Sunderland ‚Til I Die

League One - Sunderland v Scunthorpe United
Identifikation einer Stadt mit ihrem Verein

Sportdokumentationen und Filme über Sport, oder Sportler gibt es viele. Vieles davon erzählt Geschichten, oder die Geschichte eines Sportlers. Dokus über Fussball, besonders über Mannschaften, fokussieren sich auf die großen Mannschaften, wie Barcelona, Manchester, Madrid, oder Turin. Entweder begleiten sie die Stars, oder zeigen auf warum sie so erfolgreich sind, oder wie sie in der Saison XY Meister, Pokal- und Champions League Sieger wurden und zeigt die Stars, die Massen in die Stadien locken, wer will da die Underdogs sehen, oder ist interessiert daran.

„Sunderland ‚Til I die“ macht genau das und den Machern der Dokumentation ist das Bravourstück gelungen einen Verein zu zeigen, der halt nicht in den Topligen ganz oben spielt, sondern der Underdog ist und man kann Netflix nur applaudieren, dass sie das in ihr Programm genommen haben.

Der AFC Sunderland ist, was man gemeinhin als Fahrstuhlmannschaft bezeichnet, steigen sie auf, dann kämpfen sie auch gleich gegen den Abstieg aber, und das macht den Reiz der Serie aus, das Umfeld des AFC identifiziert sich so stark mit dem Verein, dass man Sympathien für die Stadt und für den Verein entwickelt, am Ende war ich drauf und dran Mitglied zu werden. Sunderland, eine Stadt im Nordosten Englands, galt einst als die Hochburg des Schiffsbau und der Kohle Industrie. Dann begann, wie fast überall im

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Supporter

Königreich der Niedergang. Die Vaux Brauerei, 170 Jahre lang einer der größten Arbeitgeber, schloss 2000 seine Tore. Von daher ist es kein Wunder, dass der Verein, diese Stadt nach außen repräsentiert und identifikationsstiftend ist, das heißt sich die Einwohner zu 100% mit dem Verein identifizieren. Wie sagt der Inhaber des Bestattungsinstitut, „wir bieten besondere Arrangements an und der Kunde kann als letzten Wunsch wählen im Jersey, oder in den Farben des AFC Sunderland begraben zu werden,“ auf die Frage, „kann man dann sagen Sunderland ‚Til I Die?“ Kommt die nachdenkliche Antwort, „ja, das könne man so sagen.“

Abstieg und Neuanfang

Die Serie beginnt mit dem Abstieg Sunderlands aus der Premier League und beginnt in einer Kirche. Anhänger des AFC beten gemeinsam mit dem Pfarrer und der Pfarrer bittet um den Segen Gottes für den Verein. Das mag vielleicht ein bisschen kitschig sein, aber als Zuschauer fängt man direkt Sympathien zu entwickeln. Vorgestellt wird der neue Coach, Simon Grayson, der hoffnungsfroh in die neue Saison blickt und über die Ziele des Vereins spricht, man ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es für ihn ein kurzes Engagement bei Sunderland ist. Martin Bain, der auf Grund seiner Zeit bei Maccabi Tel Aviv eine ausgezeichnete Reputation vorweisen kann, spricht über seine Arbeit, den Verein und was es ausmacht, einen Verein zu führen. Man merkt im Laufe der Serie, dass Chief Executive für ihn nicht bloß ein Job ist, sondern eine Herzensangelegenheit. Zu Wort kommen einige Spieler und Mitarbeiter des Vereins und dann natürlich die Fans, die hinter dem AFC stehen und Woche für Woche in’s Stadion pilgern, oder zu Auswärtspielen fahren, egal ob der Verein 5:0 verloren, oder 1:0 gewonnen hat.

Die Leute also, die bei aller Professionalität, die einen modernen Verein ausmacht, diesen im Grunde genommen tragen. Roy Keane warf den heimischen Manchester Fans, nach einem Champions League Spiel, gegen Dynamo Kiew vor, „dass sie sich, im Gegensatz zu den Hardcore Fans (gemeint waren die Kiew Anhänger) während des Spiels mit Drinks und Garnelensandwiches vollstopfen und gar nicht verstehen würden was auf dem Platz vor sich geht.“ Aber und das ist beim AFC nicht anders als bei anderen Vereinen auch, man zählt auf diese, wie ich sie nenne, Champagnerfans“ die gerne in den Logen sitzen und sich hofieren lassen und denen im Grunde genommen ein Verein nur dann etwas bedeutet, wenn er gewinnt, am besten die Meisterschaft. Gut, ich kann verstehen dass ein Verein sie braucht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese dem Verein das Geld in Kasse spülen, außer wenn sie Sponsoren sind, aber egal, zurück zur Serie.

Das erste Vorbereitungsspiel gegen Celtic Glasgow geht mit 0:5 verloren und diese Niederlage wird von den Fans mit Fatalismus hingenommen. Grayson erklärt dass dieses Spiel gar nichts bedeuten würde denn was zählt, das wäre das Ziel am Ende der Saison. Also geht man in die Vorbereitung und trainiert für das nächste Spiel. Nachdem das erste Spiel gegen Derby County mit 1:1 ausgeht, wobei das 1:0 wie der Gewinn der Meisterschaft gefeiert wurde. Es kommen, da man das Spiel gegen Celtic schon abhakt hat, bei den Fans Zweifel auf, ob die Mannschaft die richtige Einstellung zum Verein hat. Bain erklärt im Gespräch was für ihn den idealen Spieler neben Talent und Einsatzwillen auszeichnet und erzählt die Geschichte, als er einen Spieler nach der Sommerpause mit der Frage begrüßte, ob dieser froh sei wieder beim Verein zu sein und trainieren zu können, worauf dieser ihm antwortete, froh sei er nicht, aber da er nun mal einen

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Hardcorefan. Egal was passiert, mein Verein!

gültigen Vertrag habe, müsse er wieder für den Verein da sein. „Wenn der Spieler sich nicht mit dem Verein identifiziert, dann ist er nichts für mich.“ Ein Phänomen dass man häufiger im Fußball erlebt. Es gibt kaum noch Spieler die ihr ganzes Fußballerleben von der Jugend bis zum Abschied bei einem Verein verbringen. Fußball ist, gerade für die Mehrzahl der Spieler, modernes Söldnertum. Sie zeigen auf ihr Vereinswappen und herzen das nach einem Tor, aber man spürt als Fan, sobald ein Verein kommt und ihnen mehr Geld anbietet, dann sind sie weg. Meist sind die Begründungen man müsse sich entfalten, oder man suche den neuen Horizont. Kein Spieler sagt, „ja ich will mehr Kohle und die Fans, sowie der Verein sind mir Scheißegal.“Unknown-3

Später in der Serie, als klar wird dass es mit einem Aufstieg nichts wird, sagt ein Spieler, dessen Leihvertrag ausgelaufen ist und er wieder zu seinem Stammverein zurückkehrt mit Blick auf den Verein und die Anhänger, „im Grunde genommen ist es doch so, wir spielen ein, zwei, oder lass es auch drei Jahre sein, bei einem Verein, dann sind wir weg, aber diese Leute, was haben die? Die müssen ihr ganzes Leben hier sein.“ Man könnte die Worte als Küchenphilosophie bezeichnen, aber eigentlich hat er Recht.

Der Trainer ist Schuld

Bei Vereinen, und das ist bei Madrid nicht anders als bei Sunderland, ist der Trainer derjenige, der die Sündenbockfunktion hat, egal was er macht oder unterläßt. Spielt das Team gut und dominiert den Gegner ist er ein begnadeter Fußballtaktiker, der Cristiano Ronaldo der Außenlinie, der Karpov der Strategie. Verliert das Team dagegen, dann ist der Trainer die größte Pfeife die der Fußball je gesehen hat, völlig egal ob er mit einem Verein regelmäßig die Meisterschaft gewinnt, was zählt ist der Augenblick und der ist für Sunderland alles andere als erfolgreich. Am Anfang steht bei den Fans die Mannschaft im Focus, einzelne Spieler werden aufgezählt und man sieht in ihnen die größten Idioten, wobei ich ganz ehrlich sagen muss, wäre ich der Trainer, ich hätte den Torhütern den Gnadenschuss verpasst. Gut es waren nur Momentaufnahmen, aber diese Momentaufnahmen haben gezeigt was die drei Torhüter für Fliegenfänger sind. Wenn Robbin Ruiter sagt, dass man als Torwart ständig einem Konkurrenzkampf unterliegt und nicht, wie als Feldspieler, auch auf anderen Positionen spielen kann, dann ist das eine Sache, aber wenn ich einen Kullerball nicht festhalte, was immer mal passieren kann, dann ist das eine Andere. Ich kann die Frustration und Wut von Fans und Trainer nachvollziehen und hätte am liebsten solidarisch mit den Fans mitgeweint.

So passiert es am Anfang dass man sich mit dem Trainer solidarisch zeigt und fordert, dass die Mannschaft komplett entlassen werden soll. Dann hört man auch von den Fans, dass den Trainer keine Schuld trifft, „die Mannschaft kann man einfach nicht trainieren! Warum?“ fragt die Stimme aus dem Off, ’na weil die Mannschaft ganz einfach Scheisse ist, wir sind Scheisse, so einfach ist das! Ein Giftbecher, niemand mag die übernehmen. Acht Trainer in zwei Jahren, das ist doch nicht normal, oder finden Sie das normal?“ 

Am Ende allerdings ist es der Trainer der gehen muss, denn die Stimmung kippt gegen Grayson, „Mann, wann haben wir eigentlich das letzte Heimspiel gewonnen, das ist doch Scheisse sowas und daran ist der Trainer Schuld, der stellt die Jungs nicht gut genug ein! Da fehlt völlige Motivation, die schleichen ja teilweise über den Platz! Hast Du Cattermole gesehen? Da ist mein Opa ja schneller mit dem Ball!“ Auf Grayson folgt Chris Coleman und erinnert einen daran, dass Fußball zwar mit Emotionen zu tun hat, aber ein Geschäft ist.

Everything counts in large amounts

Sunderland ‚Til I Die spricht auch die nicht so schöne Seite im Profisport an. Seit ein paar Jahren regiert das große Geld das Fußballgeschäft und viele Milliardäre leisten sich einen Fußballverein. Chelsea, oder Leicester sind Beispiele. Entweder sie stehen mit Leidenschaft hinter dem Verein und geben ihm die Möglichkeit sich mit Topspielern auszustatten, oder sie verwenden den Verein als Abschreibungsobjekt. Es wird in der Serie nicht ganz klar, aber man hat den Eindruck dass Ellis Short genau das gemacht hat.

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Gute alte Zeit als Fußball noch Amateursport war und nicht das große Geld

Ob nun er, oder die Vorbesitzer, Fakt ist, der Verein ist hoch verschuldet. Um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten greift man auf Leihspieler und die eigene Jugend zurück. O-Ton Bain: „394 Mio.£ haben die Besitzer in neue Spieler investiert, dem gegenüber stehen aber Verkäufe von 149 Mio.£, und die meisten Spieler waren absolute Flaschen und Fehlinvestitionen die das Geld nie reingespielt haben.“ Am Ende steht dann der Verkauf des Vereins durch Short der schon vorher beschlossen hatte kein Geld mehr in den Verein zu investieren, meist das Todesurteil für einen Club und eine Zeit, in der es für den Verein besonders bitter war. Was man auch erfährt, das ist die Distanz zwischen Club und Besitzer. Nicht ein einziges mal hat Short mit dem Verein gesprochen, anscheint wußte er gar nicht was vor sich geht, oder es war ihm egal. Selbst nach dem Verkauf war er nicht bereit nach Sunderland zu kommen.

In diesem Moment atmet der Zuschauer auf dass die europäischen Ligen, im Gegensatz zu MLS und anderen Sportvereinen in den USA, keine Franchisebetriebe sind. Der Besitzer kann nicht nach Gutdünken ein Team in eine andere Stadt verkaufen, so wie es in der NFL in der jüngeren Vergangenheit durchaus Usus war. Borussia Dortmund, oder Bayern München werden immer in Dortmund oder München bleiben und nicht aus einer Laune heraus nach Dorsten, oder Ingolstadt verkauft werden. Allerdings, gerade für die Premierleague -das zeigt die Serie wunderbar-, ist es existenziell so schnell wie möglich einen neuen Investor zu finden. Sunderland zeigt was passiert, wenn der Investor den Geldhahn zudreht. Vereine wie Redbull Salzburg, Leipzig, oder New York haben immer das Damoklesschwert über dem Haupt, denn was passiert wenn Redbull plötzlich abspringt? Leipzig hat keine Tradition wie Salzburg, oder Hoffenheim, wo allerdings der Verein weitestgehend autonom agieren kann. Ein Gedanken den auch ich mir gestellt habe, „was wäre wenn.“

Fankultur

Es heißt dass der AFC die treuesten Fans hat, egal wie der Verein spielt, es besuchen regelmäßig 27.635 Zuschauer die Heimspiele des AFC. Man lernt einige Fans kennen, ist teilweise Ziel der Frustrationen…„Mach die Scheiß Kamera aus….mach sie aus, habe ich gesagt!“…. Man wird Zeuge wie sich Chris Coleman beinahe mit einem Fan prügelt als er entlassen wird und sich vor dem Vereinsgebäude von ein paar Fans verabschiedet…“Chris, Chris! Na was sagst Du jetzt dazu?… Das ich die Verantwortung übernehme!… Das Du was? Du Arschloch weißt doch gar nix!…Wie nennst Du mich? Ich bin verheiratet und habe 6 Kinder und Du nennst mich ein Arschloch?…Komm doch her Du wenn Du Dich traust! Ich schlag Dir in die Fresse!“…. Security verhindert dass die Beiden aufeinander losgehen, aber es zeigt sehr schön den Frust auf der einen und die Verzweiflung auf der anderen Seite, wenn man als Trainer alles gegeben hat und am Ende mit leeren Händen dasteht.

Die Verbundenheit des AFC zeigt sich auch, dass Fans und Verein sich regelmäßig in einem Restaurant treffen. Man stelle sich vor der Vorstand und Spieler des FCB würden sich zu Schweinshaxe, Schweinsbraten und Bier treffen, oder Schalke 04 in Charles Bummelzug. Undenkbar, aber in Sunderland pflegt man das und das ist der Spagat zwischen Volksnah und Professionalität. Man ist, trotz allem, füreinander da und man nimmt den Spielern ab, dass ihnen der Club und Menschen nicht egal sind. Ich, für meinen Teil, war sogar drauf und dran eine Mitgliedschaft zu beantragen, so wird der Zuschauer involviert und zum Teil des Ganzen. Abgehalten davon hat mich die Entlassung Bains, für mich der Sympathieträger dem man ansieht, dass Fußball, besser das was er macht, nicht Job, sondern Herzen ist. Er leidet und identifiziert sich mit „seinem Verein“ obwohl es ihm egal sein dürfte ist er doch „nur Angestellter.“

Fazit: Diese Serie war wirklich seit Langem das Beste was ich bisher an Sportdokumentationen gesehen habe. Hier ist nichts gestellt oder geschönt und man nimmt es jedem Akteur ab was er sagt. Seien es die Fans, die Spieler, die Trainer, oder der Geschäftsführer. Man leidet jede Minute mit und freut sich über jeden Erfolg, obwohl das Quatsch sein dürfte sind es doch keine Momentaufnahmen, aber den Machern gelingt es diese vergangenen Episoden wie Momentaufnahmen rüberzubringen und dafür gebührt ihnen ein dickes dickes Lob. Meine Hochachtung. Ich kann diese Serie wirklich jedem empfehlen der interessiert ist an Sportdokumentationen  und einen Netflix Zugang hat, denen auch ein Lob gilt sowas anzubieten. Man muß kein Fan des AFC Sunderland sein, spätestens nach dem Ende sagt man sich „Sunderland ‚Til I Die!!“

Eight Amendment und deutsche Besserwisser

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Abtreibungsgegner in Dublin

Am 25. Mai entscheiden die irischen Bürger über den Artikel 40 der irischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass sich die irische Regierung dazu verpflichtet das Leben aller Iren, selbst der Ungeborenen, zu schützen und wurde, am 7. Oktober 1983 per Gesetzesänderung, so in die Verfassung geschrieben (siehe Achtes Gesetz zur Änderung der Verfassung). Soweit so Gut, oder auch nicht, denn wenn ich die Berichte und Kommentare in deutschen Zeitungen verfolge, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren das Länderkritik das Hobby vieler Deutscher ist.

Selbst wenn sie absolut keine Ahnung haben wie es in fremden Ländern aussieht, eine Meinung haben sie trotzdem und müssen diese, egal wie bescheuert die auch sein mag, kund tun. Seit dem Anfang der Kampagne schaue ich hin- und wieder was deutsche Zeitungen so schreiben, beziehungsweise wie die Kommentare dazu sind und kann oft genug nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich hatte der österreichische Journalist, Schauspieler und Schriftsteller Franz Schönthan von Pernwaldt diese Leute im Sinn als er schrieb: „Niemand weiß soviel Schlechtes von uns wie wir selbst. Und trotzdem denkt niemand so gut von uns wie wir selbst.“

Im Falle der irischen Debatte glaubt der Deutsche zu wissen, was wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. In den Augen einiger sind wir „wilde Barbaren,“ „Rednecks“ und nicht würdig in der Mitte der europäischen Gesellschaft einen Platz zu haben. Manche gehen sogar soweit in ihren Kommentaren zu fordern, dass uns die EU aus der Gemeinschaft wirft auf Grund des Verfassungsartikels und gar nicht begreifen, bzw. begreifen wollen, wie der Artikel zu Stande kam und, knapp 35 Jahre später, ein neues Referendum notwendig macht. Außerdem fehlt das komplette Wissen, dass nicht nur in Irland die Rechtslage zur Zeit so ist wie sie ist, sondern auch in Polen das Abtreibungsrecht verschärft wurde, beziehungsweise in Malta Abtreibungen verboten sind.

Volksabstimmungen in Irland

Volksabstimmungen haben in Irland eine lange Tradition. Die Regierung lässt gerne das Volk abstimmen, wenn die Politiker sich nicht unbedingt in die Nesseln setzen wollen, wie zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Man kann damit auch kein Geld verdienen und hinterher, mit dem Hinweis „Ihr wolltet es doch so,'“ jegliche Verantwortung von sich schieben.

Die erste Volksabstimmung zum Abtreibungsgesetz gab es 1983. In Irland, wie wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land, wurde Abtreibung auch in hier leidenschaftlich diskutiert. Abtreibung war hier verboten und hätte es den Fall der Hausfrau Sheila Hodgers aus Dundalk nicht gegeben wäre es wahrscheinlich nie zur Abstimmung gekommen, wer weiß das schon. Mrs. Hodgers, die zu diesem Zeitpunkt unheilbar an Krebs erkrankt war, gebar wenige Tage nach ihrem Tod ein Kind, welches sofort verstarb. Daraufhin wurde eine Debatte geführt, ob es nicht besser gewesen wäre hätte man, wie in anderen Ländern, eine Abtreibung durchgeführt.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Abtreibungsgegner zu dem Zeitpunkt die besseren Argumente hatten und die Befürworter offensichtlich nur unzureichend vorbereitet waren, was dazu führte, dass die Gegner die Volksabstimmung gewannen und, da es auch darum ging das Leben aller Iren zu schützen, dieses in die Verfassung aufgenommen wurde, denn das war eines der Argumente. Auch wenn ich Religion ablehne, aber die katholische Kirche hatte wenig Einfluss auf die Debatte. Deutsche, die Leidenschaftlich die Bedingungen in anderen Ländern diskutieren, wären gut beraten, wenn sie sich informieren und nicht mit Hurragebrüll irgendetwas schreiben, nur weil das ihrer Vorstellung entspricht, wie andere Menschen zu sein haben.

Wie Falschmeldungen sich ausbreiten

In der Debatte über die Volksabstimmung kann man sehr gut beobachten, wie Falschmeldungen sich im Netz verbreiten und einfach Nachrichten übernommen werden statt sie zu prüfen. In einem Artikel für die taz schrieb Ralf Sotscheck über den Tod von Savita Halappanavar, „Die Ärzte weigerten sich: Solange das Herz des Embryos schlage, dürften sie nichts unternehmen. „Das ist ein katholisches Land“.“ In dem Artikel vermischt er Tatsachen mit Vermutungen zu dem Fall, die so gar nicht stattgefunden haben, aber von anderen deutschen Zeitungen ungeprüft übernommen wurden.

Am 28. Oktober2012 starb die 31 jährige Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätskrankenhaus von Galway an Schwangerschaftskomplikationen. Die Ärzte, das gibt Sotscheck korrekt wieder, verweigerten den Schwangerschaftsabbruch mit dem Hinweis auf das irische Gesetz, dann allerdings setzt er noch einen drauf und behauptet, dass die Ärzte gesagt hätten dies sei ein katholisches Land. Keine Ahnung wie er darauf kommt, aber das haben sie nie gesagt. Weder irische Zeitungen, noch die Krankenhausberichte wissen davon und der Bericht des HSE sowie das folgende Gerichtsurteil nahmen nicht Sotschecks Aussage, sondern das was wirklich gesagt wurde zum Anlass, dass der Gesetzgeber gezwungen war das Eight Amendment zu überarbeiten. Statt allerdings das Ganze zu kippen, wurde es verschlimmbessert, so das nun keiner mehr weiß was richtig ist.

Aber es war nicht nur diese Aussage die offensichtlich ungeprüft Einzug in deutsche Medien und damit auch Munition für sämtliche AbtreibungsbefürworterInnen lieferte. So schrieb Sotscheck davon, dass bei Abtreibung 14 Jahre Haft drohen. Wenn also, wie er vorher schrieb, Abtreibung in Irland verboten ist und Abtreibungskliniken nicht existieren, wie kann dann jemand für Abtreibung in Irland 14 Jahre Haft wegen Totschlags erhalten, macht wenig Sinn oder?

Laut dem Faktencheck der Irish Times reisten mehr als 170.000 irische Frauen in das europäische Ausland, um abtreiben zu lassen. Wären diese für 14 Jahre in’s Gefängnis gegangen, dann wären die irischen Gefängnisse überfüllt. Bezeichnend für diese Praxis in’s Ausland zu reisen ist der Fall eines jungen Paares denen der Arzt sagte, dass ihr Kind nur eine Woche überleben würde und riet dazu, dass die Beiden in England eine Abtreibungsklinik besuchen sollten, was sie schweren Herzens auch taten. Es kam wie es kommen musste, Freunde zeigten das Paar an und Beide gingen an die Öffentlichkeit und lösten in Irland eine neue Debatte aus.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe natürlich kein Recht über den Körper einer Frau zu bestimmen und als Mann werde ich wohl kaum in die Verlegenheit kommen ob ich abtreibe oder nicht, außerdem wäre ich für eine Schwangerschaft auch viel zu alt. Als Liberaler stehe ich aber dazu das Frauen das Recht haben sollten über so eine Frage selbst entscheiden zu dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Aber es ärgert mich jedes Mal, wenn ich deutsche Zeitungen, beziehungsweise die Kommentare verfolge und frage mich, was maßen sich diese Leute eigentlich an uns zu beurteilen oder Ratschläge zu geben? Sotscheck liegt mir mit seinen Artikeln eh schon im Magen und ich frage mich manchmal, warum er seit 30 Jahren hier lebt, wenn er die Iren anscheinend nicht leiden kann. Und, bevor jemand fragt, ich und meine Frau unterstützen diese Kampagne voll und ganz.

In Polen debattiert man darüber das Abtreibungsrecht zu verschärfen und in Malta ist Abtreibung komplett verboten, aber bei Irland glaubt man, man müsse den Leute sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Dabei wissen die Iren, wie sie es bei Abstimmung über Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bewiesen haben, am Besten wie sie sich entscheiden müssen, ohne dass irgendwelche deutschen Besserwisser und Rechthaber das erklären müssen.

Wer sich informieren will:

http://www.thejournal.ie/abortion-referendum-1983-what-happened-1225430-Dec2013/

Darum geht’s

https://www.togetherforyes.ie

Das sind die Gegner der „Yes“ Kampagne

https://prolifecampaign.ie/main/

(Bezeichnenderweise sind viele junge Iren und Irinnen gegen die Abschaffung des Eight Amendment, wohingegen viele ältere Iren für die Abschaffung sind)

https://www.irishtimes.com/life-and-style/people/the-women-s-podcast

https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/abortion-facts

http://www.thejournal.ie/factcheck-uk-ireland-abortion-law-4027157-May2018/

https://edition.cnn.com/2018/05/22/health/ireland-abortion-referendum-travel-intl/index.html

 

Ohne Toast nix los

Irland hat, was Brot betrifft, keine große Reputation in der Welt. Denkt man an Irland, dann denkt man als erstes an Guinness, Whiskey, U2, Lord of the Dance oder an die Dubliners, weniger an Brennans berühmtes Toastbrot, oder an das „leckere“ Sodabrot.
Kein Brotliebhaber käme auf die abstruse Idee, die Firma Brennan in Dublin nach dem Rezept für das „leckere Brot“ zu bitten. Und niemand, der sich mit Brot beschäftigt, entschließt sich dort ein Praktikum zu machen, um das „perfekte Brot“ nachzubacken. Nicht mal Franzosen und Italiener benutzen Brennan um die Tauben zu füttern, nicht aus Tierliebe, sondern weil man es niemanden zumutet. Trotzdem hat Toastbrot in Irland den Status eines Nationalheiligtums. Toast rangiert gleich hinter St. Patrick, Michael Collins, James Joyce und Guinness, und noch vor W.B. Yeats, Oscar Wilde, Eamon de Valera und Brian Boru.

Toast, und ganz besonders die Firma Brennan, hat wahrscheinlich Generationen von Iren gesättigt und hätte es Toast schon 1845 gegeben, die große Hungersnot wäre nie gekommen.

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Geniesst Heiligenstatus

Es heißt, dass die Iren die Wikinger 1014, in der Schlacht von Clontarf, nur besiegen konnten, weil der Urahn des Gründers der Firma Brennan ausreichend Toastbrot zur Verfügung stellte, praktisch die irische Version des gallischen Zaubertranks. Die Bedeutung wurde mir bewusst, als sich die Meldungen häuften, dass es zu Lieferengpässen, bedingt durch die Blizzard-Warnung, kommen soll und in der Tat, Bilder der letzten Tage belegen, dass die Brotregale, bis auf wenige Ausnahmen, leer waren. Am meisten hat von der Versorgungslage, die Firma Brennan profitiert, die, glaubt man der Presseabteilung, die Produktion rund um die Uhr laufen liess, damit jeder Ire ein Paket Toastbrot im Haus hat.

Unsere Regierung hat sogar, um die Katastrophe abzuwenden, die Irish Defence Force in die Fabriken geschickt, damit die Versorgung mit Toastbrot sichergestellt ist, denn Brennans Toast befindet sich wahrscheinlich auch in jedem Tornister der irischen UN-

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Ohne Toast macht das Leben keinen Sinn

Soldaten. Auslieferungsfahrer sollen auf den Zufahrten der Supermärkte überfallen und ausgeplündert worden sein und viele Bilder beweisen, dass die Fahrer, sobald sie das Geschäft betraten, mit ihren Rollies gleich am Eingang bedrängt wurden. Seit 8 Jahren in Irland lebend, gibt es nur wenige Momente, wo ich ein Paket des deliziösen Brennans Brot im Haus hatte und kann, da wir in Deutschland das Brot Paradies auf Erden haben, der ganzen Panik nur Kopfschüttelnd begegnen.

Dabei gibt es durchaus Bäcker, die genau wissen wie man ein Brot backt und die, wenn sie fragt, warum sie nicht so tolle Brotsorten wie Soda- oder Toastbrot backen, einem verächtlich vor die Füße spucken. Aber wenn selbst die Macher des Netzwerkes „Real

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Nur die Stärksten überleben dank Brennans

Bread Ireland“ anonym bleiben, dann kann man sich in etwa vorstellen wie es die Mehrheit der Iren mit Brot hält. Tradition für sie heißt Toast- und Sodabrot, basta! Aber Iren wären keine Iren, wenn sie sich nicht mit der Krise einen kleinen Scherz erlauben könnten und so kursieren Videos im Netz wo Brennans Brot wie bei einem Drogendeal an einer Hausecke verkauft wird, oder jemand eine Packung Brennans Bread in Stücke reist und in den Schnee wirft damit es jemand aufhebt.

Da Emma uns zum Glück nur Heute und Morgen im Griff hat, kann man ab Anfang nächster Woche ein Aufatmen hören, was wahrscheinlich eine weitere Katastrophe zur Folge hat.

 

Blut und Boden

Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost. Carl Zuckmayer „Des Teufels General“  Völkermühle Europas

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AfD sauer weil Deniz freigelassen und nicht gefoltert wurde.

Eigentlich ist es schon eine Groteske wenn man eine Debatte darüber anstößt, wer einem Volk angehören darf und wer nicht. Diese Groteske fand in Deutschland ihren Höhepunkt, mit einem Antrag der AfD, zur Freilassung Deniz Yücels aus einem türkischen Gefängnis. Mir geht es nicht darum, ob die Bundesregierung nun auf die Türkei eingewirkt hat oder nicht, oder ob irgendwelche Deals stattgefunden haben.  Ich glaube es war so, wie der im Asyl lebende türkische Journalist Can Dündar in einem Interview mit der Zeit geantwortet hat: „Der Sultan hat Deniz Yücels Verhaftung angeordnet und der Sultan hat beschlossen, dass er freigelassen wird.“

Ich war genauso froh wie die Meisten, dass Deniz frei ist und das zählt erst einmal. Und ich hoffe, dass auch die anderen inhaftierten Journalisten freikommen, deren Verbrechen es ist, dass sie ihren Job ausüben. Mir geht es allerdings um etwas anderes, denn der Antrag der AfD hat gezeigt, auf welchem Weg Europa mittlerweile angekommen ist. Es geht der AfD auch nicht darum, was Yücel, der übrigens damals für seinen Artikel 20.000€ Strafe zahlen musste, nun geschrieben hat und was nicht. Und wenn nicht Deniz Yücel, sondern Fürchtegott Liebrecht Frommhold, der Antrag wäre gar nicht gestellt worden.

Es geht der AfD auch nicht darum, dass die Bundesregierung ihre Missbilligung über einen Artikel Yücels zum Ausdruck bringt, den er vor einigen Jahren schrieb, sie wissen wahrscheinlich selber dass das Absurd ist.

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Cem Özdemir in Hochform zerlegt die AfD

Es geht der AfD vielmehr darum auszuloten, wie weit sie in dieser Gesellschaft gehen können. 2005 sorgte die sächsischen NPD Abgeordneten Apfel und Gansel für einen Eklat, als sie vom „Bombenholocaust“ und von der „vermeintlichen Befreiung“ Deutschlands sprachen. Sowohl die NPD als auch die AfD wissen genau, dass sie mit solchen Eskapaden nicht durchkommen, aber es sorgt für allgemeinen Zuspruch bei den sogenannten „Wutbürgern.“Sie haben die Möglichkeit auszuloten, wie weit sich Meinungsfreiheit und parlamentarische Demokratie dehnen lassen und besitzen die Meinungshoheit bei Leuten, die schon gewußt haben wollen, dass Deutschland von Volksverrätern regiert wird. Man gibt diesen Leuten auch das Instrument in die Hand, sich als Opfer darzustellen, die zu Unrecht in die Schmuddelecke gestellt werden. Dass sie das sind, Schmuddel, steht außer Frage, aber man muß ihnen nicht noch das Büßergewand reichen. Und folgerichtig kam es, wie es kommen mußte die AfD sieht sich als moralischen Sieger dieser Groteske und jauchzt: „MERKE: Wenn Gutmenschen kritisiert werden, ist es Hetze. Wenn eine Aussage gegen Deutsche („Köterrasse“) kritisiert wird, ist es Zensur. Und wenn Herr Yücel ein „deutscher Patriot“ sein soll, muss rasch das Staatsangehörigkeitsrecht überdacht werden. #afd“ So schrieb es der Herr Beckamp, Landtagsabgeordenter der AfD in NRW, auf seinem Twitter Account.

Sowas kommt an bei denen, die der Meinung sind, dass Roberto Blanco seinen deutschen Paß doch eh mit irgendwelchem Bimbes erhalten hat, gut an. Volkszugehörigkeit definiert sich nicht durch Paß oder Geburt, nein ihrer Meinung nach definiert sich Volkszugehörigkeit nach dem Ahnenstamm.

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Westentaschenführer muss eingestehen: Hitler war gar kein Deutscher

Nur wer lückenlos nachweisen kann, dass sein Stammbaum bis zu Otto dem Kühnen zurückreicht, ist es wert in den Kreis des Kollektivs aufgenommen zu werden. Oder, für Österreicher, ein direkter Nachfahr Ludwig III ist, dem Urvater der Babenberger und Gründer Österreichs.

Leider hat das in Europa unter all diesen Populisten schon seit längerem Methode und beschränkt sich nicht auf Deutschland oder Österreich. Hier in Irland findet man sehr häufig Kommentare, die Neubürgern das Recht absprechen Iren zu sein, oder sich als solche zu bezeichnen. Allen Ernstes fordern sie, dass nur Ire sein darf, wer praktisch noch vor Ankunft der Wikinger im Land lebte. Eine in der Tat groteske Situation denn Irland war in der Vergangenheit immer der Vorgarten fremder Mächte. Die Kelten waren die Ersten die vom Festland aus die Insel besiedelten. Ihnen folgten die Mönche, meist Angelsachsen, dann kamen die Wikinger bis die Normannen Fuß fassten und Irland für die englische Krone in Besitz nahmen.

In Cork haben wir einen Juwelier mit Namen Hilser und ich nehme nicht an, dass die Hilser Brothers mit den Hilsers in Furtwangen verwandt oder verschwägert sind. Eher nehme ich an, dass die Vorfahren in Schweizer Diensten standen und die Schweizer wiederum in englischen. Wahrscheinlich war der Herr Hilser in Irland stationiert und hat sich, nach Ende der Dienstzeit, hier niedergelassen, geheiratet und Kinder bekommen. Der erste Staatspräsident des Freistaates Irland, Éamon de Valera, geht auf Spanier zurück. Wahrscheinlich haben sich auch Türken hier niedergelassen, als der türkische Sultan während des Famines Schiffe nach Irland sandte, wer weiß.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, genannt der Viktator, beschwört in jeder seiner Reden das Großmagyarische Reich.

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Der Viktator liebt Kinder und verschweigt seine Westsibirische Abstammung…Komplott der Liberalen?

Das kommt an, lenkt von Problemen wunderbar ab, denn „Wir“ gegen „Die“ begreift auch der größte Holzkopf. Ungarn sind nicht mehr die, die im europäischen Ausland leben und arbeiten, denn die könnten ihm ja in die Suppe spucken. Oh nein, Ungarn sind die, die im Kernland und im historischen Ungarn leben, also auch die ungarische Minderheit in Rumänien. Das ist eine griffige Formel und alle die im Ausland arbeiten haben ihr Recht verwirkt Angehörige der Magyaren zu sein, praktisch Verräter.

Das Problem ist, dass Volk, leider auch von Liberalen, auf einen völkischen Nenner runtergebrochen wurde. Man definiert sich durch Abstammung, nicht durch Geburt. Der Satz, „eine Katze die in einem Fischladen geboren wurde, ist noch lange kein Fisch,“  sagt alles worum es diesen Leuten eigentlich geht. Und das kommt an. Man kann sich so auch als unschuldiges Opfer der bösen „Gutmenschen“ sehen und Orbán spielt diese Klaviatur des Opfers noch eine Oktave höher, in dem er den „Verfolgten des westlichen Liberalismus“ Asyl anbietet. Quasi eine Wagenburg der europäischen Identität.

So sehr ich Cem Özdemirs Wutausbruch im Bundestag auch nachvollziehen kann und ihn im ersten Moment, als ich ihn gesehen habe, Beifall zollte, so sehe ich jetzt in seiner Rede einen Steilpaß für diese Populisten.

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Gottfried Curio AfD: Baut der Physiker vielleicht eine Atombombe im Keller?

Die Frage allerdings wird sein, wie geht am Besten mit diesen Leuten um? Im englischen und irischen Fernsehen läuft häufiger die Werbung von Ancestor DNA, Vielleicht sollte man diese Leute, und ihre Sympathisanten, zwingen sich einem DNA Test zu unterziehen. Eventuell erledigt sich dieses völkische Kasperltheater von selbst, wenn ein Herr Gauland plötzlich die Feststellung macht, dass einer seiner Vorfahre ein durchreisender Mongole aus der Steppe ist, oder Herr Gottfried Curio stellt überrascht fest einen Ahnherren aus den Weinbergen Sardiniens zu besitzen.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob damit die Debatte und groteske Aträge der Vergangenheit angehören würden. So wie ich diese rechten Wuthamster einschätze würden sie dann die nächste Sau durch‘s Dorf treiben.