal wie bescheuert die auch sein mag, kund tun. Seit dem Anfang der Kampagne schaue ich hin- und wieder was deutsche Zeitungen so schreiben, beziehungsweise wie die Kommentare dazu sind und kann oft genug nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich hatte der österreichische Journalist, Schauspieler und Schriftsteller Franz Schönthan von Pernwaldt diese Leute im Sinn als er schrieb: „Niemand weiß soviel Schlechtes von uns wie wir selbst. Und trotzdem denkt niemand so gut von uns wie wir selbst.“

Im Falle der irischen Debatte glaubt der Deutsche zu wissen, was wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. In den Augen einiger sind wir „wilde Barbaren,“ „Rednecks“ und nicht würdig in der Mitte der europäischen Gesellschaft einen Platz zu haben. Manche gehen sogar soweit in ihren Kommentaren zu fordern, dass uns die EU aus der Gemeinschaft wirft auf Grund des Verfassungsartikels und gar nicht begreifen, bzw. begreifen wollen, wie der Artikel zu Stande kam und, knapp 35 Jahre später, ein neues Referendum notwendig macht. Außerdem fehlt das komplette Wissen, dass nicht nur in Irland die Rechtslage zur Zeit so ist wie sie ist, sondern auch in Polen das Abtreibungsrecht verschärft wurde, beziehungsweise in Malta Abtreibungen verboten sind.

Volksabstimmungen in Irland

Volksabstimmungen haben in Irland eine lange Tradition. Die Regierung lässt gerne das Volk abstimmen, wenn die Politiker sich nicht unbedingt in die Nesseln setzen wollen, wie zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Man kann damit auch kein Geld verdienen und hinterher, mit dem Hinweis „Ihr wolltet es doch so,'“ jegliche Verantwortung von sich schieben.

Die erste Volksabstimmung zum Abtreibungsgesetz gab es 1983. In Irland, wie wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land, wurde Abtreibung auch in hier leidenschaftlich diskutiert. Abtreibung war hier verboten und hätte es den Fall der Hausfrau Sheila Hodgers aus Dundalk nicht gegeben wäre es wahrscheinlich nie zur Abstimmung gekommen, wer weiß das schon. Mrs. Hodgers, die zu diesem Zeitpunkt unheilbar an Krebs erkrankt war, gebar wenige Tage nach ihrem Tod ein Kind, welches sofort verstarb. Daraufhin wurde eine Debatte geführt, ob es nicht besser gewesen wäre hätte man, wie in anderen Ländern, eine Abtreibung durchgeführt.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Abtreibungsgegner zu dem Zeitpunkt die besseren Argumente hatten und die Befürworter offensichtlich nur unzureichend vorbereitet waren, was dazu führte, dass die Gegner die Volksabstimmung gewannen und, da es auch darum ging das Leben aller Iren zu schützen, dieses in die Verfassung aufgenommen wurde, denn das war eines der Argumente. Auch wenn ich Religion ablehne, aber die katholische Kirche hatte wenig Einfluss auf die Debatte. Deutsche, die Leidenschaftlich die Bedingungen in anderen Ländern diskutieren, wären gut beraten, wenn sie sich informieren und nicht mit Hurragebrüll irgendetwas schreiben, nur weil das ihrer Vorstellung entspricht, wie andere Menschen zu sein haben.

Wie Falschmeldungen sich ausbreiten

In der Debatte über die Volksabstimmung kann man sehr gut beobachten, wie Falschmeldungen sich im Netz verbreiten und einfach Nachrichten übernommen werden statt sie zu prüfen. In einem Artikel für die taz schrieb Ralf Sotscheck über den Tod von Savita Halappanavar, „Die Ärzte weigerten sich: Solange das Herz des Embryos schlage, dürften sie nichts unternehmen. „Das ist ein katholisches Land“.“ In dem Artikel vermischt er Tatsachen mit Vermutungen zu dem Fall, die so gar nicht stattgefunden haben, aber von anderen deutschen Zeitungen ungeprüft übernommen wurden.

Am 28. Oktober2012 starb die 31 jährige Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätskrankenhaus von Galway an Schwangerschaftskomplikationen. Die Ärzte, das gibt Sotscheck korrekt wieder, verweigerten den Schwangerschaftsabbruch mit dem Hinweis auf das irische Gesetz, dann allerdings setzt er noch einen drauf und behauptet, dass die Ärzte gesagt hätten dies sei ein katholisches Land. Keine Ahnung wie er darauf kommt, aber das haben sie nie gesagt. Weder irische Zeitungen, noch die Krankenhausberichte wissen davon und der Bericht des HSE sowie das folgende Gerichtsurteil nahmen nicht Sotschecks Aussage, sondern das was wirklich gesagt wurde zum Anlass, dass der Gesetzgeber gezwungen war das Eight Amendment zu überarbeiten. Statt allerdings das Ganze zu kippen, wurde es verschlimmbessert, so das nun keiner mehr weiß was richtig ist.

Aber es war nicht nur diese Aussage die offensichtlich ungeprüft Einzug in deutsche Medien und damit auch Munition für sämtliche AbtreibungsbefürworterInnen lieferte. So schrieb Sotscheck davon, dass bei Abtreibung 14 Jahre Haft drohen. Wenn also, wie er vorher schrieb, Abtreibung in Irland verboten ist und Abtreibungskliniken nicht existieren, wie kann dann jemand für Abtreibung in Irland 14 Jahre Haft wegen Totschlags erhalten, macht wenig Sinn oder?

Laut dem Faktencheck der Irish Times reisten mehr als 170.000 irische Frauen in das europäische Ausland, um abtreiben zu lassen. Wären diese für 14 Jahre in’s Gefängnis gegangen, dann wären die irischen Gefängnisse überfüllt. Bezeichnend für diese Praxis in’s Ausland zu reisen ist der Fall eines jungen Paares denen der Arzt sagte, dass ihr Kind nur eine Woche überleben würde und riet dazu, dass die Beiden in England eine Abtreibungsklinik besuchen sollten, was sie schweren Herzens auch taten. Es kam wie es kommen musste, Freunde zeigten das Paar an und Beide gingen an die Öffentlichkeit und lösten in Irland eine neue Debatte aus.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe natürlich kein Recht über den Körper einer Frau zu bestimmen und als Mann werde ich wohl kaum in die Verlegenheit kommen ob ich abtreibe oder nicht, außerdem wäre ich für eine Schwangerschaft auch viel zu alt. Als Liberaler stehe ich aber dazu das Frauen das Recht haben sollten über so eine Frage selbst entscheiden zu dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Aber es ärgert mich jedes Mal, wenn ich deutsche Zeitungen, beziehungsweise die Kommentare verfolge und frage mich, was maßen sich diese Leute eigentlich an uns zu beurteilen oder Ratschläge zu geben? Sotscheck liegt mir mit seinen Artikeln eh schon im Magen und ich frage mich manchmal, warum er seit 30 Jahren hier lebt, wenn er die Iren anscheinend nicht leiden kann. Und, bevor jemand fragt, ich und meine Frau unterstützen diese Kampagne voll und ganz.

In Polen debattiert man darüber das Abtreibungsrecht zu verschärfen und in Malta ist Abtreibung komplett verboten, aber bei Irland glaubt man, man müsse den Leute sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Dabei wissen die Iren, wie sie es bei Abstimmung über Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bewiesen haben, am Besten wie sie sich entscheiden müssen, ohne dass irgendwelche deutschen Besserwisser und Rechthaber das erklären müssen.

Wer sich informieren will:

http://www.thejournal.ie/abortion-referendum-1983-what-happened-1225430-Dec2013/

Darum geht’s

https://www.togetherforyes.ie

Das sind die Gegner der „Yes“ Kampagne

https://prolifecampaign.ie/main/

(Bezeichnenderweise sind viele junge Iren und Irinnen gegen die Abschaffung des Eight Amendment, wohingegen viele ältere Iren für die Abschaffung sind)

https://www.irishtimes.com/life-and-style/people/the-women-s-podcast

https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/abortion-facts

http://www.thejournal.ie/factcheck-uk-ireland-abortion-law-4027157-May2018/

https://edition.cnn.com/2018/05/22/health/ireland-abortion-referendum-travel-intl/index.html

 

Ohne Toast nix los

Irland hat, was Brot betrifft, keine große Reputation in der Welt. Denkt man an Irland, dann denkt man als erstes an Guinness, Whiskey, U2, Lord of the Dance oder an die Dubliners, weniger an Brennans berühmtes Toastbrot, oder an das „leckere“ Sodabrot.
Kein Brotliebhaber käme auf die abstruse Idee, die Firma Brennan in Dublin nach dem Rezept für das „leckere Brot“ zu bitten. Und niemand, der sich mit Brot beschäftigt, entschließt sich dort ein Praktikum zu machen, um das „perfekte Brot“ nachzubacken. Nicht mal Franzosen und Italiener benutzen Brennan um die Tauben zu füttern, nicht aus Tierliebe, sondern weil man es niemanden zumutet. Trotzdem hat Toastbrot in Irland den Status eines Nationalheiligtums. Toast rangiert gleich hinter St. Patrick, Michael Collins, James Joyce und Guinness, und noch vor W.B. Yeats, Oscar Wilde, Eamon de Valera und Brian Boru.

Toast, und ganz besonders die Firma Brennan, hat wahrscheinlich Generationen von Iren gesättigt und hätte es Toast schon 1845 gegeben, die große Hungersnot wäre nie gekommen.

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Geniesst Heiligenstatus

Es heißt, dass die Iren die Wikinger 1014, in der Schlacht von Clontarf, nur besiegen konnten, weil der Urahn des Gründers der Firma Brennan ausreichend Toastbrot zur Verfügung stellte, praktisch die irische Version des gallischen Zaubertranks. Die Bedeutung wurde mir bewusst, als sich die Meldungen häuften, dass es zu Lieferengpässen, bedingt durch die Blizzard-Warnung, kommen soll und in der Tat, Bilder der letzten Tage belegen, dass die Brotregale, bis auf wenige Ausnahmen, leer waren. Am meisten hat von der Versorgungslage, die Firma Brennan profitiert, die, glaubt man der Presseabteilung, die Produktion rund um die Uhr laufen liess, damit jeder Ire ein Paket Toastbrot im Haus hat.

Unsere Regierung hat sogar, um die Katastrophe abzuwenden, die Irish Defence Force in die Fabriken geschickt, damit die Versorgung mit Toastbrot sichergestellt ist, denn Brennans Toast befindet sich wahrscheinlich auch in jedem Tornister der irischen UN-

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Ohne Toast macht das Leben keinen Sinn

Soldaten. Auslieferungsfahrer sollen auf den Zufahrten der Supermärkte überfallen und ausgeplündert worden sein und viele Bilder beweisen, dass die Fahrer, sobald sie das Geschäft betraten, mit ihren Rollies gleich am Eingang bedrängt wurden. Seit 8 Jahren in Irland lebend, gibt es nur wenige Momente, wo ich ein Paket des deliziösen Brennans Brot im Haus hatte und kann, da wir in Deutschland das Brot Paradies auf Erden haben, der ganzen Panik nur Kopfschüttelnd begegnen.

Dabei gibt es durchaus Bäcker, die genau wissen wie man ein Brot backt und die, wenn sie fragt, warum sie nicht so tolle Brotsorten wie Soda- oder Toastbrot backen, einem verächtlich vor die Füße spucken. Aber wenn selbst die Macher des Netzwerkes „Real

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Nur die Stärksten überleben dank Brennans

Bread Ireland“ anonym bleiben, dann kann man sich in etwa vorstellen wie es die Mehrheit der Iren mit Brot hält. Tradition für sie heißt Toast- und Sodabrot, basta! Aber Iren wären keine Iren, wenn sie sich nicht mit der Krise einen kleinen Scherz erlauben könnten und so kursieren Videos im Netz wo Brennans Brot wie bei einem Drogendeal an einer Hausecke verkauft wird, oder jemand eine Packung Brennans Bread in Stücke reist und in den Schnee wirft damit es jemand aufhebt.

Da Emma uns zum Glück nur Heute und Morgen im Griff hat, kann man ab Anfang nächster Woche ein Aufatmen hören, was wahrscheinlich eine weitere Katastrophe zur Folge hat.

 

Blut und Boden

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost. Carl Zuckmayer „Des Teufels General“  Völkermühle Europas

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AfD sauer weil Deniz freigelassen und nicht gefoltert wurde.

Eigentlich ist es schon eine Groteske wenn man eine Debatte darüber anstößt, wer einem Volk angehören darf und wer nicht. Diese Groteske fand in Deutschland ihren Höhepunkt, mit einem Antrag der AfD, zur Freilassung Deniz Yücels aus einem türkischen Gefängnis. Mir geht es nicht darum, ob die Bundesregierung nun auf die Türkei eingewirkt hat oder nicht, oder ob irgendwelche Deals stattgefunden haben.  Ich glaube es war so, wie der im Asyl lebende türkische Journalist Can Dündar in einem Interview mit der Zeit geantwortet hat: „Der Sultan hat Deniz Yücels Verhaftung angeordnet und der Sultan hat beschlossen, dass er freigelassen wird.“

Ich war genauso froh wie die Meisten, dass Deniz frei ist und das zählt erst einmal. Und ich hoffe, dass auch die anderen inhaftierten Journalisten freikommen, deren Verbrechen es ist, dass sie ihren Job ausüben. Mir geht es allerdings um etwas anderes, denn der Antrag der AfD hat gezeigt, auf welchem Weg Europa mittlerweile angekommen ist. Es geht der AfD auch nicht darum, was Yücel, der übrigens damals für seinen Artikel 20.000€ Strafe zahlen musste, nun geschrieben hat und was nicht. Und wenn nicht Deniz Yücel, sondern Fürchtegott Liebrecht Frommhold, der Antrag wäre gar nicht gestellt worden.

Es geht der AfD auch nicht darum, dass die Bundesregierung ihre Missbilligung über einen Artikel Yücels zum Ausdruck bringt, den er vor einigen Jahren schrieb, sie wissen wahrscheinlich selber dass das Absurd ist.

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Cem Özdemir in Hochform zerlegt die AfD

Es geht der AfD vielmehr darum auszuloten, wie weit sie in dieser Gesellschaft gehen können. 2005 sorgte die sächsischen NPD Abgeordneten Apfel und Gansel für einen Eklat, als sie vom „Bombenholocaust“ und von der „vermeintlichen Befreiung“ Deutschlands sprachen. Sowohl die NPD als auch die AfD wissen genau, dass sie mit solchen Eskapaden nicht durchkommen, aber es sorgt für allgemeinen Zuspruch bei den sogenannten „Wutbürgern.“Sie haben die Möglichkeit auszuloten, wie weit sich Meinungsfreiheit und parlamentarische Demokratie dehnen lassen und besitzen die Meinungshoheit bei Leuten, die schon gewußt haben wollen, dass Deutschland von Volksverrätern regiert wird. Man gibt diesen Leuten auch das Instrument in die Hand, sich als Opfer darzustellen, die zu Unrecht in die Schmuddelecke gestellt werden. Dass sie das sind, Schmuddel, steht außer Frage, aber man muß ihnen nicht noch das Büßergewand reichen. Und folgerichtig kam es, wie es kommen mußte die AfD sieht sich als moralischen Sieger dieser Groteske und jauchzt: „MERKE: Wenn Gutmenschen kritisiert werden, ist es Hetze. Wenn eine Aussage gegen Deutsche („Köterrasse“) kritisiert wird, ist es Zensur. Und wenn Herr Yücel ein „deutscher Patriot“ sein soll, muss rasch das Staatsangehörigkeitsrecht überdacht werden. #afd“ So schrieb es der Herr Beckamp, Landtagsabgeordenter der AfD in NRW, auf seinem Twitter Account.

Sowas kommt an bei denen, die der Meinung sind, dass Roberto Blanco seinen deutschen Paß doch eh mit irgendwelchem Bimbes erhalten hat, gut an. Volkszugehörigkeit definiert sich nicht durch Paß oder Geburt, nein ihrer Meinung nach definiert sich Volkszugehörigkeit nach dem Ahnenstamm.

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Westentaschenführer muss eingestehen: Hitler war gar kein Deutscher

Nur wer lückenlos nachweisen kann, dass sein Stammbaum bis zu Otto dem Kühnen zurückreicht, ist es wert in den Kreis des Kollektivs aufgenommen zu werden. Oder, für Österreicher, ein direkter Nachfahr Ludwig III ist, dem Urvater der Babenberger und Gründer Österreichs.

Leider hat das in Europa unter all diesen Populisten schon seit längerem Methode und beschränkt sich nicht auf Deutschland oder Österreich. Hier in Irland findet man sehr häufig Kommentare, die Neubürgern das Recht absprechen Iren zu sein, oder sich als solche zu bezeichnen. Allen Ernstes fordern sie, dass nur Ire sein darf, wer praktisch noch vor Ankunft der Wikinger im Land lebte. Eine in der Tat groteske Situation denn Irland war in der Vergangenheit immer der Vorgarten fremder Mächte. Die Kelten waren die Ersten die vom Festland aus die Insel besiedelten. Ihnen folgten die Mönche, meist Angelsachsen, dann kamen die Wikinger bis die Normannen Fuß fassten und Irland für die englische Krone in Besitz nahmen.

In Cork haben wir einen Juwelier mit Namen Hilser und ich nehme nicht an, dass die Hilser Brothers mit den Hilsers in Furtwangen verwandt oder verschwägert sind. Eher nehme ich an, dass die Vorfahren in Schweizer Diensten standen und die Schweizer wiederum in englischen. Wahrscheinlich war der Herr Hilser in Irland stationiert und hat sich, nach Ende der Dienstzeit, hier niedergelassen, geheiratet und Kinder bekommen. Der erste Staatspräsident des Freistaates Irland, Éamon de Valera, geht auf Spanier zurück. Wahrscheinlich haben sich auch Türken hier niedergelassen, als der türkische Sultan während des Famines Schiffe nach Irland sandte, wer weiß.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, genannt der Viktator, beschwört in jeder seiner Reden das Großmagyarische Reich.

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Der Viktator liebt Kinder und verschweigt seine Westsibirische Abstammung…Komplott der Liberalen?

Das kommt an, lenkt von Problemen wunderbar ab, denn „Wir“ gegen „Die“ begreift auch der größte Holzkopf. Ungarn sind nicht mehr die, die im europäischen Ausland leben und arbeiten, denn die könnten ihm ja in die Suppe spucken. Oh nein, Ungarn sind die, die im Kernland und im historischen Ungarn leben, also auch die ungarische Minderheit in Rumänien. Das ist eine griffige Formel und alle die im Ausland arbeiten haben ihr Recht verwirkt Angehörige der Magyaren zu sein, praktisch Verräter.

Das Problem ist, dass Volk, leider auch von Liberalen, auf einen völkischen Nenner runtergebrochen wurde. Man definiert sich durch Abstammung, nicht durch Geburt. Der Satz, „eine Katze die in einem Fischladen geboren wurde, ist noch lange kein Fisch,“  sagt alles worum es diesen Leuten eigentlich geht. Und das kommt an. Man kann sich so auch als unschuldiges Opfer der bösen „Gutmenschen“ sehen und Orbán spielt diese Klaviatur des Opfers noch eine Oktave höher, in dem er den „Verfolgten des westlichen Liberalismus“ Asyl anbietet. Quasi eine Wagenburg der europäischen Identität.

So sehr ich Cem Özdemirs Wutausbruch im Bundestag auch nachvollziehen kann und ihn im ersten Moment, als ich ihn gesehen habe, Beifall zollte, so sehe ich jetzt in seiner Rede einen Steilpaß für diese Populisten.

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Gottfried Curio AfD: Baut der Physiker vielleicht eine Atombombe im Keller?

Die Frage allerdings wird sein, wie geht am Besten mit diesen Leuten um? Im englischen und irischen Fernsehen läuft häufiger die Werbung von Ancestor DNA, Vielleicht sollte man diese Leute, und ihre Sympathisanten, zwingen sich einem DNA Test zu unterziehen. Eventuell erledigt sich dieses völkische Kasperltheater von selbst, wenn ein Herr Gauland plötzlich die Feststellung macht, dass einer seiner Vorfahre ein durchreisender Mongole aus der Steppe ist, oder Herr Gottfried Curio stellt überrascht fest einen Ahnherren aus den Weinbergen Sardiniens zu besitzen.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob damit die Debatte und groteske Aträge der Vergangenheit angehören würden. So wie ich diese rechten Wuthamster einschätze würden sie dann die nächste Sau durch‘s Dorf treiben.

Traveller

„Ich war noch ein Kind da kamen Zigeuner Zigeuner in unsere Stadt
Tam ta ta tam tam ta tam tam ta tam
kamen in unsere Stadt
die Wagen so bunt die Pferdchen so zottig sie zogen die Wagen so schwer
Tam ta ta tam tam ta tam tam ta tam
und ich lief hinterher immer nur hinterher
Dann kam der Abend es wurde ein Feuer entfacht
La la la
und die Zigeuner sie haben getanzt und gelacht
La la la “                                                                                                                                         Alexandra Zigeunerjunge 

1967 sang Alexandra über die Zigeuner und ihre bunten Wagen, wie sie in die Stadt kommen, ein Lager aufschlagen und singen und tanzen.

Zigeuner, korrekterweise Sinti und Roma, betrachtete man immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Abscheu. Ganze Generationen von Liedermachern schufen Lieder über die Zigeuner, die frei wie die Vögel durch die Lande reisten, von einer Stadt zur anderen und dort ihre Dienste anboten als Wahrsager, Scherenschleifer und Kesselflicker. Im 19. Jahrhundert, ausgehend von der Romantik, hielten die Zigeuner Einzug in das deutsche Liedgut und Dutzende Burschenschafter und Umherreisende sangen das fröhliche Lied vom „lustigen Zigeunerleben,“ das alles andere als Lustig war. Besonders während der NS Zeit war Schluss mit Lustig und in deutschen Besserungsanstalten wurde insgesamt 500.000 Sinti und Roma gezeigt, was die Herrenrasse von ihnen gehalten hat. Als „unwertes Leben“ standen sie außerhalb der Gesellschaft und stehen da noch Heute. Sobald es heißt „die Zigeuner kommen!“ werden in vielen Teilen Besen vor die Haustür gestellt, weil das die Umherreisenden abhalten soll, quasi der Böse Blick für Touristen.

Zigeuner, oder Gypsies, wie sie hier genannt werden, leben verstreut um den ganzen Erdball und viele von ihnen sind Heute seßhaft, gehen einer geregelten Arbeit nach und verreisen nur noch wenn sie Urlaub haben. Allerdings gibt es immer noch viele, die in Wohnwagen umherreisen, ihre Clanstrukturen pflegen und oft genug die Frage aufwerfen, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren. Die Zigeuner bei uns werden Traveller, Tinker (umherziehende Kesselmacher) oder auch Pavee’s genannt, oder auf irisch Lucht Siúil. 2016 lebten, laut Census, etwa 30.987 von ihnen in der Republik Irland und obwohl sie keine signifikant höhere Kriminalitätsrate aufweisen, werden sie von der Bevölkerung abgelehnt.

Ein Vorurteil gegenüber den Traveller ist, dass wenn sie als Gast in einem Pub sind, dieser Pub nach kurzer Zeit fest in der Hand der Traveller ist und andere Gäste abgehalten werden. Ob das so stimmt, ich weiß es nicht. Auch sind die Traveller Communities dafür verantwortlich, dass die Grundstückspreise in den Keller sinken in Gegenden in denen sie leben. Die Liste der Vorurteile ist lang und Traveller sind nicht nur in Irland bekannt, nein auch in Deutschland macht man jährlich Bekanntschaft mit ihnen und sie bedienen das klassische Klischee das man von Engländern und Iren im allgemeinen hat.

Warum ist das so? Ein Grund könnte in der Lebensweise liegen. Der Lebensunterhalt der meisten Traveller Communities besteht in der Pferde- und Hundezucht. Regelmäßig wird ein Großteil der Pferde von den Behörden beschlagnahmt da es die Traveller mit den allgemeinen Vorschriften nicht so genau nehmen und ihre Pferde überall weiden lassen, auch auf öffentlichem Grund. Auf den regelmäßig stattfindenden Märkten werden die Pferde meist an Pferderennställe verkauft, die sie entweder für Pferde- oder Trabrennen verwenden. Trainiert werden sie auf öffentlichen Straßen, denn die Traveller scheren sich einen Dreck um irgendwelche Auflagen und werden regelmäßig von der Garda verfolgt. Hunde werden entweder als Rennhunde verwendet, oder sie werden an Ausrichter für illegale Hundekämpfe verkauft. Das sind so zwei Gründe, warum man sie mit Argwohn betrachtet. Tierquälerei ist an der Tagesordnung und ein Dorn im Auge der Tierschutzorganisationen

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Leider eine typische Szene

Hinzu kommt ihre unflexibilität und das Ausnutzen ihres Status als ethnische Minderheit. Als der Konzern Apple seinerzeit die Gebäude in Knocknaheeny erweiterte mußte man sich mit den dort, seit den Achtziger Jahren, lebenden Traveller arrangieren. 1982 hatte Apple, im Zuge der Erweiterung, den Traveller Häuser gebaut so dass sie praktisch ihr Dorf direkt vor dem Eingang hatten. Öfters kam es zu Zusammenstößen zwischen Mitarbeitern und Anwohnern und ich kann mich an die Geschichte erinnern, als ein Supportmitarbeiter des französischen Teams in’s Koma geschlagen wurde, weil er den Kindern sagte sie sollen aufhören einen Hund zu quälen. Bei der zweiten Erweiterung wurden die Traveller auf die andere Straßenseite umgesiedelt und Apple ließ sich die Häuser jede Menge Geld kosten, da sie nach den neuesten Standards errichtet wurden. Allerdings gefiel das nicht allen Travellern und kurz nach Eröffnung mehrten sich die Klagen, dass sie nun nicht mehr ihre Pferde dort unterbringen konnten und die Folge daraus einen seelischen Schaden für manche bedeutete. Kinder konnten plötzlich nicht mehr einschlafen da die Pferde früher im Erdgeschoss ihr Nachlager fanden.

Ich muss gestehen, dass ich während meiner Zeit bei Apple nie Probleme mit ihnen hatte, im Gegenteil. Man wollte mir öfters Hunde oder Pferde verkaufen. Zu den Kindern hatte ich ein entspanntes Verhältnis und mit den Erwachsenen habe ich öfters ein paar Worte gewechselt. Aber ich kann verstehen, dass man ihnen gegenüber eher mißtrauisch und reserviert ist, denn sie tragen nicht gerade zu einem entspannten Klima bei. Immer wieder gibt es Klagen und selbst die Anerkennung der Traveller als ethnische Minderheit wird nichts daran ändern. Der Journalist Ralf Sotschek, der seit über 20 Jahren in Irland lebt und offensichtlich, wenn man seine Bücher liest, sich ein Irland ohne die Iren wünscht, hat nicht begriffen, dass es viel mehr zwischen Iren und Iren gibt. So schreibt er unter anderem in einem Artikel für die TAZ: „Wo immer ein Halteplatz geplant ist, hagelt es Einspruch der Anwohner, um den Bau zu verhindern oder zumindest so lange wie möglich zu verzögern. Die Gründe, die angeführt werden, sind angeblich antisoziales Verhalten, wilde Müllkippen, nächtliche Partys, Lagerfeuer und steigende Verbrechensraten.“ Die Frage, die man Herrn Sotschek stellen sollte ist, ob er selber schon einmal in der Nachbarschaft einer Travellercommunity gelebt hat, oder regelmäßig irische Zeitungen liest.

Das Problem, so wie ich das sehe und erlebe, ist nicht dass es Traveller gibt. Das Problem ist, das die Traveller keine Anstalten machen sich in die Gesellschaft zu integrieren. Traveller werden nicht, auch wenn er das schreibt, in separaten Klassen unterrichtet, sie verlassen allerdings die Schule 5 Jahre früher als der Durchschnitt.

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Tiermisshandlung ist kein Einzelfall

Sie schotten sich gegenüber der Gesellschaft ab und machen es den Councils zusätzlich schwer weil sie auf ihrer Unabhängigkeit bestehen. Jede Anstrengung wird torpediert und sie sind stolz darauf nicht Teil der Gesellschaft zu sein. Hinzu kommt, dass die Interessenvertretungen offensichtlich nicht genug Einfluss auf die Community haben, sonst wäre die Kindersterblichkeit unter ihnen nicht so exorbitant hoch.

Naturgemäß trägt daran selbstverständlich die Regierung die Schuld und so erklärte der Sprecher der Traveller Association: “Life expectancy is lower in the Travelling Community. There’s a huge amount of them living in poor conditions and severe overcrowding.” Es wäre allerdings für die Communities einfacher die Angebote, die jedem Iren offen stehen, in Anspruch zu nehmen. Es wäre einfacher, wenn sie die alten Clanstrukturen aufbrechen und über den Schatten springen würden, anstatt auf Abschottung zu bestehen. ich habe auch so den Eindruck sie pflegen ihren Bad Guy Status und

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Leider kein Klischee

kultivieren ihn. Und das macht die Sache kompliziert. Natürlich gibt es in dieser Community Menschen die dieses Umfeld verlassen haben, aber solange die Anderen sich weigern auf alte Strukturen zu verzichten wird sich am Status Quo nichts ändern. Natürlich ist es Klasse im Wohnwagen zu leben und von A nach B zu reisen, das Pferd hinten angebunden, aber wir leben auf einer Insel nicht auf dem Kontinent und da sind die Reiseziele naturgemäß begrenzt.